Deutschlandfunk-Sonderprogramm: Ein Wir‑Gefühl und auch Erschöpfung

22.05.2020 •

«Wenn Sie mir vorher gesagt hätten, das man das [Sonderprogramm] machen kann, hätte ich wahrscheinlich gesagt: „Das geht überhaupt nicht.“ Aber in der Not geht es dann eben doch. Es geht aber nur mit einer enormen Gemeinschaftsleistung, die dieses Haus, die die Kolleginnen und Kollegen allesamt, in allen Berufen, in allen Berufsgruppen, von den Sekretariaten über die Redaktionsassistenzen, über die Technik, über die IT, über die Sendefahrer, über online, also, es ist wirklich eine Gemeinschaftsleistung. Es ist, glaube ich, auch ein Wir-Gefühl entstanden und es ist die Bereitschaft entstanden, natürlich über manche Fragen kurz zu diskutieren. Wir hatten keine langen Vorläufe […], das musste sehr, sehr schnell aufgebaut werden und natürlich einfach dann doch auch manches schnell entschieden werden, dann neu aufgesetzt werden.

Sie müssen sich vorstellen: Da klappen keine Arbeitsabläufe mehr, bisher, da klappt kein normales Redaktionsgeschehen mehr. Den Kulturnachmittag, den wir an den Start gebracht haben, der hat ganz anders als sonst vorgesehen, dass wir eine Drei-Stunden-Fläche hatten, die verschiedene Redaktionen bespielt haben. Das gab es hier bisher nicht. Und das war schon ein Höchstmaß an Anstrengung. Das merkt man auch, wenn man mit den Kolleginnen und Kollegen spricht. Wir sind auch in einer gewissen Weise erschöpft, das kann man nicht anders sagen in diesen Zeiten, in denen ja auch das, was die Gesellschaft sonst erlebt hat, wir waren ja auch Teil oder sind Teil der Gesellschaft – also, wir mussten ja auch mit Unsicherheiten, mit familiären Unsicherheiten der Kolleginnen und Kollegen umgehen. Und das zu leben war wirklich eine, ja, dichte Zeit, eine interessante Zeit auch, beruflich auch interessant, eine herausfordernde Zeit. Eine Kollegin sagte gestern in einer Reflexion: „Wie eine Frischzellenkur.“ Das fand ich total interessant, weil sie gesagt haben: „Wir haben was Neues gemacht, wir haben da auch Spirit gehabt.“

Aber die Kolleginnen und Kollegen verhehlen natürlich nicht, dass es auch enorm anstrengend war und dass sie sich freuen, ins normale Schema zurückzukehren, auch wenn das auch nochmal eine Anstrengung sein wird. Denn wir müssen ja, unter Abstandsregeln et cetera, auch dieses normale Schema wieder leben. Auch das wird eine Herausforderung.»

Matthias Gierth, Leiter der DLF-Hauptabteilung Kultur, in der Sendung „Corona und der Deutschlandfunk – Die Rückkehr zum Normalprogramm“ am 15. Mai im Deutschlandfunk (10.08 bis 11.30 Uhr). In der von Michael Roehl moderierten Sendung wurde mit DLF-Programmmachern und mit Hörern über ihre Erfahrungen mit acht Wochen Sonderprogramm und der Corona-Berichterstattung im Deutschlandfunk gesprochen. Das Sonderprogrammschema galt vom 23. März bis zum 17. Mai.

22.05.2020 – MK