Von den ARD-Anstalten wird (zu) viel Ähnliches produziert

18.07.2021 •

Christine Strobl, die neue ARD-Programmdirektorin, hat im Juni zusammen mit ihren beiden Stellvertretern Florian Hager (Channel-Manager der ARD-Mediathek) und Oliver Köhr (ARD-Chefredakteur) eine neue „Programm- und Flottenstrategie Video“ für die ARD vorgeschlagen. Zentrales Ziel dabei ist, die ARD-Mediathek als non-linearen Ausspielweg zu stärken. Weil dafür nicht mehr Geld zur Verfügung steht, soll der digitale Umbau durch Änderungen beim Ersten Programm finanziert werden. Die Pläne sehen unter anderem vor, dass bestimmte Formate gestrichen werden und mehrere ARD-Magazinformate künftig weniger Sendeplätze im Ersten erhalten sollen, was in diesen Fachredaktionen auf massive Kritik stößt (vgl. diese MK-Meldung und diese Dokumentation). Clemens Bratzler, der beim ARD-Sender SWR Programmdirektor Information ist, unterstützt die Umbaupläne. Am 2. Juli sagte Bratzler in der öffentlichen, im Livestream übertragenen SWR-Rundfunkratssitzung:

«Die Mediathek ist nach unserer Überzeugung fürs Video der Ausspielweg der Zukunft. Gleichberechtigt [zum linearen Fernsehen] ist das Stichwort, das gilt sowohl für die ARD als auch für den SWR. Und es wird bei gleichbleibenden Mitteln nur durch eine Neuorganisation gehen. Das Regionale ist der Kern der ARD. Die Vielfalt macht auch Gemeinschaftsprogramm aus. Und sie ist ja sicher auch an vielen Stellen eine Stärke. Nehmen wir das populärste Beispiel, den „Tatort“, wo sozusagen ein einheitliches gemeinschaftliches Format im Linearen getragen wird, was immer noch gut funktioniert. Vergleichbares brauchen wir auch in der Mediathek.

In der Mediathek haben wir tolle Fortschritte. Aber wir sehen auch sehr deutlich an dem, was man dort findet, wir machen ganz, ganz viel; wir machen aber immer noch viel, was sich aus dem Linearen quasi nur dort einfindet. Und wir machen sehr viel parallel und Ähnliches – und das wird in der Mediathek sehr deutlich, weil man es da nämlich sieht. Aber was wir dort ja brauchen, sind starke Marken, sind Produkte, wo man sagt: „Das musst du sehen, das gibt es nur in der ARD-Mediathek“ – gerade zu den Dingen, die uns ausmachen: Investigation, Journalismus, Hintergrund, Dokumentation, auch Fiktion, wie wir sie machen, nämlich regional verankert. Und das kriegen wir halt nur hin, wenn wir uns besser abstimmen und wenn wir auch Ressourcen bündeln und auch verlagern. […]

Deswegen müssen wir den Fokus umlegen und das bedeutet eben auf der anderen Seite dann auch eine Veränderung in der Linearität, eine Umwidmung und eine andere Form der Zusammenarbeit. [SWR-Intendant] Kai Gniffke hat es für den SWR gesagt, da müssen wir auch direktionsübergreifend anders zusammenarbeiten und da sind wir auf einem guten Weg. Und bei der ARD gilt es genauso. Und dann sehe ich eine gute Chance, dass diese regionale Vielfalt und auch die Organisation der ARD eigentlich eine Stärke sind, weil das, was wir da bieten können, das machen wirklich nur wir. Das werden Netflix und Co. so nicht machen können. Worum es aber gehen muss, ist nicht ein Nebeneinanderher von lauter Dingen, die ähnlich sind, aber für sich allein eben nicht diese Stärke entwickeln können. Und das ist jetzt der Paradigmenwechsel.»

18.07.2021 – MK

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