Weltfunkkonferenz in Genf: Erfolg für europäischen Rundfunk

Die europäische Rundfunkunion EBU hat die Entscheidung auf der Weltfunkkonferenz 2015 (World Radiocommunication Conference/WRC) begrüßt, dass das Frequenzband von 470 bis 698 MHz bis auf weiteres exklusiv dem Rundfunk zur Verfügung steht und nicht für den Mobilfunk geöffnet wird. Das sei ein wichtiger Beschluss, der den Zugang zu diesem Frequenzspektrum für das digital-terrestrische Fernsehen sichere, erklärte Simon Fell, EBU-Direktor für Technologie und Innovation, am 26. November. An diesem Tag wurde auf der knapp vierwöchigen Konferenz im schweizerischen Genf vereinbart, dass das Frequenzband von 470 bis 698 MHz bis mindestens zum Jahr 2023 ausschließlich dem Rundfunk vorbehalten bleibt.

Diese Entscheidung der Weltfunkkonferenz, die vom 2. bis 27. November stattfand und von der International Telecommunication Union (ITU) veranstaltet wurde, gilt für die sogenannte ITU-Region 1. Sie erstreckt sich über Europa (inklusive der Ukraine), Russland, Afrika, den Nahen Osten und weitere zehn Länder (Armenien, Aserbaidschan, Georgien, Kasachstan, die Mongolei, Usbekistan, Kirgisien, Tadschikistan, Turkmenistan und die Türkei). Der WRC-15-Beschluss besagt, dass bei der nächsten Weltfunkkonferenz im Jahr 2019 nicht erneut über das Spektrum von 470 bis 698 MHz für die ITU-Region 1 verhandelt wird. Erst bei der übernächsten WRC im Jahr 2023 soll dann die Frequenznutzung im gesamten Band von 470 bis 960 MHz ergebnisoffen neu überprüft werden.

USA können sich nicht durchsetzen

Für die ITU-Regionen 2 (Nord- und Südamerika, Grönland) und 3 (Iran, Südostasien, Australien) wurde in Genf eine gesonderte Regelung vereinbart. Mehrere Länder aus diesen beiden Regionen – unter anderen die USA, Kanada und Mexiko – haben bei der ITU eine Zuweisung des Frequenzbandes von 470 bis 698 MHz für den Mobilfunk eintragen lassen. Diese Länder können somit das Spektrum oberhalb von 470 MHz künftig dem Mobilfunk zuweisen, jedoch nur dann, wenn deren Nachbarländer einer solchen Nutzung zustimmen. Insbesondere die USA, aber auch Kanada und Mexiko, hatten bei der Weltfunkkonferenz in Genf auf eine weltweite Zuweisung des Spektrums von 470 bis 698 MHz für den Mobilfunk gedrängt, nicht zuletzt aus industriepolitischen Gründen (vgl. MK-Meldung).

Mit ihrer Position konnten sich die USA nun aber, trotz intensiver Lobbyarbeit im Vorfeld, nicht durchsetzen. Die Auffassung der USA stieß vor allem bei den europäischen und afrikanischen Staaten auf Ablehnung. Sie hoben die Bedeutung des Frequenzbereichs von 470 bis 698 MHz für den Rundfunk, konkret für das digital-terrestrisch verbreitete Fernsehen, und für Anwender drahtloser Mikrofone hervor. Die Industrievereinigung GSMA, die die Interessen der weltweiten Mobilfunkindustrie vertritt, hatte vor der Weltfunkfunkkonferenz gefordert, dass Spektrum oberhalb von 600 MHz dem Mobilfunk zuzuweisen. Eine solche Aufteilung des Bandes von 470 bis 698 MHz kursierte auf der Konferenz zwischenzeitlich als Kompromissvorschlag, wurde letztlich aber abgelehnt.

Investitionssicherheit für DVB-T2

Laut dem in München ansässigen Institut für Rundfunktechnik (IRT), zu deren Gesellschafter unter anderem ARD und ZDF zählen, bekannte sich in Genf „eine überwältigende Mehrheit der teilnehmenden Funkverwaltungen“ zu einer fortgesetzten Nutzung des Bandes von 470 bis 698 MHz durch den terrestrischen Rundfunk auch für die Zeit nach 2023. Das Ergebnis der WRC 15 bezeichnete das IRT als „einen großen Erfolg für den europäischen Rundfunk“. Das IRT war mit Vertretern in der deutschen Delegation repräsentiert, der insgesamt rund 70 Personen angehörten. Darunter befanden sich Abgesandte des Bundes und der Bundesnetzagentur sowie Vertreter unter anderem aus der Mobilfunkbranche, dem Rundfunkbereich, des Verbandes für drahtlose Produktionstechnik und aus der Forschung. An der WRC 15 nahmen insgesamt 3600 Delegierte aus 160 Ländern teil.

Der Beschluss der Genfer Weltfunkkonferenz für die ITU-Region 1 bedeutet nun für Deutschland Investitionssicherheit für das digital-terrestrische Fernsehen auf Basis des neuen DVB-T2-Standards, der ab Frühsommer 2016 zunächst testweise und innerhalb des ersten Quartals 2017 im regulären Betrieb eingeführt wird. Für DVB-T2 werden Frequenzen aus dem Band von 470 bis 698 MHz benötigt. Für den Aufbau und Betrieb des DVB-T2-Sendernetzes ist das Unternehmen Media Broadcast zuständig, das in dem WRC-15-Beschluss für die ITU-­Region 1 „eine wichtige Grundlage für den Erfolg von DVB-T2 HD“ sieht. Über DVB-T2 werden künftig insgesamt rund 40 öffentlich-rechtliche und private Programme übertragen, größtenteils in High-Definition-Qualität. Für den Empfang der meisten kommerziellen Programme in HD wird eine monatliche Extra-Gebühr fällig, deren Höhe noch nicht bekannt ist. Die neue Digitaltechnik löst den bisherigen DVB-T-Standard ab, der noch Frequenzen oberhalb von 700 MHz nutzt. Dieses Band (bis 790 MHz) haben Bund und Bundesländer im Frühjahr 2015 dem Mobilfunk zur künftigen ausschließlichen Nutzung zugeordnet. Die entsprechenden Frequenzblöcke wurden bereits Mitte Juni von der Bundesnetzagentur (Bonn) an die drei hiesigen Mobilfunkkonzerne versteigert, die über diese Frequenzen vor allem in ländlichen Regionen schnelle Breitband-Internetzugänge bereitstellen sollen.

Die bisherigen DVB-T-Frequenzen sind für den Mobilfunk vollständig nutzbar, sobald der Umstieg auf DVB-T2 beendet ist (was Mitte 2019 der Fall sein soll) und wenn die Koordinierung dieser Frequenzen mit den deutschen Nachbarländern erfolgreich abgeschlossen ist. Deutschland war das erste Land, dass das 700-MHz-Spektrum zur ausschließlichen Nutzung dem Mobilfunk zugewiesen hat. Auf der Weltfunkkonferenz in Genf wurde jetzt die bereits im Jahr 2012 eingeleitete Öffnung dieses Bandes für den Mobilfunk bekräftigt. Künftig wird das 700-MHz-Band weltweit für den Mobilfunk zur Verfügung stehen.

11.12.2015 – Volker Nünning/MK

Print-Ausgabe 11/2016

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