Sparen am falschen Ende: Der WDR macht’s vor

09.01.2021 •

«Ja, der WDR muss sparen – und jetzt, da die Beitragserhöhung nicht kommt, wohl sogar noch mehr als ursprünglich geplant. Doch die Sender sparen am falschen Ende, wenn bei diesen Sparbemühungen immer die profilierten Sendungen wie das „Echo des Tages“ oder der „Stichtag“ auf der Strecke bleiben und stattdessen „synergetisch“ mehr „durchgängige Aktualität“ produziert wird. Radiowellen werden auch wegen Persönlichkeiten gehört: Wegen Korrespondenten, die gute Analysen liefern, wegen Moderatoren, die an der richtigen Stelle nachfragen, wegen Autorenstimmen, denen der Hörer gern sein Ohr leiht. Alles andere, vor allem more of the same, finden die Nutzer jederzeit im Netz.

Und ja, es gibt Menschen, die der Meinung sind, dass lineare Hörfunkwellen ohnehin vom Aussterben bedroht sind, dass die Nutzer in wenigen Jahren nur noch Podcasts und Spotify hören werden. Dabei haben die vergangenen Monate der Corona-Pandemie gezeigt, dass die Menschen, je mehr Zeit sie am Computer verbringen mussten, sich wieder stärker den linearen Angeboten im Fernsehen und Radio zugewandt haben. Für Radiomacher kann das nur heißen, dass sie sich wieder auf das besinnen sollten, was ihren Sender einzigartig macht. Radiowellen weiter zu formatieren und ihnen ihre markanten Sendungen zu nehmen, ist wie Selbstmord aus Angst vor dem Tod.»

Diemut Roether in „epd medien“ (Ausgabe vom 8.1.21) anlässlich der vom WDR-Rundfunkrat im Dezember 2020 genehmigten Hörfunkreform beim WDR, die die Programme WDR 2 und WDR 5 betraf. Die Reform führte unter anderem dazu, dass die Sendung „Stichtag“ als WDR-eigene Produktion aufgegeben und die Sendung „Echo des Tages“ umformatiert wurde. Eine weitere Folge ist, dass es bei WDR 5 seit Januar 2021 signifikant weniger eigenproduzierte aktuelle Informationssendungen gibt (vgl. ausführlich diese MK-Meldung).

09.01.2021 – MK

Print-Ausgabe 3-4/2021

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