Neues Online-Jugendangebot: Gremien von SWR und ZDF stimmen zu

Der Rundfunkrat des Südwestrundfunks (SWR) hat dem Konzept des von ARD und ZDF gemeinsam geplanten Online-Jugendangebots für 14- bis 29-Jährige zugestimmt. Den entsprechenden Beschluss fasste das Gremium in seiner Sitzung am 21. Mai in Stuttgart. Auf der ARD-Seite hat der Südwestrundfunk die Federführung für das Projekt, so dass hier aufsichtsrechtlich der SWR-Rundfunkrat zuständig ist. Der Fernsehrat des ZDF stimmte auf seiner Sitzung am 29. Mai in Berlin dem neuen Jugendangebot wie erwartet ebenfalls zu.

Laut einer SWR-Mitteilung bezeichnete die Rundfunkratsvorsitzende des Senders, Margit Rupp, das vorgelegte Konzept als zukunftsweisend: „Das Jugendangebot von ARD und ZDF ist von immenser Bedeutung für die ganze Gesellschaft. Jungen Menschen müssen wir eine klare Alternative bieten zu den bestehenden Inhalten im Netz mit meist kommerzieller Ausrichtung.“ Das neue Online-Angebot werde sich durch die ökonomische und inhaltliche Unabhängigkeit klar von Geschäftsmodellen anderer Anbieter unterscheiden, so Rupp weiter: „Es verfolgt den Anspruch, identitäts- und demokratiestiftend sowie meinungsbildend zu wirken. Es wird den gesellschaftlichen Diskurs fördern und dazu beitragen, junge Menschen zu gesellschaftlicher Teilhabe zu befähigen.“

Konsultationsverfahren der Länder

Mitte Oktober vorigen Jahres hatten die Ministerpräsidenten der Bundesländer nach rund zweijährigen Beratungen beschlossen, ARD und ZDF den Start eines Online-Jugendangebots zu ermöglichen (vgl. FK 43-44/14). Die digitalen Fernsehkanäle Eins Plus (ARD) und ZDFkultur werden im Gegenzug eingestellt. Das im Oktober 2014 von den Anstalten vorgelegte Konzept für ein crossmediales, auf Basis eines linearen Fernsehprogramms betriebenen Jugendangebots hatten die Regierungschefs abgelehnt. Festgelegt hatten die Ministerpräsidenten damals auch, dass das vorgesehene Online-Projekt von ARD und ZDF bis 2020 jährlich maximal 45 Mio Euro kosten darf. Vom Gesamtbudget wird die ARD zwei Drittel tragen, also bis zu 30 Mio Euro; das ZDF wird ein Drittel und somit maximal 15 Mio Euro beisteuern. Die Sender haben zugesagt, das neue Projekt aus dem Bestand zu finanzieren, das heißt, sie werden für das Vorhaben in der kommenden Beitragsperiode (2017 bis 2020) keine zusätzlichen Rundfunkbeitragsmittel beantragen.

Starten können ARD und ZDF das neue Projekt erst, wenn die Länder dafür die rechtliche Grundlage geschaffen haben, also der Rundfunkstaatsvertrag um den Auftrag für das neue Online-Angebot ergänzt wurde. Das Portal könnte nach dem zu erwartenden Zeitplan im Lauf des Jahres 2016 in Betrieb genommen werden. Die Länder hatten sich im Oktober 2014 darauf verständigt, dass ARD und ZDF das Online-Jugendangebot direkt starten können, ohne dass sie zuvor noch einen Drei-Stufen-Test von ihren Aufsichtsgremien durchführen lassen müssen. Vorgesehen ist, dass sich die Rundfunkkommission der Länder auf ihrer Sitzung am 17. Juni in Berlin mit dem nun vorgelegten Konzept erstmals befasst.

