Eine Anekdote von Stefan Aust zum NDR

08.10.2021 •

«Einmal, kurz vor Weihnachten, nahm der damalige Programmdirektor beim NDR die „Panorama“-Sendung ab, in der wir einen Beitrag über den Nutzen von Blockheizkraftwerken gemacht hatten. Am Beispiel der Stadt Flensburg in Schleswig-Holstein zeigten wir, dass eine Koppelung von Stromherstellung und Fernwärme äußerst energieschonend war. Programmdirektor Friedrich Wilhelm Räuker, ein eingefleischter Atomkraft-Befürworter, vermutete natürlich sofort, dass wir damit die Kernkraft infrage stellen wollten. Er lief wie immer, wenn er ärgerlich wurde, erst rot, dann etwas bläulich an und brüllte: „Wenn ihr so weitermacht, werden wir uns noch alle im Konzentrationslager wiedersehen!“ In die betretene Stille hinein sagte ich: „Ja, Herr Räuker, Sie auf dem Turm und wir unten drin.“

Darauf schweig auch er, erhob sich und sagte im Hinausgehen: „Na, dann fröhliche Weihnachten!“ Meiner Karriere beim NDR war das nicht gerade förderlich, zumal Räuker später Intendant wurde.»

Der Journalist und Autor Stefan Aust (u.a. NDR, „Spiegel“) in seiner 2021 im Piper-Verlag erschienenen Autobiografie „Zeitreise“, S. 128. Friedrich Wilhelm Räuker (1928-2015), CDU-Mitglied, war von 1975 bis1980 Fernsehdirektor und von 1980 bis 1987 Intendant des NDR.

08.10.2021 – MK

Print-Ausgabe 23-24/2021

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