Russland-Berichterstattung in der ARD

21.10.2019 •

Am 21. September 2019 war der ehemalige ARD-Fernsehkorrespondent in den USA und Russland, Udo Lielischkies, in der vom Radioprogramm Bremen Zwei (Radio Bremen) ausgestrahlten Live-Sendung „Sommergäste 2019“ zu Gast. Moderator Tom Grote fragte am Ende des rund 45-minütigen Gesprächs Lielischkies, was er dazu sage, dass es in Deutschland Menschen gebe, die der ARD eine unausgewogene, russlandfeindliche Berichterstattung vorwerfen würden. Darauf antwortete Lielischkies:

«Ich frag Sie mal was. Wenn das auch den Franzosen, den Briten, den Kanadiern, den Schweden, den Dänen vorgeworfen wird, dann erklären Sie mir mal, wie es sein kann, dass bei Grenzübertritt jeder halbwegs westlich orientierte Korrespondent auf einmal zum Russland-Hasser mutiert. Was ist das für ein eigenartiger, bizarrer Mechanismus? Wenn Sie ’ne Gruppe von Journalisten in die Arktis schicken und dann beklagen, dass die nicht dauernd über Kornfelder und blühende Blumenbeete schreiben, dann haben Sie ein Problem mit der Perzeption. Also, dass wir als westliche Journalisten da einen sehr autoritären Staat wahrnehmen, der seine eigene Bevölkerung ziemlich gegen die Wand laufen lässt und sie letztlich ihrer Zukunftschancen beraubt – dass wir das beschreiben, ist klar. Aber ich muss noch was sagen: Es ist auch in der Tat ein Fehler der ARD, dass sie Formate abgeschafft hat wie „Weltreisen“ […], die nicht politisch orientiert sind. Damals konnte ich auch mal in den Altai fahren und zweimal 45 Minuten lang zeigen, wie leben die Leute da, die Schafzüchter, die Pferdezüchter, der Schamane, was hat der eigentlich im Sinn. Das waren Filme, wo ich nicht nölig über ‘den bösen Putin’ sprach, sondern einfach nur zeigte, wie leben die Menschen. Diese langen Formate werden von der ARD bedauerlicherweise systematisch abgeschafft. Was bleibt, ist politische Berichterstattung. Nun ja, und wenn Sie auf die Politik schauen, dann ist es in der Tat schwer, da so viel Schönes zu entdecken.»

21.10.2019 – MK