USA: Der Wettkampf der Streaming-Anbieter

28.02.2020 •

Eine Studie des unabhängigen Investment-Unternehmens Cowen and Company von Ende Dezember 2019 ergab aufschlussreiche Zahlen zum Sehverhalten der US-amerikanischen Fernsehzuschauer. Demnach nutzen 25 Prozent der Befragten am häufigsten das kostenpflichtige Angebot der Streaming-Plattform Netflix. 18 Prozent schauen die Programme der kostenfreien Kabelsender (das sogenannte „Basic Cable“), 17 Prozent schalten überwiegend die Broadcast-Networks ein und 13 Prozent nutzen YouTube. Der Rest verteilte sich auf andere Anbieter.

Das also ist in etwa der Stand zu Beginn eines neuen Wettkampfs um die Zuschauer und um deren Geld, der in den kommenden Jahren den Medienmarkt kennzeichnen wird. Seit November 2019 haben sich Disney plus und Apple TV plus zum Kreis der Streaming-Angebote hinzugesellt – starke Konkurrenten, bei denen allein schon deren markenträchtige Namen das Publikum dazu bewegen werden, alte Gewohnheiten aufzugeben und zumindest einmal hinzuschauen, was diese beiden neuen Streaming-Plattformen zu bieten haben. Im Frühling dieses Jahres kommen zu den Neuen dann auch noch HBO Max (Warner Media), Peacock (NBC/Comcast) und Quibi hinzu. Die Auswahl wird immer größer, die Konkurrenz der Veranstalter immer heftiger.

Beeindruckende Zahlen für Netflix

Der Marktführer Netflix ging nun mit beeindruckenden Zahlen in das Jahr 2020. Am 21. Januar gab das Unternehmen seine Umsatzzahlen für das letzte Quartal 2019 bekannt: Weltweit legte Netflix um 8,8 Mio Abonnenten auf insgesamt 167,1 Mio zu, der Umsatz wuchs um 31 Prozent auf 5,47 Mrd Dollar, die Nettoeinnahmen stiegen auf 587 Mio Dollar. Kein Grund zur Besorgnis also? Amerikanische Analysten gossen erste Wermutstropfen in die auf den ersten Blick so optimistisch erscheinende Bilanz. Sie zeigten sich nämlich weniger zufrieden mit den Netflix-Ergebnissen auf dem US-Markt, dem ersten Gebiet, auf dem die Auswirkungen der wachsenden Streaming-Konkurrenz bereits wirksam werden. Zwar hat Netflix auch dort neue Abonnenten anwerben können, nämlich 423.000 Kunden, doch das sind beträchtlich weniger als die 600.000, die vorhergesagt waren. Wie das Branchenblatt „Variety“ berichtet, hat Netflix inzwischen angekündigt, dass das Unternehmen auch die Erwartungen für das erste Quartal 2020 wohl nicht erfüllen werde. Das sei das Resultat der neuen Konkurrenz und der Preiserhöhungen, die Netflix noch im vergangenen Jahr vorgenommen hat. Nach dem Marktzutritt von Disney plus am 12. November 2019, heißt es in der Untersuchung von Cowen and Company, seien bereits eine Million bisherige Netflix-Abonnenten zu Disney übergelaufen.

Nun waren in diesem Jahr Produktionen von Netflix 24 Mal unter den Oscar-Nominierungen vertreten, das war mehr, als alle anderen Studios schafften. Vor diesem Hintergrund blicken die Branche und das Publikum nun umso genauer auf die inhaltliche Qualität des Gesamtangebots von Netflix, die letztlich entscheiden dürfte, ob das Unternehmen seine Führungsposition auf dem Streaming-Markt halten kann. Mit Vorzeigeproduktionen wie den Filmen „The Irishman“ (allein zehn Oscar-Nominierungen), „Marriage Story“ und „Die zwei Päpste“ und immer größeren Investitionen in eigene Serien hat Netflix zumindest den Boden dafür bereitet, von keinem der namhaften neuen Streaming-Anbieter einfach überrannt zu werden.

Allein im laufenden Jahr will Netflix 17,3 Mrd Dollar in Eigenproduktionen investieren. Das sind rund 2 Mrd Dollar mehr als im Jahr 2019. Imponierende 21 Mio Abrufe gab es seit Mitte November 2019 für die dritte Staffel der Serie „The Crown“ und 76 Mio Abonnenten schalteten in den ersten vier Wochen die neue Fantasy-Serie „The Witcher“ ein (abrufbar seit dem 20. Dezember 2019). Bei Netflix kann man nur hoffen, dass das auch in Zukunft so bleibt. Dann hätte der jetzige Marktführer vielleicht doch weniger zu befürchten, als manche Analysten derzeit annehmen, auch wenn die Kundenzahlen zunächst einmal an Stabilität verlieren sollten.

28.02.2020 – Ev/MK