Aufgrund der Vorgaben der Europäischen Union (EU) werden aber die Länder zu dem geplanten Projekt noch eine offene Konsultation durchführen. Ein solches Verfahren schreibt die EU-Rundfunkmitteilung vor. Darin heißt es, dass „betroffenen Akteuren“ die Möglichkeit einzuräumen sei, „im Rahmen einer offenen Konsultation zu den geplanten wesentlichen neuen Diensten Stellung zu nehmen. Das Ergebnis der Konsultation, die anschließende Bewertung sowie die Gründe für die Entscheidung sind öffentlich zugänglich zu machen“. Das genaue Procedere für die offene Konsultation, die Sommer stattfinden soll, steht noch nicht fest.

ARD und ZDF sehen in dem Projekt laut dem Konzept – das der MK vorliegt – „ein identitäts- und demokratiestiftendes, meinungsbildendes Angebot“, das „wie seine Zielgruppe auch Grenzen austestet und dabei ehrlich und authentisch ist“. Ziel sei es auch, „die junge Zielgruppe perspektivisch an das gesamte öffentlich-rechtliche Angebot heranzuführen – über die Nutzung des Jugendangebots hinaus“. Die Inhalte sollen „emotional und persönlich gestaltet“ werden und so „ein Gefühl der Zugehörigkeit“ schaffen. Sie sollen vor allem fünf „Kern-Genres“ abdecken: „Musik/Jugendkultur“, „Wissen (Service) und hintergründige Information“, „Comedy/Unterhaltung/Fun“, „Filme/Serien“ und „Sport“. Die Inhalte sollen aus einem „klugen Mix aus Eigenproduktionen, Koproduktionen, Kaufproduktionen und Lizenzankäufen sowie Umkonfektionierungen vorhandener Stoffe“ bestehen.

Grenzen austesten und Mut zum Irrtum

Das Jugendangebot – das noch keinen Namen hat – versteht sich laut Konzept als „Content-Netzwerk“. Das bedeutet, nicht die eigene Startseite im Netz steht zur Verbreitung der Inhalte im Vordergrund, sondern bei jungen Menschen beliebte Online-Plattformen. Als relevante Plattformen werden hier insbesondere YouTube, Facebook, Instagram, Twitter, WhatsApp und Snapchat eingestuft. Auf diesen Portalen müsse Jugendangebot stattfinden, heißt im Konzept. Über diese Plattformen soll dann auch die „Interaktion und Kommunikation mit dem User“ stattfinden. Gleiches gilt für „die Integration von User-Generated-Content“. Obgleich externe Plattformen genutzt werden, soll auch „kritisch über sie berichtet werden“. Über YouTube & Co. werden keine Inhalte des Jugendangebots verbreitet, so heißt es, die in die Alterskategorien „ab 16 Jahre“ und ab 18 Jahre“ fallen. Auf der eigenen Web-Seite des Jugendangebots werden solche Inhalte aus Gründen des Jugendmedienschutzes nur innerhalb bestimmter Uhrzeiten verfügbar sein (22.00 bzw. 23.00 Uhr bis 6.00 Uhr).

In der Startphase wollen die Macher des Jugendangebots auf „markante Leuchtturm-Formate“ setzen. Dabei werde es darum gehen, „Unabhängigkeit von den Muttermarken ARD und ZDF“ zu zeigen. Auf neue Trends soll das Jugendangebot schnell reagieren: „Es muss einen Labor-Charakter ausstrahlen (Mut zum Irrtum und zum Experimentieren!)“, wie es im Konzept formuliert ist. Dabei soll das Publikum schon bei der Produktion der Inhalte miteinbezogen werden. Eine Möglichkeit könnte sein, Usern „Piloten oder Formate in einem frühen Stadium der Entwicklung auf Testing-Plattformen zu präsentieren“, damit die Wünsche der Zielgruppe berücksichtigt werden können. Die jungen Hörfunkwellen der ARD sollen darüber hinaus mit dem Jugendangebot vernetzt werden. Zu dessen Gründungsgeschäftsführer war im März Florian Hager berufen worden (vgl. MK 6/15). Der 38-Jährige war bisher stellvertretender Programmdirektor und Hauptabteilungsleiter Programmplanung TV + Web bei beim Kulturkanal Arte.

29.05.2015 – vn/MK

Print-Ausgabe 7/2017

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