Knebelverträge von Netflix

20.08.2019 •

Aus einem von Doris Priesching geführten Interview mit dem österreichischen Schauspieler Juergen Maurer (u.a. „Neben der Spur“, ZDF; „Vorstadtweiber“, ORF/ARD; das Interview wurde am 17. August 2019 in der Tageszeitung „Der Standard“ publiziert, die in Wien erscheint):

Der Standard: […] Was ist Ihre Sehnsucht? Vielfältigere Rollen?

Juergen Maurer: Man wird als Schauspieler klassifiziert. Dass ich nicht in die metrosexuelle Ecke tendiere, ist evident. Da kann ich machen, was ich will. Ich möchte, dass es so bleibt. Die Angebote werden auf eine beruhigende Art und Weise weniger optional. Man wird gewollt.

Der Standard: Werten Sie schon die Netflix-Angebote aus?

Juergen Maurer: Ich hatte ein Netflix-Angebot, das ich sofort mit schallendem Gelächter abgelehnt habe, weil Netflix einem Drei- bis Vierjahresknebelverträge auf den Tisch legt, wo einem die Kipfler bis auf die Tischplatte runterfallen. Die Verträge führen sehr detailliert aus, was man alles nicht machen darf, wobei aber nicht einmal garantiert ist, dass man in der Serie bleibt. Man wird sehr exklusiv gebucht mit sehr wenig konkreter, gesicherter Screentime. Ich habe mich sehr gewundert.

Der Standard: Mit Konkurrenzklauseln, die sich gewaschen haben.

Juergen Maurer: Aber mit verschiedenen Waschmitteln. Ich habe ein sehr heterogenes Auftragsbild. Ich werde mich nicht exklusiv wegsperren lassen für eine Netflix-Serie, die womöglich für den Konzern selbst ein Versuchsballon ist. HBO hat gefragt, ob ich für die neunte Staffel von „Game of Thrones“ für eine Rolle casten möchte. Da hat es mich kurz gebeutelt – oida, „Game of Thrones“, unbedingt! Mir kam es aber terminlich ungelegen und außerdem wäre ich ein bissl der Guguwaz in der dritten Reihe hinten gewesen, der zweimal durchs Bild galoppiert und „uga-uga“ sagt. Es kommt schon auch darauf an, wie man wahrgenommen wird.

20.08.2019 – MK