USA: AT&T gliedert Pay-TV-Betreiber DirecTV aus

18.03.2021 •

Wäre noch ein weiterer Beweis für die abnehmende Popularität des jahrzehntelang erfolgreichen Pay-TV vonnöten gewesen, so ist er jetzt erbracht: Der nordamerikanische Telekommunikationskonzern AT&T hat am 25. Februar bekannt gegeben, dass er den Fernsehsatellitenbetreiber DirecTV, den einst größten Pay-TV-Betreiber der Welt, aus seinem Unternehmen ausgliedern wird. Es ist erst knapp sechs Jahre her, dass der Mediengigant AT&T inklusive übernommener Schulden 67,1 Mrd Dollar aufgewendet hat, um DirecTV zu kaufen.

Das neue Unternehmen, dessen Name unverändert bleibt, wird zu 70 Prozent AT&T und zu 30 Prozent der Beteiligungsgesellschaft TPG Capital gehören. Der Wert von DirecTV wird auf 16,25 Mrd Dollar geschätzt. TPG zahlt für die Übernahme seines Anteils 1,8 Mrd Dollar. Die Pay-TV-Unternehmen AT&T TV und U-Verse sind ebenfalls Teil des Abkommens. Bill Morrow, ehemals Geschäftsführer beim australischen National Broadband Network (NBN), wird Chef des neuen DirecTV.

Die Realitäten des Marktes

„Als wir 2015 DirecTV gekauft haben, ließ sich diese Entwicklung natürlich nicht vorhersagen“, äußerte sich AT&T-Chef John Stankey, der Architekt des damaligen Deals, gegenüber amerikanischen Analysten und fuhr fort: „Aber jetzt ist es die richtige Entscheidung, das Geschäft auf andere Beine zu stellen, um den Realitäten des Marktes und unserer Strategie zu entsprechen.“

Die „Realitäten des Marktes“ ließen sich in jüngster Zeit in der Tat nicht mehr übersehen. Durch die erfolgreiche Etablierung des Videostreamings und angesichts immer zahlreicher werdender Streaming-Plattformen hat sich das Sehverhalten des amerikanischen Fernsehpublikums rapide verändert. Während sich die Zahl der Abonnenten im Streaming-Bereich von Monat zu Monat erhöht, hat sich die Zahl der Kunden, die die Pay-TV-Programme von AT&T nutzen von 25 Mio Kunden im Jahr 2015 auf jetzt rund 17 Mio reduziert.

Man könnte es auch so formulieren: Streaming ist das neue Pay-TV. So setzt AT&T heute die ganze Hoffnung auf seine im Mai vorigen Jahres in den USA gestartete Streaming-Plattform HBO Max (vgl. MK-Meldung), die mit seinem großen Fundus von attraktiven Spielfilmen des Hollywood-Studios Warner Bros., allen Neuproduktionen von HBO und dem Angebot aus dem HBO-Archiv den Spitzenreitern Netflix, Amazon Prime Video und Disney plus Konkurrenz zu machen verspricht.

18.03.2021 – Ev/MK

Print-Ausgabe 14-15/2021

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