Sich nicht zu einer bestimmten Redeweise zwingen lassen

03.05.2021 •

Aus einem längeren Interview der „Süddeutschen Zeitung“ (SZ) mit dem Kabarettisten und Film- und Fernsehschauspieler Gerhard Polt:

SZ: Heute gibt es eine neue Front, auch im Bayerischen Rundfunk. Die Sprache ist zum politischen Kampfplatz geworden.

Polt: Für mich aber nicht. Ich rede dahin, wie ich immer geredet habe, denn ich möchte mich selbst noch gerne reden hören. Ich möchte im Einklang mit meiner Sprache sein. Was mich an dieser Front aufregt, das ist das Anheischende, das Anmaßende: Entweder redet einer genau so – oder er ist draußen. Bei mir geht das nicht, das geht in keiner Sprache. Natürlich kann man Regeln aufstellen und sagen: Wir würden uns optimaler unterhalten, wenn wir uns auf was einigen. Aber das ist ein Angebot.

SZ: Das Argument fürs Gendern lautet, dass die Sprache männlich geprägt sei und 50 Prozent der Menschen ausschließt. Also heißt es dann eben Radfahrende.

Polt: Aber was ist die Sprache? Das ist genauso anonym, wie wenn ich sage: die Leute. Wer ist das? Wenn ein Politiker sagt, wir müssen uns jetzt anstrengen, dann frage ich: Wer ist wir? Ich? Du? Wen meint der? Die Sprache gibt es nicht. Meine Sprache ist nicht seine und seine Sprache ist nicht meine. Sprache gehört allen oder keinem. Weder geschrieben noch als Klangkörper.

[…]

SZ: Wenn man einen Fernsehbeitrag aus dem Jahr 1970 anschaut, dann stellt man fest: Sprache verändert sich eben.

Polt: Der Mensch verändert sich und die Sprache. Es geht aber darum, dass jetzt Menschen anderen vorschreiben, wie sie zu reden haben, weil ihnen sonst ein Makel anhaftet. Ich will mich nicht zu einer bestimmten Redeweise zwingen lassen. Sprache gehört niemandem.

• Das Interview, geführt von Sebastian Beck und Hans Kratzer, erschien in der SZ-Wochenendausgabe vom 30.4./1.5./2.5.2021 

03.05.2021 – MK

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