USA: Die Coronakrise verschärft die Zeitungskrise

11.09.2020 •

Als Anfang August dieses Jahres die „Daily News“ aus New York, einst die am weitesten verbreitete Tageszeitung der Vereinigten Staaten, bekannt gab, sie werde ihre Büros in Lower Manhattan, ihrem Hauptquartier, und in vier anderen Standorten dauerhaft schließen, da bezeichnete das die Konkurrenz als ein „ vor der Corona-Pandemie nahezu undenkbares Ereignis“ („New York Times“ vom 12.8.2020). Die „Daily News“ erscheint dennoch weiter. Sämtliche Mitarbeiter arbeiten nun im Home Office und produzieren auf diese Weise die Zeitung.

Im Jahr 2017 war das traditionelle Blatt, gegründet 1919, zwar schon für den symbolischen Preis von einem Dollar an Tribune Publishing, den Eigentümer der „Chicago Tribune“ und damals (bis 2018) auch der „Los Angeles Times“, verkauft worden und musste sich einschneidende Veränderungen gefallen lassen; doch die Schließung des historischen New Yorker Hauptquartiers wurde in den USA als eine Art Symbol für die katastrophalen Auswirkungen der Coronakrise auf alle Bereiche des öffentlichen Lebens wahrgenommen.

Dass eine große Tageszeitung, wie nun die „Daily News“, über keinen physischen Standort und damit keine klassischen Redaktionsräume mehr verfügt, ist ein Zustand, den auch die rückläufigen Verkaufszahlen durch die Umorientierung ganzer Leserschichten auf die neuen sozialen Medien bisher nicht verursachen konnten. Die Folgen der Virusepidemie haben es geschafft. Daran können auch die beruhigend gemeinten Worte der „Daily-News“-Eigentümer nichts ändern, wenn zum Beispiel deren Repräsentant Max Reinsdorf sagt: „Je nachdem wie sich die Pandemie auf uns auswirkt, werden wir das Erfordernis physischer Büros neu erwägen.“

Weniger Leser, weniger Anzeigen

Auch andere Nachrichtenmedien in den USA wurden durch das fatale Zusammentreffen von allgemeiner Zeitungskrise und Virusepidemie aus der Bahn geworfen. Der Medienkonzern Gannett, Herausgeber von „USA Today“, „The Detroit Free Press“ und von mehr als 250 kleineren Zeitungen, hat 24.000 Mitarbeitern zuletzt jeden Monat für fünf Tage die Gehälter gestrichen und seinen leitenden Angestellten eine Gehaltskürzung um 25 Prozent verordnet. Die McClatchy Company, zu der 29 Tageszeitungen in 14 US-Bundesstaaten gehören, musste schon zu Beginn der Coronakrise Konkurs anmelden und wurde im Juli für 312 Mio Dollar verkauft. Der Rückgang an Anzeigenaufträgen verursachte die Entlassung vieler Angestellter. Die „Los Angeles Times“ hat drei unter ihrem Dach herausgegebene Wochenzeitungen eingestellt. Sogar die „New York Times“ sah sich veranlasst, bei ihrer Print-Ausgabe die gesamte Struktur umzukrempeln, um sie den veränderten Verhältnissen anzupassen.

Aufgrund der Abwanderung vornehmlich der jungen Leserschaft zu den sozialen Medien und wegen des dadurch bedingten Rückgangs der Abonnements ging es den amerikanischen Zeitungen schon vor der Coronakrise schlecht. Aber seit dem Beginn der Epidemie verschärft sich die Lage zusehends, da inzwischen auch immer mehr die Einnahmen aus dem Anzeigensektor wegbrechen, was zahlreichen Zeitungsunternehmen die finanzielle Grundlage entzieht.

Dass es sich dabei nicht um ein rasch vorübergehendes Phänomen handelt, bekunden die immer weniger werdenden Stellenangebote in den USA. Die Medienindustrie und vor allem die Zeitungsbranche sind davon besonders betroffen. Während die Zahl der Stellenangebote im Frühjahr 2020 im Allgemeinen um 24 Prozent gefallen ist, fiel sie im Mediensektor um 35 Prozent. Als der Verlag der „Daily News“ die Schließung der Büros der Zeitung bekannt gab, blieb ihr kein optimistischerer Blick in die Zukunft als der von einem Tribune-Publishing-Vertreter geäußerte Satz: „Mit dieser Ankündigung beginnen wir auch, Ausschau zu halten nach strategischen Möglichkeiten und Alternativen für die künftige Raumsituation.“

11.09.2020 – Ev/MK

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