Pro-Sieben-Sat-1-Chef Thomas Ebeling tritt vorzeitig ab

04.12.2017 • „Es gibt Menschen, ein bisschen fettleibig und ein bisschen arm, die immer noch gerne auf dem Sofa sitzen, sich zurücklehnen und gerne unterhalten werden wollen. Das ist eine Kernzielgruppe, die sich nicht ändert.“ Das erklärte Thomas Ebeling, Vorstandsvorsitzender der Pro Sieben Sat 1 Media SE im November bei einer Telefonkonferenz mit Aktienanalysten mit Blick auf die Zuschauer seiner Sendergruppe. Ebelings despektierliche Aussagen haben nun letztlich dazu geführt, dass der Manager das Unternehmen vorzeitig verlässt, bei dem er bereits vor einiger Zeit wegen sinkender Marktanteile der konzerneigenen TV-Sender und daraus resultierender rückläufiger Werbeeinnahmen unter Druck geriet.

Vier Tage nachdem Ebelings Bemerkungen öffentlich geworden waren, gab die Pro-Sieben-Sat-1-Gruppe am 19. November bekannt, dass der Vorstandsvorsitzende vorzeitig ausscheiden werde: Ebeling werde „das Unternehmen nach der für den 22. Februar 2018 angesetzten Bilanzpressekonferenz für das Geschäftsjahr 2017 verlassen“. Darauf hätten sich der Vorstandsvorsitzende und der Aufsichtsrat der Gesellschaft „einvernehmlich verständigt“. Vorsitzender des neunköpfigen Aufsichtsrats der Pro-Sieben-Sat-1-Gruppe ist seit Juni 2014 der 63-jährige Werner Brandt, früheres Vorstandsmitglied des Software-Herstellers SAP.

Zeiler, Tellenbach, Kogel

Schon seit einiger Zeit läuft beim Pro-Sieben-Sat-1-Konzern die Suche nach einem Nachfolger für Ebeling. Als Kandidaten für den Chefposten werden folgende Personen gehandelt: Gerhard Zeiler, Präsident von Turner Broadcasting System International (Time Warner) und davor Chef der RTL Group (Bertelsmann), Markus Tellenbach, früherer Chef des polnischen Medienkonzerns TVN, und Fred Kogel, Ex-Sat-1-Geschäftsführer und ehemaliger Chef der Constantin Medien AG. Der Pro-Sieben-Sat-1-Aufsichtsrat bestellte am 19. November Conrad Albert, Vorstand External Affairs & Industry Relations, zusätzlich zum stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden des Konzerns.

Der 58-jährige Ebeling hatte eigentlich noch einen Vertrag bis zur Pro-Sieben-Sat-1-Hauptversammlung im Sommer 2019. Bis zu diesem Termin war Anfang Juli 2015 Ebelings Vertrag verlängert worden (vgl. MK-Meldung). Damals hatte der Aufsichtsratsvorsitzende Brandt erklärt, Ebeling habe mit seinen Entscheidungen eine langfristige Wachstumsperspektive für Pro Sieben Sat 1 geschaffen.

Im November 2016 kündigte Ebeling dann an, er wolle nicht über den Sommer 2019 hinaus Chef von Pro Sieben Sat 1 bleiben. Damals befand sich die Pro-Sieben-Sat-1-Aktie bereits seit einigen Monaten im Sinkflug, während der Konzernchef „weiteres Wachstum“ ankündigte und auf „die intelligente Verknüpfung unserer reichweitenstarken TV-Sender mit den Digitalangeboten“ verwies. Am 21. März 2016 war Pro Sieben Sat 1 in den DAX aufgenommen worden, den Leitindex der deutschen Börse. Die Aufnahme in den DAX gelang, weil der Aktienkurs von Pro Sieben Sat 1 in den Jahren zuvor massiv gestiegen war, nicht zuletzt durch Ebelings Leitung des Konzerns.

Als der Manager im März 2009 Chef von Pro Sieben Sat 1 wurde – zuvor war er ab 1997 in verschiedenen leitenden Positionen beim Schweizer Pharmakonzern Novartis tätig –, war eine Aktie des Medienkonzerns nur noch 90 Cent wert. Der Aktienkurs vervielfachte sich in den Folgejahren und erreichte im November 2015 den Höchststand von 50,70 Euro. Zurückzuführen war dieser Kursanstieg darauf, dass Ebeling bestimmte Konzernteile, darunter etwa die TV-Sendeunternehmen in Belgien, den Niederlanden und in Nordeuropa und den Nachrichtenkanal N 24, verkaufte und die Mediengruppe auf Wachstumsfelder ausrichtete (Online, Entertainment, E-Commerce).

Den hohen Anstieg des Aktienkurses nutzten von Sommer 2013 bis Anfang 2014 auch die damaligen Pro-Sieben-Sat-1-Eigner, die Finanzinvestoren KKR und Permira, um gewinnbringend bei der TV-Gruppe auszusteigen (vgl. FK-Heft Nr. 4/14). Nach ihrem Ausstieg zahlten KKR und Permira dem Konzernmanagement Millionen-Boni; Vorstandschef Ebeling bekam 23,4 Mio Euro (vgl. FK-Heft Nr. 33/14).

Ebelings Konzernführung wurde in den vergangenen anderthalb Jahren an der Börse immer stärker hinterfragt; der Aktienkurs von Pro Sieben Sat 1 brach ein. Derzeit pendelt der Kurs um die Marke von 27 Euro. Aufgrund des Kursverfalls droht Pro Sieben Sat 1 aus dem DAX zu fliegen. Im Kerngeschäft Fernsehen sind die Marktanteile der Hauptsender Sat 1 und Pro Sieben deutlich gesunken, was auch daran liegt, dass die Sender über die Jahre inhaltlich ausgezehrt wurden. Hinzu kommt die Konkurrenz durch Streaming-Anbieter wie Netflix, die bei jungen Menschen beliebt sind, die auch das Zielpublikum der Pro-Sieben-Sat-1-Sender sind. Für seine Digitalsparte sucht Pro Sieben Sat 1 nach Partnern. Außerdem soll die Struktur des Konzerns durch die Zusammenlegung von Fernseh- und Digitalgeschäft umgebaut werden, um Kosten zu senken. Es droht zudem ein Abbau von Arbeitsplätzen. Keine guten Zukunftsaussichten für Pro Sieben Sat 1.

04.12.2017 – vn/MK