Großbritannien: Gemeinsames einheimisches Streaming-Angebot BritBox geplant

01.07.2019 •

Die BBC und ITV, die beiden größten und ältesten britischen Rundfunkunternehmen, wollen in Großbritannien unter dem Namen „BritBox“ ein gemeinsames Streaming-Angebot starten. Sie wollen sich damit der internationalen Konkurrenz von Netflix und Amazon stellen, insbesondere aber auch dem heimischen Pay-TV-Anbieter Sky etwas entgegenbieten. Der Start soll in der zweiten Hälfte des Jahres 2019 erfolgen, wahrscheinlich gegen Jahresende. Die öffentlich-rechtliche BBC und das private Sendeunternehmen ITV (Independent Television) betreiben unter dem Namen „BritBox“ bereits seit 2017 ein gemeinsames Streaming-Angebot in den USA und Kanada, das derzeit gut 500.000 Abonnenten hat.

„BritBox wird die Heimat für das Beste an britischer Kreativität sein“, hatte die ITV-Vorstandsvorsitzende Carolyn McCall bereits Ende Februar erklärt. Man werde über dieses Angebot „das Beste aus der Vergangenheit und das Beste von heute zeigen“. Dafür werde man auch in neue aus Großbritannien stammende Inhalte investieren. ITV plant, in diesem Jahr umgerechnet 28 Mio Euro und im nächsten Jahr 45 Mio Euro in das BritBox-Projekt zur Verfügung stellen.

„Etwas wirklich sehr Spezielles“

BBC-Generaldirektor Tony Hall sagte mit Blick auf das geplante BritBox-Angebot, er freue sich, „dass die BBC und ITV hier bei etwas wirklich sehr Speziellem zusammenarbeiten“. Man wolle dabei für das Publikum „Inhalte anbieten, das es am meisten liebt“. Das neue Streaming-Angebot werde „alles haben, von alten Favoriten bis zu neuen Programmen und brandneuen Auftragsproduktionen“, so Hall.

Die BBC und ITV gelten in Großbritannien als „Public Service Broadcaster“, als Rundfunkbetreiber, die dem öffentlichen Nutzen dienen und gewisse Auflagen im Dienst der Öffentlichkeit erfüllen müssen. Neben der BBC und ITV gelten auch die werbefinanzierten Rundfunkunternehmen Channel 4 und Channel 5 sowie die regionalen Rundfunkunternehmen Scottish Television (STV) und S4C (Wales) als „Public Service Broadcaster“. Demgegenüber haben die die Pay-TV-Veranstalter Sky, Virgin Media und BT (die frühere British Telecom) diesen Status nicht.

Im Jahr 2018 wurde der britische Fernsehmarkt noch klar von der BBC und ITV dominiert. Die BBC erreichte mit ihren Fernsehprogrammen einen Gesamtzuschaueranteil von 31,2 Prozent, die ITV-Gruppe kam mit ihrem Gesamtangebot auf 23,5 Prozent. Die populärsten Fernsehsendungen in Großbritannien stammen nach wie vor entweder von der BBC oder von ITV. Channel 4 kam 2018 auf einen Marktanteil von 10,1, Channel 5 auf 6,4 Prozent. Der Pay-TV-Anbieter Sky, der sich seit 2018 im Besitz des US-amerikanischen Medienunternehmens Comcast NBC-Universal befindet (vgl. MK 21/18), erreichte 2018 in Großbritannien mit seinen diversen Kanälen einen Marktanteil von insgesamt 8,2 Prozent. Vertreter von Channel 4 und Channel 5 zeigten sich an einer Teilnahme an der BritBox interessiert (Channel 5 ist im Besitz des US-amerikanischen Konzerns Viacom). Anfang Juni wurde zudem bekannt, dass auch das auch das Unternehmen BT über eine Teilnahme an der BritBox verhandelt.

Französisches Projekt „Salto“

Einen genauen Preis für das werbefreie Streaming-Angebot BritBox gibt es noch nicht. Doch es scheint klar, dass dieser Preis, um wettbewerbsfähig zu sein, zwischen umgerechnet 5,60 und 6,70 Euro monatlich liegen dürfte. Das monatliche Basisangebot von Netflix liegt in Großbritannien bei 6,75 Euro; das Unterhaltungsangebot von Sky bei dessen Plattform Now TV kostet ebenso wie Prime Video von Amazon 9 Euro.

Nicht nur in Großbritannien soll bis Ende dieses Jahres ein senderübergreifendes landesspezifisches Streaming-Angebot starten. Gleiches ist auch in Frankreich geplant. Dort soll spätestens im Dezember 2019 eine heimische Streaming-Plattform unter dem Namen „Salto“ starten. Für dieses Projekt hatte sich bereits im Juni 2018 das öffentlich-rechtliche Fernsehunternehmen France Télévisions mit seinen beiden größten privaten Konkurrenten zusammengeschlossen, mit TF 1 von Bouygues und M6 von RTL/Bertelsmann.

01.07.2019 – me/MK

Print-Ausgabe 19/2019

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