Entsteht mit „Bild“ ein deutsches Fox News?

12.09.2021 •

In der Deutschlandfunk-Sendung „Kulturfragen“ vom 12. September (Sonntag) lautete das Thema „Block-Bildung? Kanzlerkandidaten-Trielle und Wahlkampf in den privaten und öffentlich-rechtlichen Medien“. Darüber sprach Moderator Stephan Detjen mit dem Medienwissenschaftler Lutz Hachmeister. Am Ende des 25-minütigen Gesprächs (17.05 bis 17.30 Uhr) ging es auch um „Bild“, den am 22. August dieses Jahres gestarteten Sender des gleichnamigen Boulevardblatts:

Stephan Detjen: Wenn wir über den privaten Fernsehmarkt schauen, dann gehört natürlich noch ein Akteur dazu, den wir jetzt noch nicht genannt haben: Das ist Springer mit seiner neuen Fernsehmarke „Bild“. Auch die – die machen kein Triell, aber haben auch angefangen mit einer langen Kanzlernacht. Und da kommt nochmal zumindest ein anderer Ton rein, also ständig journalistische Attacke, sehr offensiv geführt, boulevardesk, kann man sagen. Aber es wird auch mit dem Vorwurf verbunden, da werde eine Agenda verfolgt, es werde auf Polarisierung gesetzt, auch da wieder der Vergleich mit dem amerikanischen Fernsehmarkt, manche sagen oder fragen: Entsteht da sowas wie ein deutsches Fox News? Zu Recht, diese Frage?

Lutz Hachmeister: Wenn das so intendiert wäre, ideologisch polarisierend – und das ist vielleicht auch so –, dann ist es völlig vergeblich. Die Gesellschaftsentwicklung läuft in eine andere Richtung, in die Richtung, die Sie benannt haben, dass mehr Variabilität in den Koalitionen möglich ist. Das ist von der Bevölkerung auch gewünscht. Das gesellschaftliche Projekt, das ansteht, hat schon etwas mit diesen Diskussionen um Klimawandel, um Inklusion, um fortgesetzte Gleichberechtigung zu tun. Diese Themen sind in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Und jedes Medienunternehmen und jede Partei, die versuchen, das wieder zurückzudrehen, wird verlieren. Das ist jetzt auch das Problem von Armin Laschet, der ja paradoxerweise als Figur gar nicht so konservativ-rechts situiert ist, der jetzt aber in die Falle hineinläuft, dass er nochmal vor einer Links-Koalition warnt, vor der die meisten Bundesbürger überhaupt gar keine Angst mehr haben, weil sie natürlich wissen, dass selbst die Linkspartei – in welcher Koalition auch immer – sich verbürgerlichen muss und übrigens ja bislang auch mit den meisten ihrer Projekte krachend gescheitert ist mit den sechs, sieben Prozent, die sie einbringen können, selbst in Berlin mit mehr Anteilen ist ja fast nichts durchgelaufen, was sie sich vorgenommen haben. Und das ist den Wählern inzwischen wirklich in der großen Mehrheit, ich würde mal sagen: zu siebzig bis achtzig Prozent, egal. Und deshalb ist jede Strategie, ob publizistisch oder politisch, die in diese Richtung zielt, verfehlt.

12.09.2021 – MK

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