WDR schließt Etat 2015 mit 34,7 Mio Euro Überschuss ab

Der Westdeutsche Rundfunk (WDR) in Köln hat den Gesamtetat für das vorige Jahr mit einem Überschuss von 34,7 Mio Euro abgeschlossen. Das geht aus dem Geschäftsbericht 2015 des öffentlich-rechtlichen Senders hervor, der Anfang September 2016 veröffentlicht wurde. Im Jahr 2014 hatte der WDR seinen Gesamthaushalt mit einem Fehlbetrag von 34,4 Mio Euro abgeschlossen. Binnen Jahresfrist kam es somit zu einer Ergebnisverbesserung von 70 Mio Euro. Der WDR-Rundfunkrat hatte den Geschäftsbericht des Senders für 2015 in seiner Sitzung am 30. Juni 2016 genehmigt.

Der Jahresabschluss wird, wie es das WDR-Gesetz vorschreibt, nun noch vom nordrhein-westfälischen Landesrechnungshof geprüft. Dabei untersucht die Behörde auch die Wirtschaftlichkeit der Haushalts- und Wirtschaftsführung des WDR. Der Gesamthaushalt des Senders setzt sich aus dem Betriebshaushalt und dem Finanzplan zusammen. Aus dem Betriebshaushalt werden die laufenden Kosten für Personal und Programm bezahlt. Das Ergebnis des Betriebshaushalts wird in den Finanzplan übertragen, aus dem unter anderem Investitionen in Gebäude und Technik sowie künftige Altersvorsorgezahlungen abgerechnet werden.

Vermindertes Eigenkapital

Im Betriebshaushalt hat der WDR im vorigen Jahr mit einem Verlust von 104,3 Mio Euro abgeschlossen. Damit fiel das Ergebnis deutlich schlechter aus, als die Anstalt es in ihrem Wirtschaftsplan für 2015 prognostiziert hatte, der vom WDR-Rundfunkrat im Dezember 2014 genehmigt worden war. Damals war mit einem Defizit von 3 Mio Euro kalkuliert worden, also praktisch mit einem ausgeglichenen Haushalt (vgl. MK 3/15). Verluste im Betriebshaushalt gleicht der WDR aus, indem er die entsprechenden Fehlbeträge dem Eigenkapital entnimmt.

Aufgrund des Defizits von 104,3 Mio Euro im Jahr 2015 sank um diesen Betrag das Eigenkapital der Rundfunkanstalt. Mit Stand vom 31. Dezember 2015 belief sich das Eigenkapital des Senders auf 414,3 Mio Euro. Das Ergebnis des Betriebshaushalts 2015 ist zugleich in den Finanzplan übertragen worden. Im Finanzplan für das vorige Jahr hat der WDR unter dem Strich mit dem Überschuss von 34,7 Mio Euro abgeschlossen. Kalkuliert hatte der WDR Ende 2014 mit einem Überschuss im Finanzplan für 2015 in Höhe von 1,5 Mio Euro – damit fiel das Ergebnis signifikant besser aus als angenommen. WDR-Intendant Tom Buhrow hatte im Juli 2014 einen Sparkurs beim WDR eingeleitet. Dazu gehört der Abbau von rund 500 Planstellen bis zum Jahr 2020. Zur Begründung für diese Maßnahme verwies Buhrow 2014 darauf, dass nach den damaligen Berechnungen dem Sender ab 2016 im Schnitt 100 Mio Euro jährlich im Etat fehlen würden (vgl. FK-Heft Nr. 27/14).

Im vergangenen Jahr verfügte der WDR in seinem Betriebshaushalt über Einnahmen in Höhe von insgesamt 1,438 Mrd Euro. Davon stammten 1,205 Mrd – rund 84 Prozent – aus dem allgemeinen Rundfunkbeitrag; die übrigen Erlöse kamen unter anderem aus dem Verkauf von Werbezeiten und Sponsoringplätzen. In den Beitragseinnahmen waren auch 67 Mio Euro an Mehrerträgen enthalten, die der Sender auf ein Sperrkonto transferieren musste und somit nicht ausgeben durfte. Der WDR wie auch die übrigen öffentlich-rechtlichen Sender müssen Einnahmen aus dem Rundfunkbeitrag, die oberhalb ihres von der dafür zuständigen Fach­kommission KEF genehmigten Finanzbedarfs liegen in einer gesonderten Rücklage anlegen. Haushaltstechnisch wird dies beim WDR im Finanzplan berücksichtigt, indem dann dort die für 2015 erzielten Mehrerträge von 67 Mio Euro als gesonderte Rücklage verbucht werden.

