ZDF sieht für Zeitraum von 2021 bis 2028 Einsparpotenzial in Höhe von 268 Mio Euro

20.10.2017 • Das ZDF hat den Bundesländern mitgeteilt, dass bei dem Sender für den Zeitraum von 2021 bis 2028 ein Einsparpotenzial in Höhe von insgesamt 268 Mio Euro ausgemacht worden sei. Dieser Betrag ist in dem Bericht des ZDF enthalten, den die öffentlich-rechtliche Fernsehanstalt den Ländern am 29. September übermittelt hat. Das ZDF veröffentlichte am 4. Oktober in seinem Internet-Angebot den Bericht. Nicht publiziert hat das ZDF die Anlagen zu dem Bericht, in denen die beabsichtigten Sparmaßnahmen im Einzelnen näher beschrieben werden. Diese Anlagen hat der Sender den Ländern und der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) „vertraulich zur Verfügung gestellt“.

Das ZDF musste den Ländern Ende September – wie auch die ARD und das Deutschlandradio – einen Bericht zu den Bereichen „Auftrag und Strukturoptimierung“ vorlegen. Die Länder hatten den öffentlich-rechtlichen Sendern unter anderem vorgegeben, „die finanziellen Auswirkungen der Reformvorschläge unter Angabe des konkreten Zeithorizonts“ zu beziffern (vgl. auch vorstehende und nachfolgende Meldung). Im Kreis der Bundesländer gib es seit März 2016 die Arbeitsgruppe „Auftrag und Strukturoptimierung der Rundfunkanstalten“, die von Rheinland-Pfalz und Sachsen geleitet wird.

Intendant Bellut: „Kein taktisches Angebot“

Die nun vom ZDF in seinem Bericht vorgeschlagenen Maßnahmen betreffen nicht den Programmbereich direkt, sondern nur die Bereiche Verwaltung, Technik, IT und Produktion. Die Einsparungen sollen laut ZDF sowohl durch eigene Maßnahmen als auch durch Projekte mit den ARD-Anstalten und dem Deutschlandradio realisiert werden. Zum einen geht es um Einsparungen bei den Kosten zur Verbreitung der ZDF-Programme. Vorgesehen sind zum anderen beispielsweise Auslagerungen oder Reduzierungen bei einzelnen infrastrukturellen Diensten (etwa Kfz-Service, Hausdruckerei). Im IT-Bereich sei bezüglich der Datensicherung bereits eine Kooperation mit dem Informations-Verarbeitungs-Zentrum (IVZ) von ARD und Deutschlandradio fixiert worden. Außerdem sei das Endgerätemanagement an eine externe Firma vergeben worden. Ferner prüft das ZDF, ob auch die Rechenzentrumsleistungen des ZDF künftig an einen externen Dienstleister übertragen werden können.

Sämtliche Maßnahmen zusammengenommen beziffert das ZDF das Einsparpotenzial von 2021 bis 2024 auf 98 Mio Euro. Schließt man die Jahre 2017 bis 2019 mit ein, wären es bis 2024 insgesamt 117 Mio Euro. Für die Jahre 2025 bis 2028 taxiert das ZDF die Einsparungen auf weitere 170 Mio Euro. Für den Zeitraum von 2021 bis 2028 ergäbe dies dann die besagten 268 Mio Euro (bezieht man die Jahre 2017 bis 2019 mit ein, steigt dieser Betrag auf 287 Mio). Das ZDF weist in seinem Bericht daraufhin, dass in seinen Berechnungen der Einsparpotenziale „aus systemischen Gründen die Vorsteuereffekte unberücksichtigt“ blieben, „während diese bei der ARD mit in die Berechnungen eingehen“. Außerdem nennt das ZDF ausschließlich solche Einsparpotenziale, die noch nicht von der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs (KEF) in deren 20. Bericht vom April 2016 berücksichtigt worden seien.

Mit der KEF hat sich das ZDF bereits vor einigen Jahren darauf verständigt, bis zum Jahr 2020 insgesamt rund 560 Vollzeitstellen zu streichen (vgl. FK-Hefte Nr. 3/12 und 39-40/14). Dies entspreche einem Abbau von zehn Prozent der Stellen, was „ein quälender, schwieriger Prozess“ sei, erklärte ZDF-Intendant Thomas Bellut am 29. September in Mainz bei einer Pressekonferenz im Anschluss an die jüngste Sitzung des ZDF-Fernsehrats. Durch diesen Stellenabbau sei das Durchschnittsalter der ZDF-Mitarbeiter inzwischen auf 50 Jahre gestiegen, was mit vergleichbaren Unternehmen „ein sehr hoher Wert“ sei, sagte Bellut. Mehr als die nun vorgelegten Einsparpotenziale in den Bereichen Verwaltung, Technik, IT und Produktion könne das ZDF nicht leisten, betonte der Intendant. Der nun den Ländern vorgelegte Bericht enthalte „kein taktisches Angebot“. Mehr könne er nicht anbieten, so Bellut.

Neue Zuschauergruppen erreicht

Das ZDF verweist in seinem Bericht an die Länder noch darauf, dass im Fall einer Reform der Altersversorgung beim ZDF „deutliche Entlastungen“ möglich seien. Und zwar dann, wenn es dem ZDF gelingen würde, mit den Gewerkschaften einen Vertrag abzuschließen, der den Konditionen der überarbeiteten ARD-Altersversorgung entsprechen würde. Bei einem solchen Abschluss würden sich „Einsparungen bei den Rentenzahlungen von rund 1 Mio Euro im ersten Jahr der Umstellung“ ergeben, „die im Zeitverlauf ansteigen und sich kumulieren“. Zusätzlich ließen sich in dem Jahr der Umstellung Rückstellungen für die Altersversorgung reduzieren, und zwar einmalig um voraussichtlich rund 130 Mio Euro.

Das ZDF hebt in seinem Positionspapier an die Länder hervor, dass für die Erfüllung des öffentlich-rechtlichen Auftrags im digitalen Zeitalter „eine Programmfamilie inklusive Mediathek und Online-Angebote notwendig“ sei. In diesem Zusammenhang bezeichnet das ZDF bestehende Beschränkungen beim Online-Auftrag (etwa den Sendungsbezug) als nicht mehr zeitgemäß. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk verliere „auch in Zeiten des Cloud-TV nicht an Bedeutung“, vielmehr „nimmt seine Relevanz für die Meinungsbildung, die Vermittlung von Grundwerten unserer Kultur und für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft noch zu“, so das ZDF.

Es sei außerdem gelungen, heißt es in dem Bericht, durch die Spartenkanäle ZDFneo und ZDFinfo, „neue Zuschauergruppen an das ZDF heranzuführen, die ansonsten kein Angebot der ZDF-Familie genutzt hätten. So haben“, wird im Bericht weiter ausgeführt, „weder die Partnerprogramme Kika, Arte, 3sat oder Phoenix noch das ZDF-Hauptprogramm in den letzten Jahren Marktanteile zu Lasten von ZDFneo und ZDFinfo verloren. Die Strategie, mit diesen beiden jünger ausgerichteten Programmangeboten den drohenden Generationenabriss zu stoppen, ist voll aufgegangen.“

20.10.2017 – vn/MK