Nordrhein-Westfalen: Informationsplattform für Lokaljournalisten geplant

Die von der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (LfM) betriebene Stiftung für Lokaljournalismus „Vor Ort NRW“ plant den Aufbau und Betrieb einer digitalen Informations- und Kompetenzplattform. „Ziel der Plattform wird sein, journalistische Kompetenzen online zu vermitteln, Journalisten in NRW miteinander zu vernetzen und praktische Informationen zu liefern für Journalisten in NRW“, erklärte LfM-Sprecher Peter Widlok auf MK-Nachfrage. Bei der neuen Online-Plattform soll es auch um Datenjournalismus im Lokaljournalismus gehen. Geplant ist, dass über das Portal dann ein Online-Kurs zum Thema „Datenjournalismus für Lokalreporter“ mit insgesamt 13 Video-Tutorials abrufbar ist. Dieser Online-Kurs ist im Rahmen eines Kooperationsprojekts der LfM über ihre Stiftung mit dem Recherchebüro Correctiv entstanden.

Auf der digitalen Informations- und Kompetenzplattform der Stiftung „Vor Ort NRW“ soll, sobald die Plattform gestartet ist, auch das „Handbuch des selbstbestimmten Lokaljournalismus im Netz“ abrufbar sein. Dieses Handbuch hatte die Stiftung im September 2015 vorgestellt. Veranstaltungshinweise, Informationen zu Weiterbildungsmaßnahmen auch anderer Institutionen und „Best Practice-Beispiele“ aus dem digitalen Lokaljournalismus sollen auf der Plattform außerdem angeboten werden. Wann das Portal im Netz gestartet wird, ist offen: Zum Starttermin lasse sich „gegenwärtig noch keine Aussage machen“, erklärte Widlok. Auch „zur finanziellen Ausstattung der Plattform“ konnte der LfM-Sprecher noch keine näheren Angaben machen.

Budget in Höhe von 1,6 Mio Euro

Die Medienkommission der LfM hatte in ihrer Sitzung im September 2016 die von der Stiftung „beabsichtigte Projektplanung zum Aufbau einer digitalen Informations- und Kompetenzplattform zustimmend zur Kenntnis“ genommen. Der Budgetrahmen der Stiftung „für die Förderung von Vielfalt und Partizipation beträgt jährlich 1,6 Mio Euro“, heißt es auf der Internet-Seite der LfM. Von diesem Betrag stehe für die Arbeit der Stiftung rund eine Million Euro zur Verfügung. Die restlichen Mittel würden „unmittelbar durch die LfM unter anderem für die Qualifizierung im Lokalfunk sowie im lokalen und regionalen Fernsehen verwendet“. Der Haushalt der LfM beläuft sich in diesem Jahr auf insgesamt 17,1 Mio Euro.

Die Stiftung hat in den vergangenen Monaten drei sogenannte „Regionaltage“ veranstaltet, je einen in Münster, Köln und Dortmund. Die Regionaltage, die aus einem Workshop und einer Podiumsdiskussion bestehen, sollen „der Vernetzung der lokalen Medienakteure untereinander in den Regionen“ dienen, so LfM-Sprecher Widlok. Geplant sind in diesem Jahr noch Regionaltage im Regierungsbezirk Detmold (am 28. März in Bielefeld) und im Regierungsbezirk Düsseldorf (Termin noch nicht bekannt). Die Stiftung „Vor Ort NRW“ fördert seit März 2016 auf Projektbasis mehrere Maßnahmen zur Weiterbildung von Lokaljournalisten. Dazu hatte die LfM-Medienkommission im Januar 2016 eine Gesamtfördersumme von 195.000 Euro bewilligt.

Lokale Medienakteure

Insgesamt umfassten diese Maßnahmen sieben Projekte, bei einigen ist der Förderzeitraum bereits beendet, bei anderen läuft die finanzielle Unterstützung noch. Im Januar 2016 erhielten den Zuschlag für eine Förderung die RTL-Journalistenschule (Köln), das Journalistenzentrum Haus Busch (Hagen), die Business Academy Ruhr (Dortmund) und die Medienakademie Ruhr (Essen) gemeinsam mit dem privaten Duisburger Stadtfernsehen Studio 47. Außerdem wurden noch ausgewählt: der Verein ‘Top Talente’ (Hennef), das Journalistenbüro ‘Medienhaus Kai Rüsberg’ (Bochum) und das Journalistenbüro Michael Voregger (Gelsenkirchen) gemeinsam mit noch einmal dem Journalistenbüro ‘Medienhaus Kai Rüsberg’. Die einzelnen Projekte erhielten nach Angaben der LfM Förderbeträge, die zwischen 10.000 und 40.000 Euro lagen.

Die Stiftung „Vor Ort NRW“ geht zurück auf eine Idee von NRW-Medienstaatssekretär Marc Jan Eumann (SPD). Dessen ursprünglicher Plan, die Stiftung als eigenständige Einrichtung mit einer finanziellen Förderung der LfM aufzubauen, war wegen rechtlicher Bedenken gescheitert. Die nordrhein-westfälische Regierungskoalition von SPD und Grünen änderte dann im Sommer 2014 das Landesmediengesetz, wodurch in der Folge die Stiftung unter dem Dach der LfM angesiedelt wurde. Im Juni 2015 nahm die Stiftung unter ihrem damaligen Namen „Stiftung für Vielfalt und Partizipation“ ihre operative Arbeit auf (vgl. FK-Hefte Nr. 20/14 und 28/14 und diese MK-Meldung). Im März 2016 erfolgte die Umbenennung in „‘Vor Ort NRW’ – LfM-Stiftung für Lokaljournalismus“.

Eine zweite Vollzeitstelle

Die Stiftung ist eine gemeinnützige Tochtergesellschaft der in Düsseldorf ansässigen LfM. Geschäftsführerin der Stiftung ist seit April 2016 Simone Jost-Westendorf, die zuvor ab Juni 2015 Projektleitern der Stiftung war. Geschäftsführer der Stiftung ist außerdem Tobias Schmid, der seit Januar 2017 amtierende neue Direktor der LfM. Bis Ende 2016 war der damalige LfM-Chef Jürgen Brautmeier ebenfalls Stiftungsgeschäftsführer. Bei der Stiftung gab es bis Ende Januar 2017 nur eine Vollzeitstelle (besetzt mit Simone Jost-Westendorf). Anfang Februar wurde nun eine zweite Vollzeitstelle geschaffen. Das könnte dazu führen, dass die Stiftung ihre bisher nicht allzu großen Aktivitäten ausweitet und diese in der Öffentlichkeit dann auch sichtbarer werden.

Der Aufsichtsrat der Stiftung „Vor Ort NRW“ besteht aus drei Personen: Werner Schwaderlapp (Vorsitzender), Ulrike Kaiser und Carsten Dicks. Alle drei sind auch Mitglieder der LfM-Medienkommission, des plural zusammengesetzten obersten Beschlussgremiums der Düsseldorfer Medienanstalt. Werner Schwaderlapp ist Vorsitzender der Medienkommission; dort vertritt er die Industrie- und Handelskammern von Nordrhein-Westfalen. Ulrike Kaiser ist Vertreterin des nordrhein-westfälischen Landesverbands des Deutschen Journalisten-Verbands (DJV); sie leitet in der LfM-Medienkommission den Ausschuss für Vielfalt und Partizipation. Carsten Dicks, der in der Medienkommission die Zeitungsverleger vertritt, ist stellvertretender Leiter dieses Ausschusses.

08.03.2017 – vn/MK

Print-Ausgabe 14/2017

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