RTL, Tengelmann und die Boulevardzeiten

15.06.2021 •

«Aber was sich RTL dabei gedacht hat, den Film „Tengelmann – Das mysteriöse Verschwinden des Milliardärs“ auf diese Weise zu produzieren, ist mehr als schleierhaft. Das Verschwinden des Ex-Tengelmann-Chefs Karl-Erivan Haubbei einer Ski-Tour in den Schweizer Alpen im April 2018 ist ein spannender und berichtenswerter Fall.

Aber wie RTL die Recherchen der Investigativreporter darstellte, war journalistisch so unsauber, dass sich wohl mancher verwundert die Augen rieb. Dass der Off-Sprecher klang, als agierte er lieber in einem Spionagefilm, die Musik alles unerträglich zukleisterte und die Kameraführung und der Schnitt den Film unangenehm zerstückelten – das war ärgerlich, aber noch zu verkraften.

Wie hier indes Mutmaßungen geraunt, permanent Suggestivfragen gestellt und Informationen, die schon bekannt waren, als neueste Erkenntnisse verkauft wurden, war schlicht unseriös. Und war die mysteriöse Quelle, von der die Geheimakte stammte, aus der andauernd zitiert wurde, vertrauenswürdig? Es blieb offen.

Zudem wurde der Film unnötig auf zwei Stunden Länge aufgeblasen. [...]Was RTL da über „eines der größten Rätsel unserer Zeit“ ablieferte, war eine Frechheit. Und eine Rückkehr in längst vergangen geglaubte Boulevardzeiten.»

Aus einer Fernsehkritik von Anne Burgmer im „Kölner Stadt-Anzeiger“ (Ausgabe vom 12./13.6.2021). Die genannte Dokumentation lief bei RTL am 10. Juni um 20.15 Uhr.

15.06.2021 – MK

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