USA: Broadcast-Networks setzen auf das Bewährte

14.10.2019 •

Die Zeit ist vorbei, als die amerikanischen Zuschauer jedesmal gespannt darauf warteten, was ihnen die alteingesessenen Broadcast-Networks in der neuen TV-Saison präsentieren werden, die traditionsgemäß Ende September beginnt. Nun starteten ABC, CBS, NBC, Fox und CW am 23. September die Saison 2019/20, ohne dass irgendjemand dem Ganzen große Beachtung geschenkt hätte. Die Aufmerksamkeit von Publikum und Kritik ist vielmehr ganz auf die spektakulären Neuproduktionen gerichtet, die es auf dem Streaming-Sektor geben wird. Wer in den USA über Serien diskutiert, redet über Angebote von Netflix und Hulu, gewiss auch weiterhin über die des Pay-TV-Anbieters HBO, aber die ‘alten’ Networks spielen kaum noch eine Rolle. Dabei erreichen sie aufgrund der Gewohnheit der Zuschauer und wegen ihrer weiten Verbreitung nach wie vor die höchsten Einschaltquoten.

Sieht man sich die Ankündigungen der Broadcast-Networks für die jetzige TV-Saison an, so drängt sich der Eindruck auf, die Programmmacher hätten allen Ehrgeiz verloren, etwas Neues auszuprobieren oder angestaubte Konzepte zu reformieren. Sie ruhen sich – was erste Programmankündigungen im Mai schon erwarten ließen (vgl. MK-Meldung) – auf dem Bewährten aus und nennen das Stabilität, ohne sich darum zu kümmern, dass dieses Beharren auf dem Gewohnten der Anfang vom Ende sein könnte. Premieren sind unter den Herbstserien dünner gesät als jemals zuvor: ABC wartet nur mit vier neuen Serien auf (2018 waren es noch sieben), bei NBC und Fox sind es je drei. CBS verlässt sich mehr auf die Bäumchen-wechsel-dich-Methode, indem das Network für bekannte Serien die Sendeplätze tauscht, statt sich um Neues zu kümmern. So bekommt das kleine Network CW die Chance, mit „Batman“ als Serie groß aufzutrumpfen und die Fans zudem damit anzulocken, dass es den Sonntagabend hintereinander mit „Supergirl“ und „Batwoman“ besetzt.

Unter den wenigen Angeboten, die neu sind, stechen dann allerdings nicht einmal neue Sujets heraus. Wie zum Beispiel bei den Gerichtsdramen „All Rise“ (CBS) und „Bluff City Law“ (NBC), die sich beide mehr oder weniger auf altbekannten Klischees ausruhen. Übrig bleibt da allenfalls die amerikanisierte Neuauflage der australischen Serie „Sisters“ unter dem Titel „Almost Family“, wo es um die Geschichte einer jungen Frau geht, deren Vater, ein berühmter Arzt und Spezialist für Fruchtbarkeitsforschung, auf dem Totenbett bekennt, Hunderte von Frauen mit seinem eigenen Sperma befruchtet zu haben. Die Tochter des Arztes hat also noch viele Halbgeschwister, von denen sie in der Serie zwei trifft.

14.10.2019 – Ev/MK