Wenn Roger Willemsen heute so reden würde

02.12.2019 •

«Ich finde, er hat so eine Liebe zur Welt ausgestrahlt. Alles, was er sagte, das zeugte von einer grundsätzlichen, freundlichen Neugier auf alles, was er noch nicht kannte, auf ein vorbehaltloses Interesse an Menschen, auch an Absonderlichkeiten, auch an anderen Sitten. Und er hat so einen unglaublichen Spaß am Formulieren gehabt und er hat sich Gedankensprünge erlaubt, die ihn dann ganz woanders hingeführt haben, als er vielleicht vorgehabt hatte. Es entspricht in keiner Weise dem, was Moderatoren heute auferlegt wird, nämlich dass man kurz und knapp und präzise zu einem Thema hinführt. Und ich weiß auch nicht, was passieren würde, wenn Willemsen heute ein junger Mann wäre, ob ihm da nicht der Redakteur, die Redakteurin die ganzen schönen Wendungen einfach brutal rausredigieren würde, weil sich da natürlich auch der Geschmack geändert hat und die Vorstellung dessen, was einem Hörer zuzumuten ist. Also, bei ihm war das pure Gegenteil der Fall, wer ihn mochte, der hatte gerade daran Spaß, dass er eben nicht auf den Punkt kam, dass er so einen Spaß an der Arabeske hatte. Und ich hab das auch sehr geliebt und mich riesig gefreut, ihn auf dieser CD wieder einmal gehört zu haben.»

Ursula May in der am 30. November ausgestrahlten Ausgabe der HR-Sendereihe „Hörbuchzeit“ über das Hörbuch „Unterwegs – Vom Reisen“ mit Aufnahmen des 2016 gestorbenen Roger Willemsen (die „Hörbuchzeit“ läuft samstags von 12.05 bis 13.00 Uhr im Radioprogramm HR 2 Kultur)

02.12.2019 – MK