Frankreich: Fusion von TF1 und M6 vereinbart

20.07.2021 •

TF1 und M6, die beiden führenden kommerziellen Fernsehgruppen Frankreichs, sollen zusammengeschlossen werden. Am 8. Juli gaben die beteiligten Unternehmen, die beide an der Börse notiert sind, bekannt, dass die Verträge zur Fusion unterzeichnet worden seien. Am 24. Juni stimmten die Arbeitsnehmervertretungen der Unternehmen dem Zusammenschluss zu, der bereits im Mai angekündigt worden war. Auf die Fusion hatten sich im Frühjahr die Leitungsgremien von TF1, M6, des Konzerns Bouygues und der internationalen RTL Group verständigt.

Das französische Unternehmen Bouygues steuert bisher die TF1-Gruppe, die im Besitz des deutschen Unternehmens Bertelsmann befindliche RTL Group kontrolliert M6, obwohl sie dort nur einen Minderheitsanteil hält. Nach mehreren Wochen Vorverhandlungen traten Bouygues und Bertelsmann in „exklusive Verhandlungen“ über die Fusion ein. Im Februar 2021 hatte die RTL Group offiziell erklärt, dass M6 zum Verkauf stünde. Daraufhin fanden Verhandlungen mit Bouygues statt, aber auch unter anderem mit dem französischen Mischkonzern Vivendi, dem italienischen Unternehmen Mediaset und dem tschechischen Unternehmer Daniel Kretinsky. Mediaset und Kretinsky sind bereits seit längerem auf dem französischen Medienmarkt aktiv; Kretinskys Firmengruppe gibt zum Beispiel die Zeitschriften „Marianne“ und „L’Obs“ (früher: „Le Nouvel Observateur“) heraus und ist an der renommierten Tageszeitung „Le Monde“ beteiligt (vgl. MK-Meldung).

Entwicklung eines Streaming‑Champions

Mit dem fusionierten Unternehmen TF1-M6 wird ein neuer Fernsehmarktführer in Frankreich entstehen. Zusammengerechnet belief sich im Jahr 2020 der Zuschauermarktanteil der Programme von TF1 und M6 auf 41,4 Prozent und auf rund 75 Prozent des TV-Werbemarkts. Die TF1-Gruppe veranstaltet das marktführende Programm TF1 und die Sender TMC (früher Télé Monte Carlo), TFX (früher NT1), TF1 Séries Films (früher HD1) und den Nachrichtenkanal LCI. Zur M6-Gruppe gehören die Fernsehkanäle M6, W9, 6ter und Gulli. Im Jahr 2020 erwirtschaftete die TF1-Gruppe einen Umsatz von 2,1 Mrd und ein Nettoergebnis von 55 Mio Euro. Die M6-Gruppe erzielte im vorigen Jahr einen Umsatz von 1,3 Mrd und ein Nettoergebnis von 276 Mio Euro. TF1 hat 3686, M6 2435 Mitarbeiter.

TF1 und M6 beschreiben die geplante Fusion in einer gemeinsamen Mitteilung als „ehrgeiziges industrielles Projekt“ mit fünf Prioritäten. Dazu gehören die Ausweitung von französischen Qualitätsinhalten, die weitere Garantie der Unabhängigkeit, Zuverlässigkeit und Qualität pluralistischer Nachrichten im Fernseh-, Hörfunk- und Online-Bereich, die Weiterentwicklung eines Produktionszentrums für regionale und internationale Inhalte, die Beschleunigung der Entwicklung eines französischen „Streaming-Champions“ auf der Grundlage der bisherigen Plattformen MyTF1 und 6play und die Entwicklung einer innovativen Streaming-Technologie.

TF1 und M6 entstanden beide 1987 als kommerzielle Fernsehsender im Rahmen der Rundfunkreform des damaligen Präsidenten François Mitterand und des damaligen Ministerpräsidenten Jacques Chirac. Das öffentlich-rechtliche Programm Télévision Française 1 (TF1) wurde damals privatisiert und an das Bauunternehmen der Familie Bouygues verkauft. M6 wurde als Métropole Télévision als sechster Fernsehkanal neu gegründet.

Bouygues wird größer Aktionär

Die Groupe Bouygues (Paris) wird nach der Senderfusion mit rund 30 Prozent größter Aktionär der neuen Fernsehgruppe TF1-M6 und zu diesem Zweck für 641 Mio Euro elf Prozent der M6-Aktien von der RTL Group erwerben. Die RTL Group wird mit rund 16 Prozent der Aktien zweitgrößter Aktionär sein. Geleitet werden soll das neue Unternehmen von dem derzeit 70-jährigen Medienmanager Nicolas de Tavernost, der seit 1990 Generaldirektor von M6 und seit dem Jahr 2000 Vorstandsvorsitzender der M6-Gruppe ist. Die Fusion soll bis Ende 2022 abgeschlossen werden. Dafür sind die Zustimmungen der französischen Wettbewerbsbehörde Autorité de la Concurrence (AC) und der Medienaufsichtsbehörde CSA erforderlich. Damit wird jedoch gerechnet.

„Die vorgeschlagene Fusion der Gruppen TF1 und M6 wäre ein großer Schritt bei der Verwirklichung unserer Strategie zur Schaffung nationaler Medienchampions in unseren europäischen Territorien“, erklärte Thomas Rabe, der Vorstandsvorsitzende von RTL Group und Bertelsmann: „Sie zeigt, wie durch die Konsolidierung innerhalb eines Landes beträchtliche Werte geschaffen werden. Als strategischer Investor werden wir ein langfristiger industrieller Partner der Groupe Bouygues sein.“ Der Bouygues-Vorstandsvorsitzende Olivier Roussat sagte: „Die Groupe Bouygues ist erfreut, zur Schaffung einer großen französischen Mediengruppe beizutragen, die imstande ist, mit den GAFAs in den Wettbewerb zu treten.“ Der Begriff GAFA steht als Abkürzung für die amerikanischen Technologie-Konzerne Google, Apple, Facebook und Amazon.

20.07.2021 – me/MK

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