Frankreich: Tschechischer Investor Daniel Kretinsky steigt bei Tageszeitung „Le Monde“ ein

13.12.2018 •

13.12.2018 • Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron hat Ende Oktober im Rahmen seiner Reise nach Tschechien und in die Slowakei unter anderem die Bedeutung von Pressefreiheit herausgestellt. In diesem Bereich sei „Wachsamkeit“ vonnöten, betonte er. Macrons Reise stand im Zusammenhang mit dem Ende des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren. Frankreich war nach Kriegsende 1918 wesentlich an der Bildung der Tschechoslowakischen Republik auf den Trümmern des Kaiserreichs Österreich-Ungarn beteiligt.

„Wir haben Regeln, die Grenzen setzen bei der Konzentration“, sagte Macron in der slowakischen Hauptstadt Bratislava, und man müsse diesbezüglich im Blick haben, welche Art von Investoren im Medienbereich tätig seien, und das betreffe auch Investoren aus der Europäischen Union. Der französische Präsident hatte dabei allerdings nicht die Mediensituation in der Slowakei oder Tschechien im Auge, sondern es ging ihm um Frankreich. Wobei in diesem Zusammenhang das slowakische Nachbarland Tschechien eine Rolle spielt und die französische Tageszeitung „Le Monde“.

Der Milliardär von Czech Media Invest

Erstmals investiert ein tschechischer Unternehmer massiv in französische Medien. Der 43-jährige Daniel Kretinsky übernahm am 25. Oktober über seine Investmentgesellschaft Czech Media Invest (CMI) 49 Prozent der Beteiligungsgesellschaft ‘Le Nouveau Monde’ (LNM) des französischen Unternehmers Matthieu Pigasse, die ihrerseits 26,66 Prozent der Anteile an der Gesellschaft ‘Le Monde Libre’ (LML) hält. Pigasse behielt 51 Prozent an ‘Le Nouveau Monde’. An ‘Le Monde Libre’ sind außerdem der Telekom- und Internet-Unternehmer Xavier Niel (26,66 Prozent), die Erben des Modeunternehmers Pierre Bergé (26,66 Prozent) und das spanische Medienunternehmen Prisa (20 Prozent) beteiligt.

‘Le Monde Libre’ hält wiederum 75 Prozent der Aktien an der Gesellschaft ‘Société Éditrice du Monde’ (SEM), welche die führende französische Tageszeitung „Le Monde“ herausgibt. Die restlichen 25 Prozent an der SEM hält ein „Pôle d’Indépendance“, ein „Unabhängigkeitspol“ aus Redakteuren, Mitarbeitern, Lesern und den „Le-Monde“-Gründern. Zunächst war sogar gemeldet worden, Kretinsky und sein Unternehmen CMI übernähmen 49 Prozent der Anteile an SEM und damit auch an „Le Monde“. Tatsächlich sind es nun aber nur rund 13 Prozent, mit denen der tschechische Investor am Flaggschiff der liberalen Presse in Frankreich beteiligt ist.

Nach der politischen Wende 1989 auch in der Tschechoslowakei, die dann 1992 in die Staaten Tschechien und Slowakei aufgeteilt wurde, waren unter anderem französische Unternehmen wie Lagardère (Hörfunk) und Hersant (Presse) in den neuen kommerziellen Medienmarkt in der Tschechoslowakei eingestiegen. Nun läuft es auch andersherum. Daniel Kretinskys Unternehmen Czech Media Invest hatte im April 2018 für 73 Mio Euro 14 kommerzielle Radiosender in den vier osteuropäischen Ländern Tschechien, Slowakei, Polen und Rumänien von dem französischen Unternehmen Lagardère gekauft. Später erwarb CMI dann die französischen Zeitschriften „Marianne“ und „L’Obs“ (früher: „Le Nouvel Observateur“). Und es laufen weitere Verhandlungen mit der Lagardère-Gruppe, von der CMI noch mehr Zeitschriften zu übernehmen plant, darunter „Elle“, „Version Fémina“, „Art & Décoration“, „Télé 7 Jours“, „France Dimanche“, „Ici Paris“ und „Public“.

„Wirtschaftliche Schwächung der traditionellen Medien“

In Tschechien ist Czech Media Invest bereits eines der größten Medienunternehmen. Im Jahr 2014 hatte CMI den Verlag Ringier Axel Springer CZ übernommen und gründete an dessen Stelle das Czech News Center (CNC). Zu CNC gehören heute unter anderem vier Tageszeitungen, darunter der Marktführer in Tschechien, das Boulevardblatt „Blesk“. Außerdem gibt CNC Dutzende Zeitschriften heraus und unterhält mehrere Online-Portale.

Daniel Kretinsky ist der Gründer von Czech Media Invest und hält 50 Prozent der Anteile. Weitere Gesellschafter an CMI sind die beiden tschechischen Investoren Patrik Tkáč (40 Prozent) und Roman Korbačka (10 Prozent). Kretinsky wurde 1975 in der mährischen Metropole Brno (Brünn) geboren und studierte dort an der Masaryk-Universität Jura. Einen Teil seines Jura-Studiums absolvierte er in Frankreich an der Universität Dijon, weshalb Kretinsky fließend Französisch spricht. Ab 1999 arbeitete er für die Investmentfirma J&T in Prag, ab 2003 als Partner. Im Jahr 2009 gründete er im Auftrag von J&T die im tschechischen Energiebereich die führende Energie- und Industrieholding EPH, deren Mehrheitsaktionär (94 Prozent) und Vorstandsvorsitzender er noch heute ist. EPH gehören Energie- und Bergbauunternehmen in Tschechien und der Slowakei, in Deutschland (LEAG, MIBRAG), Polen, Ungarn, Italien und Großbritannien. 2018 wurde Kretinskys Vermögen auf 2,6 Mrd US-Dollar geschätzt.

In einem Interview mit der konservativen französischen Tageszeitung „Le Figaro“ erklärte Kretinsky seine Übernahme französischer Medien auch damit, dass er sie dadurch stärken wolle. „Die Welle des Populismus und Nationalismus in Europa ist teilweise das Ergebnis einer wirtschaftlichen Schwächung der traditionellen Medien“, sagte Kretinsky in dem Interview, insofern sei es für ihn „eine Bürgerpflicht“, in diese Medien zu investieren.

13.12.2018 – Mathias Ebert/MK

Print-Ausgabe 1-2/2019

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