Wenn sich die Journalisten dessen nicht bewusst sind...

04.11.2021 •

«Die „Panama Papers“ haben das Diskussionsfeld verändert, da sie so eindeutig aufgezeigt haben, dass diese Leute in etwas verstrickt waren, das in den Augen der Öffentlichkeit ganz klar falsch ist. Auch wenn niemand die Rechtslage kannte, da sie so komplex war. Was mir an der Sache zu denken gibt, ist, dass die Gegner einer freien Gesellschaft dieselbe Dynamik für sich entdeckt haben und an diese instinktive erste Reaktion, dass etwas falsch ist, appellieren, ohne dass die Öffentlichkeit ein echtes Verständnis dafür bekommt, warum es falsch ist oder welche Strukturen zu diesem Ergebnis führten. Sie nutzen dies für ihre antisozialen Ziele, etwa in Ungarn, in den Vereinigten Staaten oder bei der Brexit-Kampagne. Es gibt eine Form des Journalismus, die bewusst eingesetzt wird, um die Öffentlichkeit zu täuschen und zu desinformieren. Die liberalen und offenen Gesellschaften, die wir ererbt haben, sind nicht garantiert. Sie existieren nur dank der kollektiven Anstrengung vieler. Wir treten in eine schwierige Zeit ein, es ist offensichtlich, dass sich die Dinge verändern. Wenn wir uns dem nicht entgegenstellen, wenn sich die Journalisten dessen nicht bewusst sind…wo wird uns das dann hinführen?»

Der Whistleblower und ehemalige CIA-Agent Edward Snowden im Dokumentarfilm „Hinter den Schlagzeilen“. In dem rund 95-minütigen Film von Dirk Sager geht es um investigativen Journalismus, insbesondere um die Arbeit der beiden für die „Süddeutsche Zeitung“ tätigen Journalisten Frederik Obermaier und Bastian Obermayer und deren Recherchen zur dann so benannten „Ibiza-Affäre“ in Österreich. Der Film, koproduziert von der ZDF-Redaktion „Das kleine Fernsehspiel“, lief im September und Oktober im Kino.

04.11.2021 – MK

Print-Ausgabe 23-24/2021

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