Frankreich: Konsultation zur Rundfunkreform geplant

24.03.2018 • Positive Ergebnisse konnten das öffentlich-rechtliche Fernsehen in Frankreich und seine Intendantin Delphine Ernotte für Februar 2018 vermelden. Der Grund dafür war die Berichterstattung von den Olympischen Winterspielen in Südkorea.

In Frankreich hat die öffentlich-rechtliche Anstalt France Télévisions die alleinigen Rechte für die Olympia-Berichterstattung von 2014 bis 2020. Durch die Übertragungen von den Winterspielen 2018 in Pyeongchang konnte France 2 im Februar seinen Marktanteil um 1,0 Prozentpunkte auf 13,9 Prozent erhöhen, France 3 steigerte sich um 1,5 Prozentpunkte auf 10,7 Prozent Marktanteil gegenüber dem Vormonat. Demgegenüber mussten die großen kommerziellen Konkurrenten TF 1 und M6 im gleichen Zeitraum Verluste um jeweils 0,5 Prozentpunkte hinnehmen.

In Frankreich sahen insgesamt fast 41,5 Millionen Franzosen wenigstens einen Teil der 340 Stunden Olympia-Berichterstattung auf den öffentlich-rechtlichen Kanälen France 2, France 3 und France 4. Am populärsten waren die Übertragungen der Wettbewerbe mit dem dreifachen Biathlon-Olympiasieger Martin Fourcade, der in Pyeongchang drei von fünf französischen Goldmedaillen gewann.

Radio-France-Intendant abberufen

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Frankreich harrt rund ein Jahr nach der Amtsübernahme des neoliberalen Präsidenten Emmanuel Macron einer einschneidenden Reform entgegen, die der neue Staatschef vorgelegt hat (vgl. MK-Meldung). Laut Kulturministerin Françoise Nyssen soll nach einer „Zeit des Nachdenkens“ im Frühjahr oder Sommer dieses Jahres eine öffentliche Konsultation zu den Reformplänen erfolgen. Bis Ende 2018 soll dann eine Revision des derzeitigen, seit 1986 geltenden Rundfunkgesetzes erfolgen.

Bei den anderen Unternehmen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks sah es zuletzt weniger gut aus als bei France Télévisions. Am 31. Januar berief die französische Rundfunkaufsichtsbehörde Conseil Supérieur de l’Audiovisuel (CSA) nach langen Diskussionen den Intendanten von Radio France, Mathieu Gallet, mit Wirkung zum 1. März ab. Der ehrgeizige 41-Jährige war am 15. Januar von einem Gericht zu einem Jahr Gefängnis auf Bewährung und einer Geldstrafe von 20.000 Euro wegen Günstlingswirtschaft („Favoritisme“) verurteilt worden. Die Begünstigung soll sich ereignet haben, als Gallet von 2010 bis 2014 Chef des nationalen Rundfunkarchivs INA war. Bereits 2015 hatte die satirische Wochenzeitschrift „Le Canard enchaîné“ den Fall aufgegriffen. Gallet hatte „Unkenntnis“ über „Fragen des öffentlichen Markts“ zu seiner Verteidigung angeführt.

Obwohl er nach dem Urteilsspruch sofort Berufung einlegte und somit noch nicht rechtkräftig verurteilt ist, forderte die französische Kulturministerin Françoise Nyssen „im allgemeinen Interesse“ Gallets sofortige Abberufung durch die dafür zuständige Rundfunkaufsicht CSA. Und dieser Forderung kam die Behörde dann auch nach. Gallet war seit 2014 Intendant des öffentlich-rechtlichen Hörfunks Radio France. Interimsnachfolger an der Spitze von Radio France wurde am 1. März der 69-jährige Manager Jean-Luc Vergne, bis dahin Vorsitzender des Radio-France-Verwaltungsrates. Vergne war zuvor jeweils Personaldirektor des Mineralölunternehmens Elf-Aquitaine, des Automobilkonzerns Peugeot-Citroën und der Bankengruppe BPCE. Bis Mitte April soll eine Entscheidung fallen, wer neuer Intendant von Radio France wird. Vom 9. bis 13. April ist die Anhörung der Kandidaten durch den CSA vorgesehen.

Auslandsrundfunk ohne Führung

Auch beim Auslandsrundfunk France Médias Monde (FMM) ist der Führungsposten derzeit nicht regulär besetzt. Am 13. Februar annullierte der CSA den Vertrag von Marie-Christine Saragosse, die seit 2012 FMM-Intendantin war. Interimistisch wird der Auslandsrundfunk nun vom 85-jährigen Francis Huss, dem ältesten Mitglied im FFM-Verwaltungsrat, geleitet. Zu France Médias Monde gehören der Fernsehsender France 24 und die Hörfunkprogramme Radio France Internationale (RFI) und Monte Carlo Doualiya (MCD). Die 57-jährige Saragosse hatte, wie sie sagte, „vergessen“, nach ihrer Wiederwahl im Oktober 2017 ihre Eigentumsverhältnisse zu deklarieren. Wegen dieser Unkorrektheit wurde ihr Vertrag aufgelöst. Bis zum 21. April soll der CSA entscheiden, wer die Führungsposition bei FMM übernehmen soll. Saragosse hat angekündigt, sich wieder zu bewerben.

Auch der Conseil Supérieur de l’Audiovisuel selbst blieb von Ausfällen nicht verschont. Am 23. Februar erklärte CSA-Präsident Olivier Schrameck aus gesundheitlichen Gründen seine zeitweilige Nichtverfügbarkeit („Indisponibilité“) für mehrere Wochen. Seit dem 26. Februar leitet nun der Nicolas Curien, mit 67 Jahren ältestes CSA-Mitglied, vorübergehend die Medienkontrollbehörde. Der heute 66-jährige Schrameck war 2013 noch vom damaligen sozialistischen Staatspräsidenten François Hollande für sechs Jahre (bis Januar 2019) zum CSA-Präsidenten ernannt worden.

24.03.2018 – me/MK