WDR-Rundfunkrat bekräftigt Kritik an Talkshows „Maischberger“ und „Hart aber fair“

01.12.2017 • Der Programmausschuss des WDR-Rundfunkrats hat seine Kritik an den vom WDR redaktionell verantworteten ARD-Talkformaten „Maischberger“ und „Hart aber fair“ bekräftigt. Beide Sendungen setzten „nach wie vor zu häufig auf populistische Reizthemen“, was beispielsweise Anfang 2017 „zu inhaltlichen Überschneidungen bei Diskussionen über US-Präsident Trump“ geführt habe. Auch „alarmistische Zuspitzungen sowohl in Titeln wie auch in der Moderation auf negative Erwartungen, Beunruhigung und Angst“ bemängelt der Programmausschuss in seiner Stellungnahme, die dem WDR-Rundfunkrat in seiner Sitzung am 21. November vorgelegt wurde.

In der Stellungnahme, die nach der Rundfunkratssitzung auf der Internet-Seite des Gremiums veröffentlicht wurde, werden die „alarmistischen Zuspitzungen“ kritisiert, weil, so der Programmausschuss, „dadurch Populismus und Vereinfachung gefördert werden zulasten von Hintergrundinformationen“. Bei den Talkshows müsse auf Themenvielfalt und eine ausgewogene Gästeauswahl geachtet werden, hieß es weiter. Eine Arbeitsgruppe des 24-köpfigen Programmausschusses befasste sich in den vergangenen Monaten mit den von Januar bis Juli 2017 ausgestrahlten Talkshows „Hart aber fair“ und „Maischberger“, die von Frank Plasberg bzw. Sandra Maischberger moderiert werden. Auch wenn vom Programmausschuss dabei die Qualität der Talksendungen häufig als gut bewertet wurde, sah sich das Gremium nun wieder dazu veranlasst, auf „Verbesserungspotenziale aufmerksam zu machen“.

Der Gast, der nicht provoziert

Der WDR-Rundfunkrat und dessen Programmausschuss hatten sich bereits in den vergangenen Jahren mit den im ARD-Fernsehen ausgestrahlten Talkshows beschäftigt. Bereits in den Jahren 2012 und 2015 hatte der Rundfunkrat Kritik an den Themen und der Gästeauswahl geübt. Im Jahr 2012, als die ARD im Ersten Programm an den fünf Tagen von sonntags bis donnerstags jeden Abend eine Talkshow im Programm hatte, forderte der Rundfunkrat eine Reduzierung der Zahl der Gesprächsformate (vgl. FK-Heft Nr. 16/12).

Zu Jahresanfang 2015 war die Anzahl der ARD-Talkshows dann auf vier reduziert worden (die Sendung „Beckmann“ hatte Moderator und Produzent Reinhold Beckmann Ende 2014 auslaufen lassen). Seit Januar 2016 gibt es im Ersten noch drei abendliche Talkformate, nachdem Günther Jauch seine nach ihm benannte Sendung am Sonntagabend Ende 2015 beendet hatte. Auf den populären Sonntagstermin von 21.45 bis 22.45 Uhr nach dem „Tatort“ rückte dann wieder Anne Will mit ihrer Talkshow, für die innerhalb der ARD der NDR zuständig ist (vgl. MK-Artikel). Montags abends ist „Hart aber fair“ zu sehen (21.00 bis 22.15 Uhr), am Mittwochabend folgt „Maischberger“ (22.45 bis 0.00 Uhr). Im August bzw. September 2017 hatten der WDR- und der NDR-Rundfunkrat zugestimmt, die Verträge für die Produktion dieser drei Talkshows bis Ende Dezember 2020 zu verlängern (vgl. MK-Meldung).

Der Programmausschuss des WDR-Rundfunkrats appellierte nun erneut an die verantwortlichen Redaktionen von „Hart aber fair“ und „Maischberger“, „die Themen-Abstimmung zugunsten einer größeren Vielfalt aus aktuellen Nachrichten-, Sach- und Hintergrundthemen zu optimieren, um möglichst eine große Bandbreite von gesellschaftlich relevanten Themen zu erfassen“. Gesprächspartner, die in die Talkshows eingeladen würden, sollten „sachlich und kompetent argumentieren sowie differenzierte Positionen vertreten können, um dem Auftrag zur gesellschaftlichen Willensbildung – auch in komplizierten Themenfeldern – besser gerecht zu werden“. Es dürfe „auf keinen Fall Anspruch an die Gäste sein, zu provozieren oder Skandale erwarten zu lassen, besonders wenn es darum geht, einen gesellschaftlichen Diskurs anzuregen“.

Sender weist Vorwürfe zurück

Außerdem erhebt der Programmausschuss den Vorwurf, dass Frauen und jüngere Menschen in den Talkshows unterrepräsentiert seien. Sie sollten häufiger eingeladen werden. Die Moderatoren der Talksendungen sollten ferner „einen respektvollen Umgang zwischen den Teilnehmern gewährleisten“, damit es den Zuschauern möglich sei, den einzelnen Beiträgen zu folgen. Voraussetzung dafür sei „eine gründliche Vorbereitung der Sendungen und der Moderation, eine stärkere Eingrenzung des Themas sowie – je nach Thema – eine Reduzierung der Anzahl an Gesprächsteilnehmer/innen“. Schließlich regt der Programmausschuss an, auch neue junge Moderatoren einzusetzen, etwa in den Sommerpausen: „Damit könnte eine Belebung des Programmes mit frischen, neuen Gesichtern und Herangehensweisen erreicht werden.“

Der WDR wies die Kritik des Programmausschusses zurück und ließ wissen: „Im Detail kommen die Redaktionen in einzelnen Punkten zu anderen Einschätzungen, etwa mit Blick auf Auslandsthemen wie der Rolle von US-Präsident Trump. Dies war aus Sicht der Redaktionen auch im Rückblick kein populistisches Reizthema, sondern journalistisch notwendig.“ Die Gäste- und Themenauswahl erfolgten „prinzipiell auf der Grundlage gründlicher Recherche, inhaltlicher Relevanz und journalistischer Kriterien“, so der WDR. Zu dem Hinweis des Programmausschusses, auch junge Moderatoren bei den Talkshows einzusetzen, verwies der Sender darauf, dass „die renommierten Moderatoren Sandra Maischberger und Frank Plasberg beim Publikum großes Vertrauen“ genießen würden. Im Dritten Programm WDR Fernsehen werde aber auf „die kontinuierliche Entwicklung jüngerer Moderatorinnen und Moderatoren auch im Talkbereich“ gesetzt.

01.12.2017 – vn/MK