Pressestellen, die Marketing betreiben

25.07.2020 •

«Wer heutzutage bei einer Pressestelle eines Bundesministeriums anruft, verschenkt Zeit. Kaum eine Anfrage wird von den Beamten direkt am Telefon beantwortet, stattdessen muss man Fragen nochmals per Mail zuschicken. Antworten kommen danach oft zu spät, sind zu vage und bieten in der Regel keinen echten Mehrwert. […]

Dass das Konzept der Pressestellen veraltet ist, zeigt sich ohnehin daran, dass Behörden inzwischen oft versuchen – wie das Verkehrsministerium mit seinem „Neuigkeitenzimmer“ – an Journalistinnen und Journalisten vorbei zu kommunizieren. Insbesondere die Pressestellen der Polizei fallen damit auf, einen Großteil ihrer Zeit damit zu verbringen, Memes auf Twitter und Instagram zu posten. Das hat mit seriöser Pressearbeit oft nichts mehr zu tun, sondern sollte als das bezeichnet werden, was es ist: Marketing.

Wem an einer fundierten und sachlichen gesellschaftlichen Debatte gelegen ist, sollte sich dafür einsetzen, dass die Social-Media-Manager der deutschen Behörden mit Bots ersetzt werden. Die können dann regelmäßig Behördeninfos vertwittern, fertig, aus. Das ist dann zwar langweilig, aber genau das täte der Presselandschaft in Deutschland gut: Ein paar nüchterne Infos ohne große Spins und ohne Desinformation – dazu braucht es keine eigenen Pressestellen mehr.»

Arne Semsrott in einem am 11. Juli 2020 auf dem Portal heise.de veröffentlichten Kommentar. Semsrott ist freier Journalist und Projektleiter der Plattform FragDenStaat.de, über die Bürger auf Basis verschiedener Bundes- und Ländergesetze, vor allem von Informationsfreiheitsgesetzen, Zugang zu Verwaltungsdokumenten aus Ministerien und Behörden beantragen können.

25.07.2020 – MK

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