Großbritannien: Richard Sharp neuer BBC‑Vorsitzender

10.03.2021 •

Der BBC hat einen neuen Vorsitzenden (Chairman): Am 16. Februar trat der 65-jährige, frühere Investmentbanker Richard Sharp sein neues Amt an. Am 10. Februar hatte ihn Königin Elizabeth II. formell auf Vorschlag des sogenannten Privy Councils ernannt. Sharp löste Sir David Clementi ab. Der BBC-Chairman ist verantwortlich für die Erhaltung und den Schutz der Unabhängigkeit der BBC. Er leitet das BBC-Board, das Aufsichtsgremium der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt. Sharp wurde als BBC-Vorsitzender für eine Amtszeit von vier Jahren ernannt.

Am 6. Januar hatte Oliver Dowden, Minister für Digitales, Kultur, Medien und Sport, im Einverständnis mit dem konservativen britischen Premierminister Boris Johnson Richard Sharp als „bevorzugten Kandidaten“ für das Amt vorgeschlagen. „Er ist genau der Vorsitzende, den die BBC jetzt braucht“, sagte Dowden: „Ich bin zuversichtlich, dass er Reformen in der BBC vorantreiben wird, damit die BBC unparteilich die Bedürfnisse aller Teile des Vereinigten Königreichs widerspiegelt und ihnen dient.“ Er glaube auch, fuhr Dowden fort, dass sich die BBC mit Sharp weiterentwickeln werde, „um der weltweite Erfolg zu bleiben, der von zentraler Bedeutung für das britische nationale Leben in den nächsten Jahrzehnten ist“.

Den Medienausschuss beeindruckt

Richard Sharp stammt aus einer angesehenen britischen Familie. Sein Vater war von 1980 bis 1990 Vorstandsvorsitzender des damaligen Telekommunikationsunternehmens Cable & Wireless. Seine Zwillingsschwester Victoria ist Richterin am Obersten Gerichtshof von England und Wales. Richard Sharp studierte Philosophie, Politik und Ökonomie in Oxford. Von 1978 bis 1984 arbeitete er als Investmentbanker für die Bank JP Morgan und von 1984 bis 2007 war er Partner bei der Bank Goldman Sachs. Später beriet Sharp den heutigen Premierminister Boris Johnson.

Von 2013 bis 2019 war Richard Sharp zudem Mitglied des Ausschusses für Finanzpolitik der Bank of England. Von 2004 bis 2014 war er Vorsitzender der Royal Academy of Arts. Sharp spendete mehr als 400.000 Pfund (460.000 Euro) für die Konservative Partei und engagierte sich für das Centre for Policy Studies, eine konservative Denkfabrik. Nach seiner Nominierung für den BBC-Vorsitz hatte Sharp gesagt: „Die BBC befindet sich im Herzen des britischen kulturellen Lebens und ich fühle mich geehrt, dass mir die Möglichkeit angeboten wird, dabei zu helfen, sie mit durch das nächste Kapitel ihrer Geschichte zu führen.“

Haushaltabgabe wie in Deutschland

Am 14. Januar hatte es im zuständigen Unterhaus-Ausschuss für Digitales, Kultur, Medien und Sport eine Anhörung mit dem „bevorzugten Kandidaten“ für den BBC-Vorsitz gegeben. Auf Fragen zur künftigen Finanzierung der BBC sagte Sharp, er halte „die Rundfunkgebühr für die am wenigsten schlimme Art der Finanzierung“. Er sei aber offen für künftige Finanzierungsmöglichkeiten und es sei vielleicht die Mühe wert, das jetzige System zu überprüfen. Eine andere mögliche Finanzierungsart könne auch „eine Haushaltabgabe wie in Deutschland“ sein, sagte er weiter.

Nach der Anhörung erklärte Julian Knight, der konservative Vorsitzende des Ausschusses, Sharp habe mit seinem Verständnis, wie die BBC im Wettbewerb stehen und arbeiten müsse, um ihrem Publikum „Werte des öffentlichen Service in einer sich verändernden Medienwelt“ zu bieten, das Gremium beeindruckt.

Gegenwärtig beträgt die Rundfunkgebühr in Großbritannien jährlich 157,50 Pfund (181,13 Euro); sie steigt am 1. April 2021 inflationsbedingt auf 159 Pfund (182,86 Euro). Das ist die letzte Erhöhung innerhalb des bis 2022 geltenden derzeitigen Finanzrahmens. Die Höhe der Rundfunkgebühr muss jetzt zwischen der BBC und der konservativen Regierung im Rahmen der noch bis 2027 geltenden Royal Charter neu ausgehandelt werden. Richard Sharp sagte über die jetzige Rundfunkgebühr, mit 43 Pence (50 Eurocent) pro Tag für den Gebührenzahler „stellt die BBC einen fantastischen Wert dar“. Das größte Thema für die BBC „ist offensichtlich die Unparteilichkeit“, meinte Sharp.

10.03.2021 – Ev/MK

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