Programmdirektorin Claudia Nothelle verlässt den RBB Ende 2016

Claudia Nothelle, seit Mai 2009 Programmdirektorin des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB), verlässt den öffentlich-rechtlichen Sender Ende 2016. Am 9. November teilte der RBB mit, dass Nothelle die Rundfunkanstalt auf eigenen Wunsch verlassen werde. Im Dezember 2013 war die gelernte Journalistin vom RBB-Rundfunkrat für eine zweite fünfjährige Amtsperiode bis Ende April 2019 wiedergewählt worden. Als Programmdirektorin arbeitete Nothelle in den vergangenen rund sieben Jahren mit der früheren RBB-Intendantin Dagmar Reim zusammen. Anfang Juli dieses Jahres wurde Patricia Schlesinger in der Nachfolge von Reim neue Intendantin. Schlesinger leitete zuvor beim Norddeutschen Rundfunk (NDR) den Programmbereich ‘Kultur und Dokumentation’.

Die scheidende Programmdirektorin Nothelle wird in der Pressemitteilung des Senders mit folgenden Sätzen zu ihrem Abschied zitiert: „Der RBB ist heute ein sehr gut aufgestellter multimedialer Sender. Dieser lange Prozess war eine große Herausforderung innerhalb der ARD, und ich bin froh, dass ich ihn zusammen mit den Kolleginnen und Kollegen im RBB erfolgreich voranbringen konnte. Diese wertvollen Erfahrungen kann ich nun an anderer Stelle einbringen.“ Über ihre Zukunftspläne habe sie Patricia Schlesinger nach deren Wahl zur Intendantin informiert und ihr zugleich angeboten, die anstehenden Reformen mit auf den Weg zu bringen, so die 52-jährige Nothelle weiter: „Jetzt nutze ich die Möglichkeit, mich neu zu orientieren.“ RBB-Intendantin Schlesinger dankte Nothelle für ihre Arbeit. Sie habe, beispielsweise was „medienübergreifendes Arbeiten“ anbelange, gemeinsam mit ihren Redaktionen und Programmbereichen Maßstäbe gesetzt.

Programmreform beim RBB Fernsehen

Die neue RBB-Intendantin Schlesinger hatte im April vor dem Rundfunkrat bei der Intendantenwahl unter anderem angekündigt, das Fernsehprogramm des RBB moderner gestalten zu wollen. Damit deutete sie letztlich auch an, dass sie sich nicht damit zufrieden geben will, dass das RBB Fernsehen beim Publikumszuspruch im Vergleich mit den übrigen Dritten Programmen der ARD auf dem letzten Platz rangiert. Der Marktanteil des RBB Fernsehens belief sich im Zeitraum von Januar bis Oktober 2016 im eigenen Sendegebiet auf 5,5 Prozent (Gesamtjahr 2015: 6,3 Prozent).

Schlesingers Ziel ist es, das RBB Fernsehen bis Ende 2017 zu erneuern und bei der Reform den Schwerpunkt auf das Abendprogramm zu legen. Das RBB Fernsehen müsse „kantiger, mutiger, relevanter“ werden, so Schlesinger. Anfang Oktober wurde bekannt, dass mehrere Fernsehsendungen eingestellt werden. Dabei handelt es sich um das 14-täglich ausgestrahlte Politmagazin „Klartext“, das Nachmittagsmagazin „RBB um Vier“, die Reihe „Stadt, Rad, Hund“ und die drei Sendungen, die von Max Moor präsentiert werden („Bauer sucht Kultur“, „Bücher und Moor“, „Köche und Moor“). Acht Formate sollen überdies runderneuert werden. Vorgesehen ist, im ersten Halbjahr 2017 zwei Sendungen aus den Bereichen Wirtschaft/Verbraucherschutz und Gesellschaftspolitik neu ins Programm zu nehmen. Im weiteren Verlauf des kommenden Jahres soll außerdem im samstäglichen Programm eine Sendereihe zu den Themen Glaube, Weltanschauung und Integration gestartet werden.

