Wie WDR-Programmdirektorin Valerie Weber die ARD in der Kultur „pushy“ machen will

05.06.2021 •

«Im Digitalen liegt für die Kultur eine ganz, ganz riesige Chance. Denn hier können wir auch kleinste Zielgruppen besser erreichen. Wir müssen nicht sozusagen für eine lineare Welle einer Art Mainstream-Kulturbegriff folgen, sondern wir können viel vielseitiger produzieren und ausspielen und auch dafür Sorge tragen, dass das Publikum interaktiv miteinbezogen wird und sich auch einbringen kann auf den verschiedensten Plattformen. […] Kultur ist nicht das, was bleibt, sondern Kultur für diese Gesellschaft ist auch das, was wir mutig für morgen wagen.

Und, ja, da werden auch Dinge schiefgehen. Und, ja, wer experimentiert, macht auch Fehler, keine Frage. Aber es geht um die Einstellung, den Spirit, zu sagen: Wir wollen auch auf den anderen Plattformen stattfinden und wir wollen, dass Kultur an die verschiedensten Zielgruppen kommt, auch auf hohem Abstraktionsniveau, genauso wie im Bereich einer Erlebniswelt. Wir sehen, dass wir Angebote auf verschiedenen Abstraktionsgraden schaffen müssen, dass wir regionale Angebote, gerade die ARD regionale Angebote und kulturelle Angebote für den ländlichen Raum, schaffen kann wie kein anderes Medienunternehmen. Wir sehen, dass wir Resonanzräume bieten wollen, zum Erleben auch, aber auch zum Reflektieren. Und auch mal zum Verstören.

Da sind wir bei einem spannenden Thema, das immer hin- und hergeht zwischen den Vorteilen von Linearität und Angeboten im Digitalen. Wie überraschen wir noch Menschen, denn die Findability, wie es Neudeutsch so schön heißt, also dass man nur Dinge findet, die man auch gesucht hat, was ja häufig ist, wenn Sie sich den digitalen Angeboten nähern, heißt ja auch, dass Sie nicht mehr überrascht werden. Sondern Sie finden eben das, was Sie suchen. Wo ist noch das Zusammenkommen mit dem Überraschenden, dem Verstörenden, dem Erkenntiserweiternden? Und dafür müssen wir sorgen.

Und das bedeutet, wir müssen auch im Digitalen unsere Angebote nicht einfach nur auf Plattformen ablegen, sondern – wenn ich das jetzt mal auch so sagen darf – wir müssen gerade im Bereich der Kultur pushy sein, dass heißt, wirklich die Push-Plattformen und Push-Inhalte nutzen, um auszuspielen, damit wir Menschen mit kulturellen Angeboten auch erreichen, die das nie gesucht hätten und es vielleicht auch von uns gar nicht erwartet hätten, und eben nicht nur auf Pull-Plattformen bleiben, wo man dann Dinge sucht, die man vielleicht auch bei der ARD erwartet hätte. Das wäre noch so ein bisschen mein Appell, und dass Sie auch sehen, in welchen Themenbereichen wir uns auch gerade, auch wenn es um die Verteilung der Gelder geht und der vielen Ausspielwege geht, bewegen. Und in diesem Sinne: Lassen Sie uns pushy sein.»

WDR-Programmdirektorin Valerie Weber in einem Video-Statement, das beim am 26. Mai in Leipzig ausgerichteten ARD-Forum zum Thema „Unser kultureller Gemeinwohlbeitrag im Wandel?“ eingespielt wurde. Ausrichter der Veranstaltung war der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR).

05.06.2021 – MK

Print-Ausgabe 19-20/2021

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