Berlinale-Bären, um die Filmgeschäfte anzuheizen

14.02.2021 •

«Seit vier Wochen hat nun auch die Berlinale ihre Planung revidiert. Das Festival, das ursprünglich auf die Zeit vom 11. bis zum 21. Februar terminiert war, findet nun Anfang März als „Industry Event“ für die Branche und als „Summer Special“ im Juni für das Publikum statt. Interessant an dieser Sprachregelung ist die Verwendung des Begriffs „Event“. Denn das Branchentreffen mit exklusivem Digitalzugang für einige Filmjournalisten ist ja gerade kein Ereignis in dem Sinn, wie ihn die Festivals von Anbeginn geprägt haben. Hier finden allenfalls Filmsichtungen mit anschließenden Vertragsabschlüssen oder Rezensionen statt.

Doch die Berlinale hat sich offensichtlich nicht getraut, das fünftägige „Industry Event“ als das zu bezeichnen, was es ist, nämlich eine Messe. Und sie hat auch nicht die Konsequenz gezogen, die sich aus der Trennung von Industrie- und Publikumsfestival eigentlich hätte ergeben müssen: die Verlegung der Kür und Verleihung der Goldenen und Silbernen Bären auf das Publikums-Event im Juni. Stattdessen gibt nun eine Jury aus sechs ehemaligen Hauptpreisträgern am Schluss des Branchentreffens die diesjährigen Gewinner bekannt. Als Begründung wird mehr oder weniger unverblümt das Bedürfnis der Branche nach marktwertsteigernden Auszeichnungen genannt. Die Filmindustrie, heißt das, braucht die Bären, um ihre Geschäfte anzuheizen, das Publikum dagegen kann sich ruhig auch drei Monate später ein Bild machen.»

Andreas Kilb in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Ausgabe vom 12.2.2021) in einem längeren Artikel über die „Zweiteilung der Berlinale“ in Corona-Zeiten und „die Kluft zwischen Kinobranche und Publikum“

14.02.2021 – MK

Print-Ausgabe 7/2021

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