ZDF hat eigene Direktion für 3sat und Arte aufgelöst

Das ZDF hat seine Direktion Europäische Satellitenprogramme zum 1. April 2017 aufgelöst. Zum selben Zeitpunkt ist der bisherige Leiter der Direktion, Gottfried Langenstein, beim ZDF ausgeschieden. Der 63-Jährige, der im Jahr 1987 zum ZDF gekommen und von 2007 bis 2010 auch Präsident des deutsch-französisch Kulturkanals Arte war, ist nun in den Ruhestand getreten. Langenstein hatte (als Nachfolger von Walter Konrad) am 1. Februar 2000 beim ZDF die Leitung der Direktion Europäische Satellitenprogramme übernommen, die vier Jahre zuvor eingerichtet worden war. Der ZDF-Geschäftsleitung gehören neben dem Intendanten jetzt nicht mehr sechs, sondern nur noch fünf Direktoren an (für Programm, Verwaltung und Produktion sowie der Chefredakteur und der Justiziar, die beide als Direktoren eingestuft werden).

Die ZDF-Direktion Europäische Satellitenprogramme war seit 1996 für die Sendeplanung und die Produktion von Inhalten für den Drei-Länder-Sender 3sat zuständig, den auf deutscher Seite ZDF und ARD mit veranstalten (weitere Partner bei dem Spartensender sind der österreichische ORF und die schweizerische SRG). Außerdem war die Direktion für die Zulieferungen des ZDF an den Kulturkanal Arte verantwortlich. ZDF-Intendant Thomas Bellut würdigte Gottfried Langensteins „herausragendes Engagement“ für 3sat, Arte und das ZDF und nannte ihn den „Außenminister und Kulturbotschafter des Senders“.

Zwang zur Effizienz

Sämtliche Aufgabenbereiche der aufgelösten Direktion werden in andere Direktionen des ZDF integriert. Der öffentlich-rechtliche Sender hatte bereits 2013 beschlossen, die Direktion Europäische Satellitenprogramme zum 1. April 2017 aufzulösen (vgl. FK-Heft Nr. 47/13). Damit war zugleich der Prozess zur Integration der Bereiche aus dieser Direktion in andere Direktionen des Senders eingeleitet worden. Die Entscheidung, die Direktion Europäische Satellitenprogramme aufzugeben, sei „ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer schlanken Organisation des ZDF“, bekräftigte ZDF-Intendant Thomas Bellut jetzt. Es gehe darum, Personal und Infrastruktur im ZDF künftig deutlich effizienter einzusetzen. Ähnlich hatte sich Bellut auch schon 2013 geäußert.

Hintergrund für den strukturellen Umbau ist eine Einsparvorgabe der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) vom Januar 2012. Damals legte die KEF dem ZDF auf, bis 2016 die Personalkosten um insgesamt 75 Mio. Euro zu senken. Darauf kündigte der Sender an, bis zu 400 Vollzeitstellen zu streichen, um die KEF-Vorgabe zu erfüllen. Später verständigten sich das ZDF und die KEF darauf, die Einsparvorgabe zeitlich zu strecken. Vereinbart wurde ein neues Einsparziel, wonach der Sender bis zum Jahr 2020 insgesamt rund 560 Vollzeitstellen abbauen muss (vgl. FK-Hefte Nr. 3/12 und 39-40/14). Laut Intendant Bellut sind bislang rund 450 Stellen weggefallen.

Die Integration der Bereiche aus der bisherigen Direktion Europäische Satellitenprogramme in andere Direktion des ZDF ermöglicht nach Darstellung des Senders nun, dass bislang getrennte Programmbereiche für das ZDF (inklusive ZDFneo und ZDFinfo) und für 3sat „in gemeinsamen Redaktionen zusammengeführt werden“ können. Gleiches gelte für die Bereiche Produktionsmanagement und Technik und für die Nutzung von Studiokapazitäten. Nach ZDF-Angaben geht es um die Integration von rund 230 Vollzeitstellen von 3sat.

