Mist in der „Höhle der Löwen“ bei Vox

05.09.2018 • Am 2. September sprach Moderator Kristian Thees in seiner Sonntagssendung „Talk mit Thees“ beim Radioprogramm SWR 3 mit Frank Thelen; das Gespräch wurde, stets mit Hintergrundmusik unterlegt, in mehreren Tranchen ausgestrahlt. Anlass des Gesprächs war die jüngst erschienene Autobiografie von Frank Thelen, Titel des Buchs: „Startup-DNA. Hinfallen, aufstehen, die Welt verändern“. Hier im Wortlaut das Ende dieses Gesprächs, als es um die Mitte August 2014 beim privaten Fernsehsender Vox gestartete Gründershow „Die Höhle der Löwen“ ging, in der Thelen einer der Juroren ist, die als Investoren tätig werden können, wenn sie einen der Start-up-Kandidaten, der sich in der Sendung präsentiert, für vielversprechend halten:

Kristian Thees: Wir sprechen über die allererste Sendung damals. Die ersten zehn Pitches, die ersten zehn Projekte, die da vorgestellt wurden, die war’n alle Mist!

Frank Thelen: Ja.

Kristian Thees: Was, was hast du da gedacht? Hast du gedacht: ’… [Frank Thelen lacht amüsiert; Ton an dieser Stelle schwer zu verstehen] …dich für irgendwas mal hier entscheiden?’ oder ’Wir können doch nicht zu allem „Nein“ sagen’?

Frank Thelen: Ja, also, ich kam aus ’ner Welt der Start-ups. Und ich war der einzige, der genau diese Welt eigentlich kannte, dessen Job das war. Und da is’ natürlich schon höhere Qualität, weil man einfach gefiltert ist, bevor ich mal so’n Gründer sehe. Und es war die erste Sendung, Sony musste lernen, wir alle mussten lernen. Und auf einmal kamen da halt irgendwelche…ehm…eine Frau kam rein und hat dann irgendwelche High-Heel-Aufkleber präsentiert; dann hat einer so’ne, so’ne Drahtkonstruktion mit ’nem schlimmen Ding über’n Toaster präsentiert, der irgendwie das Toast wendet oder so, aber in einer Qualität, also, die Idee war Mist, der Typ war Mist. Also, ich saß da zehn Pitches lang und dachte mir: „Ah, verdammt, was’n jetzt hier los?“ Ich fand das ja ganz spannend, dass ich jetzt irgendwie mal gesehen hab, wie so’n Fernsehapparat hier funktioniert, aber das ist einfach eine Katastrophe. Und dann saß ich mit Vural Öger und Judith Williams in unserem kleinen Kabuff, wo wir so immer dann warten mussten auf den nächsten Pitch, und da habe ich gesagt: „Pass auf, wir sitzen doch alle hier, weil wir die Sendung ans Fliegen bringen wollen, und wir müssen jetzt hier mal ’n bisschen Geld in den Topf werfen und einfach mal aus Marketing-Gründen mal einen Deal machen.“

Kristian Thees: Mhm hmh.

Frank Thelen: Vural nickte, Judith nickte: Okay, den nächsten Deal machen wir zu Dritt.

Kristian Thees: Oder gab’s da auch Druck von…von der Fernsehsendung?

Frank Thelen: Nein! Nein!

Kristian Thees: Nee? War da kein..? Normalerweise würde ’n Fernsehmacher kommen und sagen: „Leute, bitte, nimmt mal irgendwas, lasst mal irgendwas geschehen hier.“

Frank Thelen: Nein, muss ich ehrlich sagen, war nicht der Fall.

Kristian Thees: Ja, okay.

Frank Thelen: Es kam…Ich glaube sogar, es war meine Idee...

Kristian Thees: Ja?

Frank Thelen: ...so hab ich’s wenigstens im Kopf. Auf jeden Fall: Vural, Judith, ich: Handshake, wir gehen raus. Das nächste, was präsentiert wurde – das glaubt jetzt keiner, aber das gibt’s ja im Fernsehen, glücklicherweise – war ein Sandsack. War ein Sandsack in roter Farbe, den man sich auf den Kopf legte, um Kopfschmerzen zu vertreiben. Wir haben uns an den Deal gehalten, wir haben 100.000 Euro in diesen Sandsack investiert [Kristian Thees lacht amüsiert], der heutzutage sehr nützlich eine Tür bei uns hervorragend offenhält. Und ich glaube, heute sind wir ’ne ganz vernünftige Show.

Kristian Thees: Der Pitch, war der denn ganz okay? Machte der ’n bisschen Sinn?

Frank Thelen: Der machte so’n bisschen Sinn, weil er sagte: In Afrika tragen die Frauen auch was auf’m Kopf. Und da gab’s eine Studie – angeblich, die’s dann natürlich nicht gab –, dass deswegen...ehm, ehm...afrikanische Frauen nie Kopfschmerzen haben. Und ich kannte halt das Thema, Migräne, sehr groß, kenn’ ich von vielen Frauen, dachte: Wenn ich den allen so’n Sandsack auf’n Kopf lege, is’ ja super. Aber das wer…diese Studie war natürlich mehr vom Freund auch gemacht, is’ mir auch egal, es war nicht so, wie’s sein sollte.

Kristian Thees: Das heißt, der Deal kam dann auch tatsächlich nicht zustande?

Frank Thelen: Nein, nö.

Kristian Thees: Frank Thelen, danke für den Besuch. Toi, toi, toi! Bis bald wieder.

Frank Thelen: Vielen Dank für das tolle Gespräch.

Kristian Thees: Frank hat seine Autobiografie geschrieben, mit vielen bunten Geschichten aus dem Leben bisher. Er war ja auch einer, der den letzten Bundespräsidenten mitgewählt hat. Was sein nächstes Projekt ist, wo er viel Geld investieren will, also das Ding der Zukunft, das hören Sie ab 12.00 Uhr in unserem Podcast, wo wir zusätzliche Fragen und auch Antworten haben. Und übrigens auch, eh, hehe, wie er seine Frau Nathalie kennengelernt hat, die eigentlich eine ganz andere Liga war.

Kristian Thees wurde 2014 als bester Moderator mit dem Deutschen Radiopreis ausgezeichnet. Zur Begründung schrieb die Jury des Radiopreises: „Dieser Mann zählt verlässlich zur Goldklasse deutscher Radiomoderatoren! So vielseitig, kreativ und einfallsreich wie Kristian Thees sind nur wenige im ganzen Land. Sein persönlicher Umgang mit Hörern und prominenten Gästen ist unvergleichlich. Bei ihm sagen die Stars Dinge, die sie nicht in jedem Interview zum Besten geben. Und die Hörer fühlen sich mit ihren Anliegen ernst genommen. Thees trifft den Ton, der die Welt ein wenig aufhellt.“

05.09.2018 – MK

Print-Ausgabe 22/2018

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