Nordrhein-Westfalen erhöht Medienförderung für 2017 auf 22,3 Mio Euro

Die nordrhein-westfälische Landesregierung von SPD und Grünen will im laufenden Jahr die Medienbranche mit insgesamt 22,3 Mio Euro fördern. Das geht aus dem Medienetat des Landes hervor, der Teil des NRW-Gesamthaushalts für 2017 ist. Der Gesamthaushalt für dieses Jahr war vom Landtag in Düsseldorf am 14. Dezember 2016 verabschiedet worden. Für die Annahme des Haushalts, in dem Ausgaben von insgesamt 72,7 Mrd Euro eingeplant sind, stimmten die beiden Regierungsfraktionen von SPD und Grünen. CDU, FDP und die Piraten, die drei oppositionellen Fraktionen im Landtag, lehnten den Haushalt ab. In diesem Jahr will die nordrhein-westfälische Landesregierung mehr Geld für den Medienbereich ausgeben als im vorigen Jahr: Gegenüber den Planzahlen von 2016 (20,6 Mio Euro) ist im Jahr 2017 ein Anstieg der Ausgaben um 1,7 Mio Euro vorgesehen.

Wie es bereits in den vergangenen Jahren der Fall war, erhält auch 2017 die Film- und Medienstiftung NRW den Großteil der Förderung des Landes. 9,6 Mio Euro bekommt die in Düsseldorf ansässige Institution wieder für die finanzielle Unterstützung insbesondere von Film- und Fernsehproduktionen. Hinzu kommen noch knapp 2,4 Mio zur Finanzierung laufender Betriebskosten (Gehälter, Miete etc.). Für die Filmförderung stehen der Einrichtung, die von Petra Müller geleitet wird, noch weitere Gelder in Millionenhöhe zur Verfügung. Dabei handelt es sich um jährlich rund 13,5 Mio Euro, die der Westdeutsche Rundfunk (WDR) aufgrund landesgesetzlicher Vorschriften (im WDR-Gesetz und im Landemediengesetz) aus Rundfunkbeitragsgeldern an die Filmstiftung weiterzuleiten hat. Außerdem unterstützen das ZDF, RTL und die Pro-Sieben-Sat-1-Gruppe die Filmstiftung mit Finanzmitteln, die sich zusammen auf rund 6,5 Mio Euro pro Jahr belaufen (ZDF: 2,9 Mio; RTL: rund 3,1 Mio, Pro Sieben Sat 1: 0,5 Mio).

Ausstieg der LfM bei der Filmstiftung

Im Jahr 2016 vergab die Filmstiftung nach eigener Darstellung insgesamt 30,1 Mio Euro für die Förderung von 405 Projekten zur Entwicklung, Produktion und Verwertung in den Bereichen Film, Fernsehen, Games und Internet. Zudem wurden im vergangenen Jahr insgesamt 52 Festivals, Filmpräsentationen bzw. Standortprojekte mit weiteren 1,22 Mio Euro unterstützt. Was die Filmförderung angeht, war im vorigen Jahr auf Ebene der Bundesländer die Filmstiftung NRW nicht mehr die Institution mit der höchsten Fördersumme. Hier rangierte der FilmFernsehFonds Bayern (FFF) auf dem ersten Platz. Der FFF stellte nach eigenen Angaben 2016 für die Filmförderung rund 37 Mio Euro bereit. Der deutliche Anstieg um 8 Mio Euro gegenüber dem Vorjahr ist auch auf Sondereffekte zurückzuführen. So gab es beispielsweise höhere finanzielle Rückflüsse und es wurden 2016 Fördermittel vergeben, die in vorherigen Jahren nicht abgerufen worden waren.

Bei der Düsseldorfer Filmstiftung ist seit Jahresbeginn 2017 die Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (LfM) nicht mehr Gesellschafterin. Im vorigen Jahr hatte die Medienkommission der LfM doch noch für den Ausstieg bei der Filmstiftung zum Jahresende 2016 votiert. Im Dezember 2015 war dafür in dem Gremium zunächst keine Mehrheit zustande gekommen (vgl. diese MK-Meldung). Den bisherigen Anteil der LfM in Höhe von fünf Prozent an der Filmstiftung hat Anfang 2017 das Land NRW übernommen, das nun mit 40 Prozent an der Fördereinrichtung beteiligt ist. Dem WDR gehören ebenfalls 40 Prozent der Anteile an der Filmstiftung. Jeweils zehn Prozent halten das ZDF und RTL.

In diesem Jahr erhält außerdem das zum 1. Januar 2017 neu geschaffene „Mediennetzwerk NRW“ bis zu 700.000 Euro aus dem Medienetat des Landes. Betrieben wird dieses Netzwerk von der Mediencluster NRW GmbH, einer 100-prozentigen Tochter der Filmstiftung. Aufgabe der neuen Einrichtung ist es laut NRW-Medienminister Franz-Josef Lersch-Mense (SPD), die Entwicklung der digitalen Medienwirtschaft in Nordrhein-Westfalen weiter voranzutreiben. Das Mediennetzwerk ist von nun an auch für die Organisation des jährlich in Köln stattfindenden Medienforums NRW zuständig (vgl. MK-Meldung).

Förderung von Webvideo-Produktionen

In diesem Jahr wird aus dem Medienetat des Landes Nordrhein-Westfalen auch wieder die Internationale Filmschule Köln (IFS) finanziell unterstützt: 4,3 Mio Euro erhält die Ausbildungsstätte, an der die Filmstiftung mit 90 Prozent beteiligt ist. Seit Januar 2017 bekommt die IFS weitere rund 600.000 Euro pro Jahr aus Rundfunkbeitragsgeldern des WDR, was ebenfalls auf spezielle landesgesetzliche Vorschriften im WDR-Gesetz und im Landesmediengesetz zurückzuführen ist, die von Rot-Grün verabschiedet worden waren. Von diesen Änderungen im NRW-Medienrecht profitiert seit Anfang 2017 auch das Grimme-Institut. Das in Marl angesiedelte Institut erhält von nun an jährlich rund 900.000 Euro aus Rundfunkbeitragsgeldern des WDR (vgl. hierzu diese MK-Meldung). Aus dem NRW-Medienetat bekommt das Grimme-Institut in diesem Jahr außerdem erneut eine institutionelle Förderung in Höhe von 1,42 Mio. Euro.

Im Medienetat des Landes für 2017 seien außerdem 600.000 Euro eingeplant für die „Förderung innovativer Games- und 360-Grad-Projekte“, erklärte Nina Heil, Sprecherin von NRW-Medienminister Lersch-Mense, auf MK-Nachfrage. Weitere 100.000 Euro seien vorgesehen für „eine Konzeption zur Einrichtung und Unterstützung von einem oder mehreren Webvideo-Spaces in Nordrhein-Westfalen“. Die Landesregierung plane, diese Mittel in Höhe von insgesamt 700.000 Euro „vorwiegend in Form von Zuwendungen“ zu vergeben, so Nina Heil: „Es sollen solche Projekte gefördert werden, die in besonderer Weise zur Stärkung des Medienstandortes NRW beitragen.“ Finanziell unterstützt wird vom Land in diesem Jahr außerdem wieder das Mediengründerzentrum NRW mit Sitz in Köln-Mülheim.

14.03.2017 – Volker Nünning/MK

Print-Ausgabe 6/2017

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