USA: Der Kinofilm-Sender TCM ändert sein Gesicht

02.10.2021 •

Wer gerne klassische amerikanische Kinofilme im Fernsehen sieht, findet in den USA seit 1994 eine Heimat beim Kabelsender Turner Classic Movies (TCM), dessen Repertoire sich hauptsächlich aus den vielen tausend Filmen der Hollywood-Studios Warner Bros. und Metro-Goldwyn-Mayer (MGM) speist. Der werbefreie Pay-TV-Sender gehört zum Angebot fast aller Kabel- und Satellitenunternehmen und wurde dafür bekannt, dass er die Ausstrahlung seiner Filme mit filmhistorischen Einführungen versieht, die dem Publikum Hintergründe und Anekdoten zur jeweiligen Produktion vermitteln. Der erste Filmklassiker, den der Sender ausstrahlte, war „Vom Winde verweht“. 2008 und 2013 erhielt TCM den Peabody Award für seine Verdienste um die Bewahrung der Filmgeschichte.

Nun könnte sich manches ändern. TCM gab nämlich bekannt, dass für den Sender eine neue Ära beginnen soll, das heißt, es soll eine „Auffrischung“ seiner Präsentation geben. Wenn es um Veränderungen geht, seien sie auch nur stilistischer Art, muss man beim amerikanischen Fernsehen allerdings Skepsis walten lassen. Nur allzu oft fallen sie nämlich weniger zugunsten des Angebots als zum Vorteil des Geschäfts aus. Man muss deshalb die kommenden Monate abwarten, um genauer zu sehen, was im Zeitalter der Streaming-Konkurrenz aus TCM wird und welchen Einfluss die geplanten Auffrischungen möglicherweise auch auf andere Kabelsender haben könnten.

In Misskredit geratene Filme

Was bisher bekannt wurde und bröckchenweise schon auf dem Bildschirm erkennbar wird, sind vorwiegend Modernisierungen von Äußerlichkeiten, zum Beispiel von Logo, Szenerie und Kleidung (der Moderatoren). Man hält es bei TCM nun offenbar für wichtig, die Präsentation der Filme ästhetisch aufzuputzen, um unter anderem dadurch die allgemein zu beobachtende Abwanderung des amerikanischen Publikums von den Kabelsendern zum Videostreaming aufzuhalten.

Substanzielle Neuerungen sind vorerst noch selten. Begonnen hat TCM etwa mit einer Serie unter dem Titel „Reframed“, die es sich zur Aufgabe macht, Filme wie „Vom Winde verweht“, „Frühstück bei Tiffany“ oder „Der Jazzsänger“, die wegen ihrer Darstellung von Rasse, Geschlecht und Sexualität in Misskredit geraten sind, kritisch unter die Lupe zu nehmen. Gegen solche Filme gibt es heutzutage zum Teil Proteste in der Öffentlichkeit. Doch TCM will sie deshalb nicht ganz aus dem Programm nehmen, sondern stattdessen weiterhin die ungekürzten Fassungen zeigen, dann aber deren Ausstrahlung mit Gesprächen und Diskussionen zu den Filmen und deren Themen begleiten.

HBO Max als ähnliche Abspielbasis

Dieselbe durchaus vielversprechende, wenn auch im internationalen Fernsehen nicht gerade neue Richtung zeichnet sich in einer Werbekampagne ab, mit der auch Zuschauerkreise angesprochen werden sollen, die ansonsten nicht so cinephil sind. Am Beispiel von beliebten Stars und Regisseuren will TCM alte und neue Verfilmungen desselben Themas vergleichend präsentieren, etwa die Verfilmungen von „A Star Is Born“ durch George Cukor im Jahr 1954 und durch Bradley Cooper im Jahr 2018 oder auch die Darstellungen derselben Rolle in den beiden Versionen des Westerns „True Grit“ (1968 und 2010) durch John Wayne und Jeff Bridges. In Deutschland bekam der Film mit John Wayne seinerzeit den Titel „Der Marshal“. In beiden Fällen handelte es sich um eine Verfilmung nach dem Buch „True Grit“ von Charles Portis.

Es ist gewiss kein Zufall, dass solche äußerlichen und auch inhaltlichen Modifikationen gerade jetzt vorgenommen werden, denn TCM ist ein Ableger von Warner Media und damit eine Schwesterfirma der ebenfalls zu Warner Media gehörenden Streaming-Plattform HBO Max, die im Mai 2020 gestartet wurde (vgl. MK-Meldung). Beide Unternehmen müssen also darüber nachdenken, wie sie sich voneinander unterscheiden und auf welche Weise sie kooperieren wollen. Auch HBO Max versteht sich ja als Abspielbasis zum Teil derselben Filme, was TCM offensichtlich als Aufforderung verstand, sein Konzept zu überdenken und sein Gesicht zu ändern. Die Sache kompliziert sich weiter dadurch, dass TCM neben seinem Programm im Kabelfernsehen nun auch noch über ein eigenes Streaming-Angebot namens Watch TCM verfügt, das sich ebenfalls aus demselben Fundus bedient.

02.10.2021 – Ev/MK

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