Das Modell Plattformredaktion

Der Sender 3sat werde nun als Ganzes durch die „Koordination 3sat“ gesteuert, die in der Programmdirektion angesiedelt sei, hieß es weiter. Das bedeutet, ZDF-Programmdirektor Norbert Himmler hat jetzt zusätzlich den Vorsitz der 3sat-Geschäftsführung übernommen. Diese Position hatte ab Februar 2000 Gottfried Langenstein als ZDF-Direktor inne. Leiterin der 3sat-Koordination und Verantwortliche für die Programmplanung ist weiterhin Dinesh Chenchanna, die diese Aufgabe im Januar 2013 übernommen hat.

Die 3sat-Sendungen des ZDF werden nun nach Angaben des Senders in „genreorientierten Plattformredaktionen“ hergestellt, die dann auch die redaktionelle Verantwortung für die 3sat-Formate tragen. Das ZDF hatte bereits Ende 2013 beschlossen, im Sender „Plattformredaktionen flächendeckend“ einzuführen (vgl. FK-Heft Nr. 51-52/13). Unter einer Plattformredaktion versteht die Fernsehanstalt eine „sendeplatzübergreifende Bündelung der Programmherstellung nach Genres und Sujets in einer Organisationseinheit“, die für alle beteiligten Sender und Ausspielwege produziere.

Was die Herstellung der vom ZDF verantworteten 3sat-Formate angeht, werden rund 90 Prozent dieser Sendungen künftig innerhalb der ZDF-Programmdirektion entstehen, weitere zirka zehn Prozent unter dem Dach der Chefredaktion. Das hat laut ZDF zur Folge, dass 80 Prozent der 3sat-Mitarbeiter künftig innerhalb der ZDF-Programmdirektion arbeiten werden. Zehn Prozent wechseln in die Chefredaktion und weitere zehn Prozent in die Intendanz. So wird etwa die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit von 3sat in die ZDF-Hauptabteilung Kommunikation eingegliedert, die zur Intendanz gehört.

Wegfall von Arbeitsplätzen

Um die Redaktionen von 3sat besser in das ZDF integrieren zu können, hat die Fernsehanstalt entschieden, zum 1. April aus der bisherigen ZDF-Hauptredaktion Kultur, Geschichte und Wissenschaft und dem Programmbereich Musik zwei eigene Hauptredaktionen zu bilden. Seitdem gibt es die neue Hauptredaktion Kultur unter der Leitung von Anne Reidt (vgl. hierzu auch diese MK-Meldung) und die umgebaute Hauptredaktion Geschichte und Wissenschaft mit Peter Arens an der Spitze (Arens leitete zuvor die Hauptredaktion Kultur, Geschichte und Wissenschaft). Durch die strukturellen Veränderungen infolge der Integration der 3sat-Redaktionen werden nach Ansicht von Intendant Bellut die Programmbereiche Kultur und Wissen gestärkt.

Zur neuen Hauptredaktion Kultur gehören nun die drei Redaktionen „Kultur Berlin“, „Kultur/Kulturzeit“ und „Musik und Theater“ sowie die Abteilung „Zentrale Aufgaben“. Die Hauptredaktion Geschichte und Wissenschaft umfasst die sieben Redaktionen „Nano“, „Terra X“, „Wissen“, „Zeitgeschichte“, „Naturwissenschaft & Technik“, „Kirche & Leben Katholisch“ und „Kirche & Leben Evangelisch“ sowie die Abteilung „Zentrale Aufgaben“. Die 3sat-Redaktion „Makro“ ist jetzt Teil der Redaktion Wirtschaft in der ZDF-Hauptredaktion Wirtschaft, Recht, Service, Soziales und Umwelt. Die Filmredaktion von 3sat wurde in die ZDF-Hauptredaktion Spielfilm integriert. Die für 3sat-Kabarettsendungen zuständigen Mitarbeiter wechseln in die ZDF-Hauptredaktion Show.

Durch die Integration der 3sat-Redaktionen in die ZDF-Strukturen wird es nach Senderangaben zu einem Abbau von rund 70 Arbeitsplätzen im Redaktions- und Produktionsbereich bis zum Jahr 2025 kommen. Der in der bisherigen Direktion Europäische Satellitenprogramme angesiedelte Bereich für die Koordination der ZDF-Sendungen für Arte (mit insgesamt rund 50 Vollzeitstellen) wurde nun „ohne strukturelle Veränderungen“ in die Intendanz des Senders verlagert. Arte-Koordinator im ZDF ist seit Juni 2011 Wolfgang Bergmann.

10.05.2017 – Volker Nünning/MK