Die Höhe der WDR-Pensionen

Im Jahr 2015 beliefen sich Ausgaben des WDR (Betriebshaushalt) auf insgesamt 1,542 Mrd Euro. Auf Urheber- und Leistungsvergütungen, etwa Auftragsproduktionen und Honorare für freie Mitarbeiter, entfielen dabei 312 Mio Euro. Für die Beteiligung des WDR an ARD-Gemeinschaftsaufgaben im Programm und an Koproduktionen fiel eine Summe von 157 Mio Euro an. Die Kosten für die 2015 beschäftigten Mitarbeiter bezifferte der Sender auf 358,4 Mio Euro. Am 31. Dezember 2015 waren beim WDR insgesamt 4587 Mitarbeiter in Voll- bzw. Teilzeitbeschäftigung festangestellt. Ende 2015 hatte der Sender insgesamt 4411 Planstellen, von denen im Jahresdurchschnitt 4225,4 Stellen besetzt waren. Zu den Personalausgaben für die heutigen WDR-Mitarbeiter kamen 2015 noch die Aufwendungen für die Altersversorgung, den Vorruhestand und die Altersteilzeit in Höhe von insgesamt 285,6 Mio Euro hinzu.

In diesem Betrag enthalten waren auch Pensionszahlungen in Höhe von 75,6 Mio Euro an insgesamt 3426 ehemalige WDR-Mitarbeiter. Im Durchschnitt hat damit im Jahr 2015 jeder frühere WDR-Beschäftigte eine Pensionszahlung von 1838 Euro pro Monat erhalten (zusätzlich zur gesetzlichen Rente). Die 2015 vom WDR ausgezahlten Pensionen hatten an den Betriebsausgaben des Senders einen Anteil von rund fünf Prozent. Die Personalkosten für die heutigen Mitarbeiter und die gesamten Aufwendungen für die Altersversorgung betrugen im Jahr 2015 zusammen 644 Mio Euro – was einem Anteil von knapp 42 Prozent an den Ausgaben entsprach.

Die Personalkosten des WDR haben sich im vorigen Jahr gegenüber 2014 um 81,3 Mio Euro und damit 14,4 Prozent erhöht. Der WDR begründet diesen Anstieg vor allem mit „Mehraufwendungen bei den Zuführungen zu den Rückstellungen für die Altersversorgung“. Diese Rückstellungen hätten erhöht werden müssen, weil der für deren Berechnung entscheidende, sogenannte Rechnungszinssatz im Jahr 2015 weiter gesunken sei (auf 3,89 Prozent; 2014: 4,53 Prozent). Zum Anstieg der Personalkosten habe auch beitragen, dass die Gehälter der WDR-Mitarbeiter ab November 2015 um zwei Prozent angehoben worden seien. Die höheren Vergütungen konnten laut WDR durch Stellenabbau und eine redu­zierte Besetzungsquote teilweise kompensiert werden.

Das Gehalt von Intendant Buhrow: 361.600 Euro

WDR-Intendant Tom Buhrow erhielt im Jahr 2015 ein Gehalt in Höhe von 361.600 Euro (2014: 359.300 Euro). Hinzu kamen noch Sachbezüge von 24.500 Euro für den privat zu versteuernden geldwerten Vorteil eines Dienstwagens. Eva-Maria Michel, WDR-Justiziarin und stellvertretende Intendantin, verdiente im vorigen Jahr 225.800 Euro; davon waren 12.000 Euro eine Zulage für die Funktion als Stellvertreterin von Intendant Buhrow. Bei Michel beliefen sich die Sachbezüge (Dienstwagen) auf 8800 Euro.

Das Gehalt von Fernsehdirektor Jörg Schönenborn bezifferte der WDR für das vorige Jahr auf 234.400 Euro. Darin enthalten ist dem Sender zufolge ein Betrag von 22.200 Euro, bei dem es sich um „eine Zulage wegen der Übernahme der Funktion der Koordination Fernsehfilm innerhalb der ARD sowie um Jubiläumsgeld“ handelt. Schönenborns Sachbezüge (Dienstwagen) betrugen 7700 Euro. Hörfunkdirektorin Valerie Weber und Produktionsdirektor Wolfgang Wagner verdienten 2015 jeweils 213.800 Euro. Bei beiden beliefen sich die Sachbezüge (Dienstwagen) jeweils auf rund 10.000 Euro. Verwaltungsdirektorin Katrin Vernau erhielt im vergangenen Jahr ein Gehalt von 174.000 Euro; ihre Sachbezüge (Bahncard 100 anstelle eines Dienstwagens) wurden mit 4800 Euro angegeben. Vernau übernahm die Direktorenposition beim WDR am 1. März 2015.

30.09.2016 – vn/MK

Print-Ausgabe 16-17/2017

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