USA: Den Nachrichtenmedien wird immer weniger vertraut

04.11.2018 • Die Bürger der Vereinigten Staaten gehen am 6. November wieder zur Wahl. Bei den sogenannten Midterm-Elections (gemessen an der Halbzeit der Amtsperiode des Präsidenten) geht es insbesondere um die Entscheidung der Wähler, ob die Senatoren und Abgeordneten des Repräsentantenhauses in Washington bestätigt oder abgewählt werden. Deutlicher als jemals zuvor wird die diesjährige Wahl zusätzlich als Votum für oder gegen den amtierenden Präsidenten betrachtet, obwohl sich der umstrittene Donald Trump erst in zwei Jahren wieder selbst zur Wahl stellen muss.

Immer mehr Informationsquellen stehen im digitalen Zeitalter den potenziellen Wählern zur Verfügung, um sich sachkundig zu machen. Immer weniger Vertrauen aber haben die Amerikaner in die etablierten Nachrichtenmedien. Das liegt nicht zuletzt daran, dass Präsident Trump, der der konservativen Partei der Republikaner angehört, schon seit den Tagen seiner Kandidatur für das höchste Amt im Staat und erst recht in den fast zwei Jahren seiner Amtszeit die Reputation von Zeitungen und Sendern durch fortwährende Beschuldigungen verunglimpft, sie würden „Fake News“ verbreiten. Auch bei ‘unpolitischen’ Amerikanern, die das Tagesgeschehen nur unregelmäßig verfolgen, hat sich dadurch die Vorstellung verfestigt, dass Nachrichten nicht mehr zu trauen sei, ganz gleichgültig, woher sie kommen. Fernsehen, Radio und Zeitungen sind besonders betroffen und sehen ihre Publikums- bzw. Abonnentenzahlen kontinuierlich fallen.

Schlechtestes Ergebnis für Trump‑Administration

Besondere Bedeutung kommt in dieser Situation einer Umfrage zu, die kürzlich vom Center for Economic and Social Research der University of Southern California (USC) unternommen wurde. Teilnehmer der Studie waren 5044 Erwachsene, unter ihnen 2459 vermutliche Teilnehmer an den bevorstehenden Midterm Elections. Gegenstand der Umfrage waren neun Informationsquellen: die Fernsehsender MSNBC, CNN, Fox News und Public Television (PBS), das National Public Radio (NPR), landesweite und regionale/lokale Zeitungen sowie die Trump-Administration und der jeweilige Kongressabgeordnete der Umfrageteilnehmer.

Gefragt wurde nach den Emotionen, die die Befragten fühlten, wenn sie den Nachrichten über Trump und seine Regierung folgten. Von allen neun Nachrichtenquellen stellte sich unter den Teilnehmern der Studie die Trump-Administration als die am wenigsten vertrauenswürdige heraus. Sie war die einzige Quelle, für die eine Mehrheit der Befragten, nämlich 55 Prozent, angab, bei ihr kein Vertrauen zu empfinden. Die Trump-Administration selbst hatte damit das schlechteste Ergebnis.

Lokalzeitungen am vertrauenswürdigsten

Wie weit die Erosion des Vertrauens aber in sämtliche Nachrichtenquellen inzwischen geht, zeigt das Ergebnis, dass keine der Quellen das Vertrauen von mehr als einem Drittel der Befragten findet und dass das Vertrauen, soweit es noch besteht, deutlich von einer Polarisierung entlang den Parteilinien bestimmt wird. Das zeigt sich auch bei der Einschätzung der Vertrauenswürdigkeit der führenden amerikanischen Fernseh- und Radioprogramme.

Lokalzeitungen liegen an der Spitze der vertrauenswürdigen Nachrichtenpublikationen: Nur jeder siebte Teilnehmer sagte, er misstraue grundsätzlich seinen lokalen bzw. regionalen Zeitung. Etwa die Hälfte gab an, diesen Publikationen „etwas“ zu vertrauen, während ein Drittel ihnen „überwiegend“ oder „komplett“ vertraut. Unter den landesweiten Medien zeigen die Resultate eine starke Polarisierung: Ungefähr 25 Prozent der Befragten sagten, sie vertrauten den Nachrichten von MSNBC oder Fox News; 60 Prozent bekundeten geringes Vertrauen in diese beiden Sender. CNN, PBS, NPR und überregionale Zeitungen erhielten Vertrauensbekundungen von nur etwa jedem dritten Teilnehmer der Studie, wobei die Zahl bei Wählern der Demokratischen Partei höher liegt als bei Anhängern der Republikaner.

In einem scheint sich ein Großteil des amerikanischen Volkes allerdings einig zu sein: Rund die Hälfte aller Befragten, gleich welcher Parteizugehörigkeit, gab an, sie seien der parteiischen Berichterstattung in den Medien überdrüssig.

04.11.2018 – Ev/MK

Print-Ausgabe 23/2018

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