Frustration auf Instagram

20.10.2020 •

Aus einem von Christian Aust geführten Interview in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ vom 18. Oktober mit der britischen Schauspielerin Kristin Scott Thomas („Der englische Patient“, „Der Pferdeflüsterer“, „Mrs. Taylor’s Singing Club“):

Frage: Mrs. Thomas, ich habe zur Vorbereitung des Interviews Ihren Instagram-Account studiert und war ehrlich überrascht, dass Sie überhaupt einen Account haben.

Kristin Scott Thomas: Ich habe meine Aktivitäten auf Instagram inzwischen etwas heruntergefahren. Zu Beginn war ich ziemlich enthusiastisch. Inzwischen begeistert es mich nicht mehr so richtig.

Frage: Was hat Sie begeistert?

Kristin Scott Thomas: Ich zeige Menschen gerne Dinge, die ich besonders oder eigenartig finde. Aber irgendwann habe ich gemerkt, dass ich mich viel zu oft und ausführlich damit beschäftigt habe. Das hat ganz merkwürdige Gefühle in mir ausgelöst. Ich fing an zu vergleichen, so nach dem Motto: Die anderen haben ein viel schöneren Urlaub als ich… [lacht]. Und irgendwann kommt dieser deprimierende Moment der Wahrheit, wenn ich etwas gepostet hatte, was mir wirklich wichtig war, und keine Likes dafür bekommen habe. Für irgendein idiotisches Bild, auf dem ich eine Fratze ziehe, gab es viele Likes. Aber diese Frustration kennt wahrscheinlich jeder Instagram-Nutzer, oder?

20.10.2020 – MK

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