Schulte-Kellinghaus als Direktor nominiert

Als neuen Programmdirektor des RBB und damit Nachfolger von Claudia Nothelle schlägt Intendantin Schlesinger dem Rundfunkrat nun Jan Schulte-Kellinghaus vom NDR zur Wahl vor. Der RBB-Rundfunkrat, der am 1. Dezember 2017 zu seiner nächsten Sitzung zusammenkommt, ist für die Wahl des Programmdirektors zuständig. Es gilt als sicher, dass der Rundfunkrat dem Personalvorschlag von Schlesinger zustimmt. Beim NDR leitet Schulte-Kellinghaus seit 2007 den Programmbereich ‘NDR Fernsehen und Koordination’; seit 2010 ist er auch Geschäftsführer der ARD-Koordination für das Vorabendprogramm im Ersten. Beim Fernsehen des NDR war der promovierte Jurist zuvor ab dem Jahr 2000 Leiter der Talkredaktion und ab 2005 zusätzlich Chef der Unterhaltungsredaktion.

Bevor Schulte-Kellinghaus zum NDR wechselte, arbeitete er für das ZDF, ab 1998 als Moderator und stellvertretender Redaktionsleiter des ZDF-Boulevardmagazins „Hallo Deutschland“ und davor ab 1996 als stellvertretender Leiter des ZDF-Landesstudios Thüringen. Schulte-Kellinghaus studierte Rechtswissenschaften in Bonn und Erfurt. Parallel zu seiner beruflichen Arbeit promovierte er im Jahr 1998 an der Universität Bonn mit einer medienjuristischen Arbeit (seine Dissertationsschrift trägt den Titel „Rundfunkbegriff und Gesetzgebungskompetenzen im digitalen Zeitalter“).

Welche berufliche Position die derzeitige RBB-Programmdirektorin Nothelle im nächsten Jahr übernimmt, ist noch nicht bekannt. Nothelle war 2006 zum RBB gekommen. Sie wurde von der damaligen Intendantin Dagmar Reim zur Fernsehchefredakteurin berufen; im Mai 2008 wurde Nothelle zusätzlich Fernsehdirektorin. Als ein Jahr später der RBB als erster ARD-Sender die Hörfunk- und die Fernsehdirektion zu einer multimedialen Programmdirektion zusammenlegte, wurde Nothelle deren Chefin. Auf Vorschlag von Reim hatte der RBB-Rundfunkrat Nothelle 2008 zur neuen Programmdirektorin gewählt. Fünf Jahre später wurde sie im Amt bestätigt (vgl. FK-Heft Nr. 47/08 und 50/13).

Bevor Claudia Nothelle zum Rundfunk Berlin-Brandenburg kam, war sie ab 1992 für den Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) tätig. Dort arbeitete sie unter anderem für das Politmagazin „Fakt“ (ARD/MDR), in der ARD-aktuell-Zulieferredaktion und als Reisekorrespondentin in Indien, Pakistan und Afghanistan. Am 1. März 2003 ging Nothelle für den MDR als Fernsehkorrespondentin in das ARD-Hauptstadtstudio nach Berlin. Claudia Nothelle studierte katholische Theologie, Germanistik und Pädagogik in Bonn und Mainz. An der Universität Mainz promovierte sie 1993 über das Weltbild von Jugendzeitschriften. Studienbegleitend hatte sie von 1984 bis 1986 das Institut zur Förderung publizistischen Nachwuchses (ifp) besucht, die Journalistenschule der katholischen Kirche. Seit September 2010 ist Nothelle Aufsichtsratsvorsitzende des ifp, das seinen Sitz in München hat.

27.11.2016 – vn/MK

Print-Ausgabe 14/2017

Inhalt

Abonnement

Jetzt abonnieren