Watchbox statt Clipfish: Neues Videoportal der RTL-Gruppe

28.08.2017 • Die Mediengruppe RTL Deutschland hat am 26. Juli unter dem Namen „Watchbox“ ein neues Streaming-Angebot gestartet. Das gab das in Köln ansässige Unternehmen am selben Tag bekannt. Das neue Video-on-Demand-Portal wird von der Tochtergesellschaft RTL Interactive betrieben und ersetzt die bisherige von dem Unternehmen verwaltete Videoplattform Clipfish, die abgeschaltet wurde. Clipfish war im Juni 2006 von RTL Interactive gegründet worden, und zwar unter anderem als Reaktion auf den damals einsetzenden Boom, dass Nutzer, vor allem junge Menschen, eigene Clips drehen und diese übers Internet verbreiten. Clipfish wurde deshalb als Plattform für ‘User Generated Content’ aufgebaut.

Im Lauf der Zeit veränderte sich die inhaltliche Ausrichtung des Portals, über das dann ab 2013 ausschließlich professionell produzierte Inhalte abrufbar waren. Dazu gehörten bestimmte Serien und Filme sowie weitere Unterhaltungsgebote, etwa aus dem Fundus von BBC Worldwide. Der kostenfreie Abruf der auf Clipfish bereitgestellten Inhalte wurde durch Werbeeinblendungen refinanziert. Auch das Nachfolgeportal Watchbox ist werbefinanziert und bietet weiterhin den kostenfreien Abruf von Filmen, Serien und Animes. Eine Registrierung ist für die Nutzung auch hier nicht nötig.

Abseits des Mainstreams

Zum Start von Watchbox sind nach Angaben der RTL-Gruppe „mehr als 1000 Filme und 3000 Serien-Episoden“ verfügbar. Das Angebot soll sukzessive ausgebaut werden. Abrufbar sind die Inhalte per Internet-Browser, per App oder auch über Smart-TV-Geräte mittels des HbbTV-Standards. Nutzer, die sich bei Watchbox mit einer E-Mail-Adresse registrieren, können auf die Zusatzfunktionen „Meine Liste“ und „Weiterschauen“ zurückgreifen. Mit Watchbox will die RTL-Gruppe, wie es in der Pressemitteilung des Unternehmens weiter heißt, „Entdecker erreichen, die auf der Suche nach besonderen Inhalten abseits des Mainstreams sind“.

Abrufbar über das neue Streaming-Portal sind beispielsweise der 2005 herausgekommene Melodram-Thriller „Match-Point“ von Woody Allen und die Drama-Komödie „Leaves of Grass“ (2010) mit dem US-Schauspieler Edward Norton in einer Doppelrolle. Zu den verfügbaren Serien gehören unter anderem die britische Science-Fiction-Serie „Utopia“ (2013/14) und die schwedische Science-Fiction-Serie „Real Humans“ (2012 bis 2014). Exklusiv als Deutschland-Premiere ist über Watchbox derzeit die kanadische Horrorserie „Darknet“ (2013/14) zu sehen, deren deutsche Synchronisation von RTL Interactive eigens in Auftrag gegeben wurde.

Auf dem Portal Watchbox gibt es außerdem ausgewählte Clips aus Sendungen der zur RTL-Gruppe gehörenden Programme. Die vollständigen Sendungen stehen weiterhin auf den TV-Now-Portalen der Unternehmensgruppe zum Abruf bereit. Unter dem Dach von TV Now firmieren seit März 2016 die Mediatheken der acht Sender RTL, RTL 2, Vox, n-tv, Super RTL, Toggo plus, RTL plus und Nitro (das Anfang April 2012 gestartete Programm RTL Nitro heißt seit dem 31. Juli nur noch Nitro). Für den Betrieb der TV-Now-Portale ist ebenfalls das Unternehmen RTL Interactive zuständig, dessen Geschäftsführer seit Anfang Mai Jan Wachtel ist. Er war zuvor Chief Operating Officer (COO) bei der „Bild“-Gruppe und löste bei RTL Interactive Marc Schröder ab, der innerhalb der RTL-Gruppe als Chief Strategy Officer an die Spitze der neu eingerichteten Einheit ‘Strategie und Diversifikation’ wechselte.

