USA/Großbritannien: Pay-TV-Sendergruppe Sky gehört jetzt zu Comcast

19.10.2018 • Es war ein höchst ungewöhnliches Manöver, das schließlich und endlich den Wettstreit der rivalisierenden US-Unternehmen Comcast und 21st Century Fox (Rupert Murdoch) um die Übernahme der britischen Pay-TV-Sendergruppe Sky plc entschieden hat, zu der unter anderem Sky Deutschland gehört. Auf Anordnung der britischen Regierungsbehörde „Panels on Takeovers and Mergers“ vom 20. September fand in London eine sogenannte blinde Auktion statt, die über den Ausgang der schon seit Februar dieses Jahres konkurrierenden Gebote entschied: Der US-amerikanische Kabelnetzriese Comcast Corporation gewann die Auktion am 21./22. September mit einer Offerte in Höhe von rund 29,6 Mrd britischen Pfund (33 Mrd Euro).

Comcast bot 17,28 Pfund (19,26 Euro) pro Aktie, bei Fox waren es nur 15,67 Pfund (17,47 Euro). Die britische Behörde hatte die Versteigerung angeordnet, weil die beiden Bieter ihre vorherigen Gebote nicht für endgültig hatten erklären wollen. Als Folge der Auktionsentscheidung wurde festgelegt, dass bis zum 11. Oktober mindestens 51 Prozent der Aktionäre von Sky plc dem Vollzug des Deals zustimmen müssen, indem sie bis dahin ihre Anteilsscheine an Comcast verkaufen. Am 9. Oktober gab Comcast bekannt, bereits im Besitz von 75 Prozent der Aktien von Sky plc zu sein. Zugleich kündigte der Konzern an, die Börsennotierung von Sky an der Londoner Börse voraussichtlich am 7. November zu beenden. Die Sky-Aktie wird in der näheren Zukunft also nicht mehr handelbar sein und somit vom Markt verschwinden. Am 11. Oktober waren dann bereits 95,3 Prozent der Sky-Aktien im Besitz von Comcast.

Machtverhältnisse ändern sich

Mit der Übernahme von Sky hat Comcast nun eine Menge gewonnen. Denn erst vor einigen Monaten war Comcast in einem ähnlichen Bietergefecht um den Entertainment-Bereich von 21st Century Fox von der Walt Disney Company überboten worden (vgl. MK-Meldung), was für Comcast angesichts der fortschreitenden Konzentration auf dem Medienmarkt ein schwerer Schlag war. Für die Comcast Corporation ist es vor allem wichtig, seine internationale Präsenz auszuweiten, da dort das größte Wachstum zu erwarten ist. Sky bietet Pay-TV in derzeit 23 Mio Haushalten in England, Irland, Italien, Deutschland und Österreich an. Das Unternehmen könnte eine ideale Plattform für einen globalen Streaming-Dienst abgeben, der in der Lage wäre, mit Netflix und anderen Streaming-Anbietern auf gleichem Fuß zu konkurrieren. Eine Kombination seiner eigenen Content-Hersteller, zu denen vor allem das Hollywood-Studio NBC Universal gehört, mit den Kapazitäten von Sky würde Comcast mit einem Schlag zu einem potenten Mitspieler auf weltweiter Ebene machen. Die Machtverhältnisse auf dem internationalen Medienmarkt verändern sich somit weiter.

Nachdem das Unternehmen 21st Century Fox sich beim Bietergefecht in London um Sky plc Comcast geschlagen geben musste, entschied Fox wenige Tage später, am 26. September, sein Sky-Aktienpaket (39 Prozent) an Comcast zu verkaufen. Dadurch erlöste Fox einen Betrag von 15 Mrd Dollar (13 Mrd Euro) und ist nun nicht mehr an Sky beteiligt. Vor knapp 30 Jahren hatte Rupert Murdoch in Großbritannien den Sender Sky Television gegründet, aus dem in den weiteren Jahren ein hochprofitabler Pay-TV-Konzern wurde, in den dann später auch Sky Italia und Sky Deutschland integriert wurden. Murdoch ist jetzt in Großbritannien nicht mehr an einem TV-Sender beteiligt – eine Zäsur. In den USA ist Murdoch über sein Unternehmen 21st Century Fox weiterhin im Fernsehen engagiert (über die landesweiten Fox-Kabelprogramme). Der Entertainment-Bereich, darunter das Hollywood-Studio 20th Century Fox, ging durch die bereits erwähnte Übernahme an den Disney-Konzern.

Auf den ersten Blick mag es so aussehen, als ob die Walt Disney Company durch die Entscheidung von Fox, das Sky-Aktienpaket an Comcast zu verkaufen, benachteiligt worden wäre. Doch Disney hat diesen Deal unterstützt, auch wenn vor kurzem Konzernchef Robert Iger den Sky-Anteil noch als die „Kronjuwelen“ im Fox-Imperium bezeichnet hatte. Angesichts der hohen Summe, die Disney für die Übernahme des Großteils von Fox aufbringen muss, erweist sich der Verkauf der Sky-Aktien als hilfreich, deren Erlös letztlich Disney zufließt. Um die behördliche Genehmigung für seinen Fox-Deal zu erlangen, musste der Disney-Konzern bereits zustimmen, die 22 regionalen Sport-Networks von Fox zu verkaufen. Beide Verkäufe zusammen – das Sky-Aktienpaket und die Fox-Regionalsender – könnten Disneys Akquisitionskosten nun um rund 30 Mrd Dollar (26 Mrd Euro) verringern.

Es wird vermutet, dass die Aufmerksamkeit der Walt Disney Company in nächster Zukunft ohnehin hauptsächlich auf den Streaming-Sektor gerichtet sein wird. Sobald alle im Augenblick noch schwebenden Deals unter Dach und Fach sind, werden Disney 60 Prozent des Streaming-Anbieters Hulu gehören; der Rest verteilt sich dann auf Comcast (30 Prozent) und den Telekommunikations- und Medienkonzern AT&T (10 Prozent), die ihre Anteile möglicherweise auch noch an Disney verkaufen könnten. Hinzu kommt Disneys Plan, schon im Jahr 2019 ein eigenes Streaming-Angebot zu starten, das bisher via Streaming nicht verfügbares attraktives Material aus den Archiven der zu Disney gehörenden Unternehmen Pixar, Marvel und Lucasfilm („Star Wars“) anbieten wird.

19.10.2018 – Ev/MK

Print-Ausgabe 24/2018

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