Portugal: Veränderungen bei RTP und Media Capital

13.05.2021 •

In Portugal gab es Veränderungen beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk und beim führenden privaten Medienunternehmen Media Capital. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk Rádio e Televisão de Portugal (RTP) hat einen neuen Intendanten und Präsidenten des RTP‑Verwaltungsrats. Am 26. März wählte der Unabhängige Generalrat (Conselho Geral Independente) von RTP einstimmig den 66-jährigen Journalisten und Schriftsteller Nicolau Santos für drei Jahre zum neuen Intendanten der Rundfunkanstalt.

Nicolau Santos löste den bisherigen, erfolgreichen RTP-Intendanten Goncalo Reis ab, der ab 2015 für zwei Amtszeiten an der Spitze des öffentlich-rechtlichen Rundfunks stand. Der Wirtschaftsjournalist Nicolau Santos arbeitete für verschiedene Wirtschaftszeitschriften, war stellvertretender Direktor des Nachrichtenmagazins „Expresso“ und von März 2018 bis März 2021 Präsident der halbstaatlichen portugiesischen Nachrichtenagentur Lusa.

Positive Wirtschaftsergebnisse

Der nicht mehr weiter als RTP-Intendant tätige Goncalo Reis präsentierte die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt im März 2021 am Ende seiner Amtszeit in „robuster Verfassung“. In den vergangenen sechs Jahren habe RTP „immer positive Wirtschaftsergebnisse erzielt und die Schulden unter absoluter Kontrolle“ gehalten, sagte er anlässlich seines Ausscheidens. Zu RTP (Sitz: Lissabon) gehören die Fernsehsender RTP 1, RTP 2 (überwiegend Kultur), RTP 3 (Nachrichten), RTP Memoria und RTP Africa sowie die Hörfunksender Antena 1, Antena 2 und Antena 3.

Die führende kommerzielle portugiesische Mediengruppe Media Capital hat einen neuen Besitzer. Seit November 2020 steht der 53-jährige portugiesische Unternehmer Mário Ferreira als Präsident und Hauptaktionär an der Spitze von Media Capital. Ferreira ist Präsident der Unternehmensgruppe Mystic Invest mit dem Tourismusunternehmen Douro Azul als Kern. Im Mai 2020 hatte Ferreira über seine Investmentgesellschaft Pluris Investments 30,22 Prozent der Aktien von Media Capital vom spanischen Medienunternehmen Prisa (Tageszeitung „El País“) für 10,5 Mio Euro erworben. Im September 2020 verkaufte Prisa für 36,85 Mio Euro seinen restlichen Anteil von 64,47 Prozent der Media-Capital-Aktien an weitere, mit Ferreira verbundene portugiesische Unternehmer. Im Januar 2021 billigten die portugiesischen Aufsichtsinstanzen – die Wettbewerbsbehörde AdC sowie die Kommunikationsbehörden ERC und Anacom – die Übernahme von Media Capital durch die neuen Eigentümer.

Das Medienunternehmen Prisa hat in den letzten Jahren bereits mehrere Fernsehbeteiligungen abgestoßen. Seit einigen Jahren bereits wollte sich Prisa auch bereits von Media Capital in Portugal trennen. 2017 war ein geplanter Verkauf an die französische Altice-Mediengruppe von Patrick Drahi an der Ablehnung der portugiesischen Aufsichtsbehörden gescheitert. 2019 sollte Media Capital an die portugiesische Cofina-Mediengruppe (Zeitung „Correio da Manhã“) verkauft werden; dies misslang aufgrund von finanziellen Problemen.

Fernsehmarkt: SIC vor TVI

Zur 1992 gegründeten portugiesischen Mediengruppe Media Capital gehören heute sechs Fernsehsender: das Hauptprogramm Televisão Independente (TVI), der Nachrichtenkanal TVI 24 sowie die Sender TVI Ficção, TVI Reality, TVI Internacional und TVI Africa. Außerdem gehören zu Media Capital fünf Radioprogramme, darunter der portugiesische Marktführer Rádio Comercial, sowie die Online-Plattform IOL und das Unternehmen Plural Entertainment, der größte audiovisuelle Produzent Portugals.

Im Jahr 2020 lag TVI mit einem Gesamtmarktanteil von 15,2 Prozent auf Platz 2 im Fernsehbereich. Seine beiden Hauptkonkurrenten hier sind der Marktführer SIC vom portugiesischen Unternehmen Impresa mit 19,8 Prozent Marktanteil (SIC betreibt fünf TV-Programme) und das öffentlich-rechtliche Fernsehen RTP, das im vorigen Jahr mit seinen beiden Hauptprogrammen RTP 1 und RTP 2 auf einen Marktanteil von zusammen 13,0 Prozent Marktanteil kam. Impresa wird derzeit geleitet vom 83-jährigen früheren liberal-konservativen portugiesischen Ministerpräsidenten Francisco Pinto Balsemão. Zu Impresa gehört auch das Wirtschaftsblatt „Expresso“.

Auf dem Hörfunkmarkt Portugals lagen im Jahr 2021 (Stand Februar) die Programme von Media Capital Radios mit zusammen 39,5 Prozent Marktanteil in Führung. Auf Platz 2 rangierten mit insgesamt 32,4 Prozent die Sender von Rádio Renascença Multimédia, einem Unternehmen, das von der katholischen Kirche Portugals kontrolliert wird. RTP kam mit seinen Antena-Programmen auf insgesamt 8,6 Prozent und lag damit auf dem dritten Platz.

13.05.2021 – me/MK

Print-Ausgabe 19-20/2021

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