Vorgaben des Jugendmedienschutzes

Über Watchbox sind nur Inhalte abrufbar, die für Zuschauer ab 16 Jahren freigegeben sind. Filme oder Serien mit einer Freigabe ab 18 Jahren gibt es nicht (so war es zuvor bereits bei Clipfish der Fall). Was die Nutzung von Watchbox über Internet-Browser angeht, erfüllt die RTL-Gruppe die Jugendschutzanforderungen über eine auf der Website implementierte Klassifizierung nach den Altersstufen ab 6, 12 und 16 Jahren, wie ein Sprecher von RTL Interactive auf MK-Nachfrage erklärte. Das heißt, jeder auf Watchbox abrufbare Inhalt wird mit der jeweiligen Altersstufe gelabelt (gemäß dem technischen Standard age-de.xml).

Durch solche Klassifizierungen können auf Computern installierte und auf dem age.de-xml-Standard basierende Schutzprogramme erkennen, ab welcher Altersstufe eine Website unbedenklich ist. Ein Internet-Nutzer, der mit einem solchen Filter surft, gelangt auf eine Seite nur dann, wenn er dafür über die entsprechende Freigabe verfügt. Aktuell gibt es nur ein anerkanntes Schutzprogramm, das die rechtlichen Anforderungen erfüllt. Es handelt sich um die Software JusProg des gleichnamigen Vereins, hinter dem unter anderem Medienkonzerne, aber auch Unternehmen aus der Erotikbranche stehen.

Anfang März 2017 entschied die Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter (FSM), dass die Software JusProg die Anforderungen des Jugendmedienschutz-Staatsvertrags (JMStV) erfüllt und somit ein geeignetes und anerkanntes Jugendschutzprogramm ist. Die FSM erteilte das Testat für die Dauer von zwei Jahren, also bis Anfang März 2019. Die JusProg-Software war bereits im Februar 2012 von der Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) als geeignet anerkannt worden – befristet bis Februar 2017. Aufgrund der Novelle des JMStV, die am 1. Oktober 2016 in Kraft trat (vgl. MK-Meldung), ist seither nicht mehr die KJM für die Prüfung zuständig, ob Jugendschutzprogramme die rechtlichen Vorgaben erfüllen und damit als anerkannt einzustufen sind; diese Aufgabe haben durch die Novelle Selbstkontrolleinrichtungen wie die FSM erhalten. Von großem Nachteil ist weiterhin, dass es die JusProg-Software nur für Windows-Rechner in einer Browser-basierten Variante gibt; für mobile Endgeräte und Apps ist sie zum Beispiel nicht verfügbar. Hinzu kommt, dass das Schutzprogramm kaum verbreitet ist.

Der neue Jugendmedienschutz-Staatsvertrag ermöglicht es Anbietern von Telemedien – dazu zählt rechtlich auch das Online-Portal Watchbox –, den Jugendschutzanforderungen dadurch gerecht zu werden, dass sie eine technische Altersstufenklassifizierung ihrer angebotenen Inhalte vornehmen, die an ein anerkanntes Jugendschutzprogramm angepasst ist. Diese Klassifizierung ist seit dem neuen JMStV ein weiteres Mittel, um die Jugendschutzanforderungen zu erfüllen – neben Altersverifizierungsverfahren und zeitlichen Einschränkungen des Abrufs von Inhalten im Netz (auf die Zeit zwischen 22.00 und 6.00 Uhr für Inhalte ab 16 Jahren bzw. zwischen 23.00 und 6.00 Uhr für Inhalte ab 18 Jahren).

28.08.2017 – vn/MK

Print-Ausgabe 19/2017

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