USA: 2021 – ein Jahr der Ungewissheiten auch im Medienbereich

23.01.2021 •

Nicht nur auf politischem Terrain, sondern auch im Bereich der Medien hat das Jahr 2021 wie kaum ein anderes seit Jahrzehnten mit einer Vielzahl von Unsicherheiten und einem Gefühl des Überwältigtseins begonnen. Was Präsident Donald Trump in seinen letzten Amtstagen für die gesellschaftliche Zukunft der Vereinigten Staaten angerichtet hat, ist durchaus vergleichbar mit der tiefgreifenden Verunsicherung, die von der Corona-Pandemie im Leben aller Amerikaner ausgelöst wurde. Obwohl die Wahl eines neuen Staatsoberhaupts und der Beginn allgemeiner Impfungen wenigstens Spuren aufkommender Hoffnung erkennen lassen, hat sich an der von Zweifeln beherrschten Stimmung der Menschen auch in den ersten Wochen des neuen Jahres nichts geändert. Dass einzelne Politiker und einzelne Mediengurus dem Land wieder eine blühende Zukunft voraussagen, spiegelt sich noch nirgendwo im alltäglichen Leben wider. Die Stimmung ist in den USA finster, auf jeden Fall von Ungewissheit und Furcht geprägt.

Viel trägt zu der allgemeinen Depression bei, dass der private Umgang miteinander gestört ist, dass sogar eingefleischte Traditionen wie Weihnachts- und Silvesterfeiern außer Kraft gesetzt waren und die meisten sonst gewohnten Ablenkungen vom Alltagsgeschehen der körperlichen Sicherheit des Einzelnen geopfert werden mussten. Die Filme, auf die man sich gefreut hatte, fielen den Kinoschließungen zum Opfer und die schwierige Orientierung im Umgang mit den sich unübersichtlich multiplizierenden Bildschirmangeboten steigerte nur die allgemeine Verwirrung.

Die Zeitschrift „Variety“, das Sprachrohr der amerikanischen Film- und Fernsehwirtschaft, hat am Jahresbeginn 2021 gemutmaßt, dass Hollywood nie wieder zu seiner alten Existenz zurückkehren werde und dass die durch die Pandemie beschleunigte Entwicklung des Streaming-Geschäfts auch nach dem Verschwinden des Virus nicht wieder zurückzudrehen sei. Das Einzige, was unter diesen Vorzeichen für die Betroffenen zu erhoffen sein dürfte, ist eine unter Qualen vollzogene Koexistenz der traditionellen und der neuen Medien.

Wie reagieren die großen Hollywood-Studios?

Viel wird davon abhängen, wie sich die großen Hollywood-Studios mit der Kinoindustrie, den Videostreaming-Anbietern und dem wahrscheinlich immer mehr aufs Abstellgleis geratenden traditionellen Fernsehen arrangieren werden. Eine einheitliche Tendenz zeichnet sich bisher nicht ab. Konzerne, die über eigene Streaming-Plattformen verfügen, werden geneigt sein, dem Vorspielrecht der Kinos immer weiter den Hahn abzudrehen. Wer hingegen auf dem Kinosektor weniger engagiert ist, wird versuchen, immer mehr Produktionen an Streaming-Anbieter wie Netflix, Amazon Prime oder Hulu zu verkaufen.

Niemand hält es für wahrscheinlich, dass die Kinos verschwinden werden, aber viele halten es für möglich, dass das lineare Fernsehen und damit die Broadcast-Networks immer mehr an Bedeutung verlieren könnten (vgl. MK-Meldung). Was sich längst mit aller Deutlichkeit abzeichnet, ist das Sterben des Blu-ray- und DVD-Geschäfts, das in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres in den USA wieder um 23 Prozent zurückging. Daran dürfte auch die Anhänglichkeit der Sammler langfristig nichts ändern, weil sich die rasant wachsenden Archive der digitalen Anbieter zunehmend als preiswertere und leicht zugängliche Alternative erweisen.

23.01.2021 – Ev/MK

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