„Es wäre besser, weniger Filme zu fördern, dafür bessere“

08.11.2021 •

Aus einem längeren Interview des „Tagesspiegels“ (Ausgabe vom 7.11.2021) mit dem Schauspieler Ronald Zehrfeld:

Tagesspiegel: Es heißt, Sie bekämen Panikattacken am Set.

Ronald Zehrfeld: Ja. Auch bei Auftritten. Eine Premiere mit 300 Leuten – das beengt mich. Oder Interviews. Viele Kolleginnen und Kollegen geben zu allem ihren Senf dazu. Wenn ich was sagen soll, krieg’ ich Panik.

Tagesspiegel: Jetzt auch?

Ronald Zehrfeld: Nee, wir reden ja drüber, das hilft. Manchmal habe ich Angst, zu sagen, dass ich Angst habe. Weil ich was nicht verstehe oder andere mich nicht verstehen. Weil etwas zu schnell geht, sich nicht richtig anfühlt am Set. Ich spiele eine Szene, bin unzufrieden, denke, ich hab Nuancen liegen lassen. Da brauche ich einen Regisseur, der sagt: Okay, einen Take machen wir so, wie du’s willst. Aber vorher muss man es zugeben: Hey, ich krieg’ gerade Panik, schwitze wie Sau, mein Herz rast. Ich muss mal vor die Tür, eine rauchen und innerlich runterfahren. Ich bin nur Schauspieler, von mir hängt nichts ab. Ich muss kein Gegenmittel für ein Virus finden.

Tagesspiegel: Ist Erfolg am Ende egal?

Ronald Zehrfeld: Für den deutschen Film leider ja. Wir haben ein Fördersystem mit vielen öffentlichen Mitteln für möglichst viele Filme. Plötzlich wird mitten in der Produktion gespart, ein Hygienekonzept kommt dazu. Drei Figuren fliegen aus der Story, der Plot ist nur noch halb so geil. Es wäre besser, weniger Filme zu fördern, dafür bessere. Die Streaming-Dienste bringen Bewegung rein, Goldgräberstimmung.

08.11.2021 – MK

Print-Ausgabe 23-24/2021

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