Elke Heidenreich ärgert sich über ihre geliebte „Kulturzeit“ bei 3sat

04.06.2021 •

Kölner Stadt-Anzeiger: Ein anderes Thema, das sich da anschließt, ist die Sternchen-Debatte, also die Frage, ob man gendert oder nicht.

Elke Heidenreich: Grauenhaft, wenn ich das schon höre, diese Sprache. Das ist verlogen und es verhunzt die Sprache. Ich ärgere mich bei meiner geliebten „Kulturzeit“ auf 3at, weil die das da auch machen und ich das auf den Tod nicht leiden kann. Wenn ich Künstler sage, meine ich alle Menschen, die Künstler sind, auch Frauen. Dieses feministische Betonen in der Sprache geht mir gegen den Strich.

Kölner Stadt-Anzeiger: Aber wie wir Sprache verwenden, beeinflusst unser Denken. Und es macht dann eben doch einen Unterschied, ob man auch Künstlerin sagt.

Elke Heidenreich: Nein, macht es nicht. Ein Künstler ist ein Künstler, ob der männlich oder weiblich ist, stellt sich dann heraus. Ich schaue mir erstmal die Arbeit an, dabei ist es mir egal, ob das ein Mann oder eine Frau gemacht hat. Ich finde Gendern ganz schrecklich und bin vehement dagegen. Ich mach diese Sprachverhunzung nicht mit. Natürlich duldet man keine Herabwürdigung in der Sprache, keine beleidigenden und diskriminierenden Worte. Aber Frauen wollen doch nicht nur weibliche Künstlerinnen sein, die wollen auch Künstler sein. Das ist doch alles hysterisch.

Aus einem längeren Interview des „Kölner Stadt-Anzeigers“ (Ausgabe vom 3./4.6.2021) mit der Schriftstellerin und Literaturkritikerin Elke Heidenreich, die von 2003 bis 2008 auch die ZDF-Sendung „Lesen!“ präsentierte. Das Gespräch, in dem es um Frauen in der Literatur, zeitgemäßen Feminismus und die digitale lit.Cologne geht, führten Sarah Brasack und Anne Burgmer.

04.06.2021 – MK

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