Europa: Mit Delphine Ernotte steht erstmals eine Frau an der Spitze der EBU

31.01.2021 •

An der Spitze der europäischen Rundfunkunion EBU steht nun erstmals eine Frau: Präsidentin der vor 70 Jahren gegründeten Organisation mit Sitz in Genf ist seit dem 1. Januar 2021 die Französin Delphine Ernotte. Die 54-Jährige ist seit 2015 Intendantin der öffentlich-rechtlichen Anstalt France Télévisions. Als Präsidentin der EBU folgte sie Lord Tony Hall nach, dem früheren Generaldirektor der britischen BBC. Hall, der die Leitung der BBC Ende August 2020 abgab, wurde Anfang 2019 für zwei Jahre EBU-Präsident (vgl. MK-Meldung). Ernotte wurde damals Vizepräsidentin der EBU, der Dachorganisation der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten Europas und des Mittelmeerraums. Die EBU hat insgesamt 115 Mitglieder aus 56 Ländern.

Anfang Oktober 2020 war Ernotte durch die 84. EBU-Generalversammlung, die wegen der Corona-Pandemie online stattfand, zur künftigen Präsidentin der Rundfunkorganisation gewählt worden. Die Generalversammlung wählte zudem den 56-jährigen Petr Dvořák, Intendant des tschechischen Fernsehens Ceske Televize (CT), in der Nachfolge von Ernotte zum neuen EBU-Vizepräsidenten. Er hat das Amt ebenfalls zum 1. Januar 2021 übernommen. Die Amtszeiten von Ernotte und Dvořák laufen bis zum 31. Dezember 2022.

Erstmals eine Frau an der Spitze

Vor dem Hintergrund ihrer Wahl zur neuen EBU-Präsidentin erklärte Delphine Ernotte, die Corona-Pandemie und die damit verbundene Gesundheitskrise hätten „die große demokratische Rolle unterstrichen, die die öffentlich-rechtlichen Medien beim Zugang zu freien und zuverlässigen Informationen spielen“. Zudem ging sie auf den Wettbewerb mit den internationalen Online-Plattformen ein: „Die Vielfalt unserer Länder und Kulturen ist eine große Stärke bei der Auseinandersetzung mit den globalen Medienplattformen und ich werde natürlich darauf bauen.“

Die neue EBU-Präsidentin Delphine Ernotte leitete von 2011 bis 2015 das Telekommunikationsunternehmen Orange France. Im August 2015 trat sie bei France Télévisions das Amt der Intendantin an. Im Juli 2020 wurde sie für weitere fünf Jahre als Intendantin bestätigt. Der neue EBU-Vizepräsident Petr Dvořák war von 2003 bis 2010 Generaldirektor des Privatsenders TV Nova und ist seit 2011 Intendant des öffentlich-rechtlichen tschechischen Fernsehens CT. Im Jahr 2017 wurde er für sechs Jahre wiedergewählt. Dvořák ist bereits seit 2015 Mitglied des EBU-Vorstands (Executive Board).

Thomas Bellut in den Vorstand gewählt

Dem Vorstand der Rundfunkorganisation gehören neben der Präsidentin und dem Vizepräsidenten weitere neun Mitglieder an. Auch deren Amtszeiten betragen zwei Jahre. Die 85. EBU-Generalversammlung, die am 4. Dezember 2020 ebenfalls online stattfand, wählte die übrigen Mitglieder des Vorstands (mit Wirkung zum 1. Januar 2021). Dazu gehörte auch ZDF-Intendant Thomas Bellut, der erstmals in das Gremium gewählt wurde. Ausgeschieden ist Ende Dezember 2020 Ulrich Wilhelm, der Intendant des Bayerischen Rundfunks (BR). Wilhelm gibt Ende Januar das BR-Intendantenamt nach zwei fünfjährigen Amtsperioden ab; auf dieser Position folgt ihm Katja Wildermuth vom Mitteldeutschen Rundfunk (MDR). Wilhelm, der 2018 und 2019 auch ARD-Vorsitzender war, gehörte dem EBU-Vorstand ab Januar 2013 an. Letzter ZDF-Vertreter in der EBU-Führung war von 2009 bis 2012 der damalige ZDF-Intendant Markus Schächter, den dann im März 2012 Thomas Bellut als Intendant ablöste.

Thomas Bellut erklärte, dass er sich innerhalb des EBU-Vorstands „in den kommenden Jahren besonders für die Unabhängigkeit der journalistischen Arbeit einsetzen“ werde. „Die wachsende Bedrohung der Pressefreiheit stellt die öffentlich-rechtlichen Sender der EBU vor neue Herausforderungen“, betonte Bellut. Neben Thomas Bellut wurden Monika Garbačiauskaite-Budrienė, Intendantin des litauischen Rundfunks LRT, und Francesca Unsworth, Direktorin für News & Current Affairs bei der BBC neu in das höchste EBU-Gremium gewählt.

Wiedergewählt in den Vorstand wurden Cilla Benkö, Intendantin der schwedischen Sendeanstalt SR Radio, Marcello Foa, Präsident des italienischen Rundfunks RAI, Giacomo Ghisani, kommissarischer Intendant von Radio Vatikan, Sebastian Sergej Parker, stellvertretender Generaldirektor des russischen Senders Perwyj Kanal, und Gonçalo Reis, Präsident und Intendant des portugiesischen Rundfunks RTP. Außerdem wurde Alexander Wrabetz, Generaldirektor des Österreichischen Rundfunks (ORF) in das EBU-Führungsgremium gewählt, dem er schon von 2010 bis 2016 angehört hatte. Aus dem EBU-Vorstand ausgeschieden sind Ende 2020 neben Tony Hall und Ulrich Wilhelm noch Gilles Marchand, Generaldirektor der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG), und Ibrahim Eren, Intendant des türkischen Rundfunks TRT.

31.01.2021 – Mathias Ebert/MK

Print-Ausgabe 14-15/2021

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