USA: Netflix verliert Rechte an NBC‑Serie „The Office“

09.07.2019 •

Dass die erfolgreiche Sitcom „The Office“ (in Deutschland: „Das Büro“) künftig nicht mehr bei Netflix zu sehen sein wird, sondern in einem eigenen Streaming-Angebot von NBC, mag auf den ersten Blick wie eine marginale Veränderung erscheinen. Unter amerikanischen Analysten wird sie aber als bedeutsames Muster für die zu erwartende Umstrukturierung des Fernsehkonsums angesehen. Bisher sind es nämlich nicht zuletzt vom Publikum geschätzte Produktionen aus dem Angebot der Networks und Pay-TV-Sender, die später als Dauer­brenner bei den Streaming-Anbietern zu deren raschem Wachstum beigetragen haben.

Die Mockumentary-Serie „The Office“ ist ein herausragendes Beispiel dafür, dass die Streaming-Anbieter trotz ihrer oft spektakulären Eigenproduktionen auf Übernahmen aus dem riesigen Fundus der etablierten TV-Networks nicht verzichten können. Laut dem Medienforschungsunternehmen Nielsen Research wurden die 208 Episoden der Serie „The Office“ von den Netflix-Abonnenten allein im Jahr 2018 erstaunliche 52 Mio Minuten lang gesehen. Universal Television, die Produktionsfirma der Serie, ist sich dieses Erfolgs seit langem bewusst und hat der Wertsteigerung der schon 2013 im Programm des Networks NBC abgesetzten Serie geduldig zugesehen. Von Jahr zu Jahr wuchs die Reputation von „The Office“ in den USA als ein vielzitiertes Phänomen der Popkultur. Kein Wunder, dass Netflix für einen weiteren Fünfjahresvertrag 90 Mio Dollar pro Jahr angeboten hat.

Doch die Zukunft von „The Office“ wird beim eigenen Streaming-Angebot liegen, das NBC im kommenden Jahr in den USA starten will. Netflix hat das Nachsehen – und ähnlich wird es künftig wohl auch Amazon und weiteren Streaming-Anbietern gehen, wenn es um bewährte Titel aus dem Repertoire der Networks geht. Warner Media und Disney etwa dürften kaum daran denken, ihr attraktives Archiv auch bloß einen Spalt breit für die Streaming-Konkurrenz zu öffnen. Das Beispiel von „The Office“ macht jetzt deutlich, wie die Networks und Studios ihren Fundus als Polster für die eigenen Streaming-Angebote verwenden werden, um damit der Konkurrenz einen Schritt voraus zu sein. Netflix kann nicht mehr dagegen tun, als seine Zuschauer zum „Binge Watching“ aufzufordern, solange es noch die Rechte an „The Office“ hat. Die laufen Ende 2020 ab.

09.07.2019 – MK