Stefan Raue Kandidat für Intendantenposten beim Deutschlandradio, doch es gibt offenbar einen Dissens

Auf der Suche nach einem neuen Intendanten für das Deutschlandradio sind die Verantwortlichen einen Schritt weitergekommen, aber zugleich scheint sich ein Dissens anzudeuten. Am 27. April hat der Verwaltungsrat des Senders den Beschluss gefasst, dem Hörfunkrat Stefan Raue zur Wahl zum neuen Intendanten vorzuschlagen. Das teilte das Deutschlandradio am 28. April offiziell mit. Vorsitzender des achtköpfigen Verwaltungsrats ist ZDF-Intendant Thomas Bellut. Stefan Raue, der 1958 in Wuppertal geboren wurde, ist derzeit trimedialer Chefredakteur des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR).

Das Deutschlandradio veranstaltet die drei Programme Deutschlandfunk, Deutschlandfunk Kultur und Deutschlandfunk Nova (vgl. hierzu diese MK-Meldung). Die Intendantenwahl bei der Hörfunkanstalt war nötig geworden, da der bisherige Amtsinhaber Willi Steul, 66, im November vorigen Jahres angekündigt hatte, vorzeitig seinen Posten abzugeben (vgl. diese MK-Meldung). Der Verwaltungsrat hatte daraufhin aus seinem Kreis eine vierköpfige Findungskommission unter dem Vorsitz von Thomas Bellut eingesetzt, um nach Kandidaten für das Intendantenamt zu suchen. In den Medien waren in den vergangenen Wochen vier Namen zu lesen, die mit dem Intendantenposten in Verbindung gebracht wurden, darunter auch der Name Stefan Raue. Die anderen drei Personen, die genannt wurden, waren Andreas-Peter Weber, Programmdirektor des Deutschlandradios, Eckart Gaddum, Leiter der ZDF-Hauptabteilung „Neue Medien“, sowie Martin Hoffmann, Intendant und künstlerischer Leiter der Berliner Philharmoniker und früher einmal Programmgeschäftsführer des privaten Fernsehsenders Sat 1.

Verwaltungsrat einstimmig

Die Pressemitteilung des Deutschlandradios vom 28. April zur Intendantenwahl hat folgenden Wortlaut: „Der Verwaltungsrat von Deutschlandradio hat am 27. April 2017 – alle acht Mitglieder waren anwesend – einstimmig beschlossen, dem Hörfunkrat Herrn Stefan Raue zur Wahl zum neuen Intendanten von Deutschlandradio vorzuschlagen. Dieses Vorgehen entspricht den Vorgaben des Deutschlandradio-Staatsvertrags. Der Vorsitzende des Verwaltungsrats, Herr Dr. Thomas Bellut, hat den Vorsitzenden des Hörfunkrats, Herrn Frank Schildt, über den Beschluss des Verwaltungsrats informiert. Er hat ihn gebeten, die Voraussetzungen für eine Wahl im Hörfunkrat herbeizuführen. Der Vorsitzende des Hörfunkrats wird die Mitglieder darüber informieren, dass die Wahl auf der Tagesordnung der ordentlichen Sitzung des Hörfunkrats am 8. Juni 2017 in Köln stehen wird. Nach dem Deutschlandradio-Staatsvertrag wird der Intendant vom Hörfunkrat auf Vorschlag des Verwaltungsrats gewählt. Sowohl der Beschluss des Verwaltungsrats über den Vorschlag als auch die Wahl des Hörfunkrats benötigen laut Staatsvertrag die Stimmen von zwei Dritteln der gesetzlichen Mitglieder des jeweiligen Gremiums.“

Am Tag, bevor der Sender diese Pressemitteilung per E-Mail verschickte, berichtete die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ) auf ihrer Internetseite, dass es gegen den Vorschlag, dass Stefan Raue die Intendantenstelle beim Deutschlandradio übernehmen solle, Widerstand im Hörfunkrat gebe. Kronzeuge für den Dissens ist der Chef der baden-württembergischen Staatskanzlei in Stuttgart, Klaus-Peter Murawski (Grüne), der zur FAZ sagte, dass er im Hörfunkrat keine Mehrheit für Raue sehe. Von Vertretern der Gewerkschaften und katholischer Kirche seien Bedenken gegen den Vorschlag des Verwaltungsrats geäußert worden. Stefan Raue sei, so Murawski, auf Drängen des nordrhein-westfälischen Medienstaatssekretärs Marc Jan Eumann (SPD) und des Berliner Staatskanzleichefs Björn Böhning (SPD) für den Intendantenposten ins Gespräch gebracht worden. Eumann und Böhning sind jeweils Mitglied im Verwaltungsrat des Deutschlandradios.

Widerstand im Hörfunkrat?

Murawski ist selbst Mitglied im Hörfunkrat und sagte, wie die FAZ am 27. April berichtete, er werde sich bei der Wahl „in jedem Fall widerständig verhalten“. Persönlich habe er nichts gegen Stefan Raue, erklärte Murawski weiter. Er halte allerdings eine „hausinterne Lösung“ für besser und schlage Deutschlandradio-Programmdirektor Andreas-Peter Weber für die Nachfolge Willi Steuls vor. Weber – der seit 2011 Programmdirektor ist – habe mit Steul einen Modernisierungsprozess im Sender angestoßen.

Der Hörfunkrat des Deutschlandradios hat derzeit nur 39 statt, wie eigentlich vorgesehen, 40 Mitglieder; ein gesellschaftlicher Verband hat derzeit keinen Vertreter in das Gremium entsandt. Der Vorschlag des Verwaltungsrats, den Kandidaten Stefan Raue zum neuen Intendanten zu wählen, benötigt, um auf die vorgeschriebene Mehrheit zu kommen, die Zustimmung von mindestens 26 Hörfunkratsmitgliedern. Stefan Murawski betonte gegenüber der FAZ: „Der Verwaltungsrat kann einen Kandidaten vorschlagen, aber der Hörfunkrat ist der eigentliche Souverän.“

05.05.2017 – da/MK