„Es kommt auf die Inhalte an? Bullshit!“

20.11.2021 •

«Was machen wir eigentlich nicht ganz so richtig mit unseren Inhalten, was könnten wir besser machen? Wir müssen uns von dem Gedanken lösen, dass das Print-Geschäft eine Zukunft hat. Und obwohl das so ist, sind zu viele Kollegen – und ich kenn’ jetzt euch zu wenig, um jetzt mir da eine Meinung bilden zu können, aber ich beobachte es an anderer Stelle – sind schon sehr in der Vergangenheit verhaftet. Die meisten von uns haben noch eine alte Sichtweise auf unseren Beruf. Aber da draußen passiert ’ne Revolution und wir sind dort in den Verlagen nicht genügend vorbereitet. Und das was ich höre, oftmals, vor allem aus dem Lokalen: „Ach, ich will mich selbst nicht so wichtigmachen. Es kommt auf die Inhalte an.“ Bullshit! Kompletter Bullshit! 90 Prozent der Inhalte, die veröffentlicht werden, sind weder exklusiv noch breaking. Wichtig ist, dass man eine Marke ist oder wird. Dass man einen kennt. Lokale, wenn ihr zum Fußballplatz geht, dann müsst ihr noch nicht mal den Presseausweis zeigen, meistens kennt man euch, also rein. Das ist schon mal ’ne gute Voraussetzung. Aber man muss das publizistisch ’n bisschen mehr ausschlachten. Geld ist nicht das Problem, man muss nur etwas produzieren, was für die Leute einen Wert hat, dann bezahlt man das auch. Das ist echte ’ne gute Nachricht für uns. Also Zukunft hängt davon ab: Leute sind bereit, wenn man einen Wert schafft, auch dafür zu bezahlen.»

Mit diesen Ausführungen, die ein nicht mit Namen genannter Berater bei einer Weiterbildungsveranstaltung für Zeitungsredakteure vorträgt, beginnt der Dokumentarfilm „Die letzten Reporter“, der in der Nacht vom 16. auf den 17. November 2021 im Dritten Programm NDR Fernsehen lief und weiterhin in der Mediathek des Senders abrufbar ist. In dem 95-minütigen Film von Jean Boué geht es um die Situation des Lokaljournalismus (vgl. hierzu dieses MK-Interview).

20.11.2021 – MK

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