Die Nutzer der Plattformen produzieren kostenlos Rohstoffe

17.03.2021 •

«Mit dem Dotcom-Crash von 2000 fandeine radikale Marktbereinigung statt. So wurde die Voraussetzung dafür geschaffen, dass Konzerne wie Apple oder Facebook kräftig expandieren konnten. Seitdem kauft Google, glaube ich, im Schnitt eine Firma pro Woche auf. Das ergab einen neuen Schub für Plattformunternehmen und Monopolstrukturen. Der nächste Schub kam dann nach 2008, wenn man die Finanzkrise von damals auch als Akkumulationskrise begreift. Das heißt, als eine Krise, in der überschüssiges, billiges Geld sehnlichst nach neuen Investitionsmöglichkeiten suchte. Und Plattformkonzerne haben ein wunderbares Angebot: die Kapitalisierung von Kommunikationsweisen, von Netzverhalten, von Nutzerdaten, von bisherigen ökonomischen Brachen. Und die Nutzer spielen mit und produzieren kostenlos Rohstoffe für die Datenraffinerien, ob sie wollen oder nicht. Attraktionen fürs Finanzkapital.»

Joseph Vogl, Professor für Neuere deutsche Literatur an der Berliner Humboldt-Universität, Literatur- und Kulturwissenschaft/Medien, in einem längeren Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ (Ausgabe vom 14.3.2021) über „die Macht der Plattformen“ und „das Geschäft mit den Meinungen“. Das Interview führten Julia Encke und Harald Staun.

17.03.2021 – MK

Print-Ausgabe 7/2021

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