Netzbetreiber Tele Columbus führt Markenamen Pÿur ein

10.11.2017 • Der drittgrößte Kabelnetzbetreiber in Deutschland, die börsennotierte Tele Columbus AG mit Sitz in Berlin, tritt nun unter dem Markennamen Pÿur auf. Anfang Oktober hat die Firmengruppe damit begonnen, alle ihre Angebote unter diesem neuen Namen zu vermarkten, also den Zugang ins Internet, den Empfang von Fernsehprogrammen sowie die Telefon- und Mobilfunkverträge.

Die Tele-Columbus-Gruppe hatte in den vergangenen Jahren unter anderem die Kabelnetzbetreiber Primacom (Sitz: Leipzig) und Pepcom (Unterföhring bei München) wie auch die Telekommunikationsfirma HL Komm (Leipzig) übernommen und deren Angebote unter den jeweils bestehenden Namen weiter vermarktet. Die Umstellung auf den Markennamen Pÿur hat zunächst bei den Angeboten von Tele Columbus und Primacom begonnen. Ab Juli 2018 sollen auch die Pepcom-Angebote umbenannt werden.

Wechsel im Vorstandsvorsitz

Die Einführung des Markennamens Pÿur war von Tele Columbus Ende August angekündigt worden. Der Name – der sich eher als Ausspracherätsel erweist – solle, wie das Unternehmen damals in typischem Pressemitteilungsdeutsch bekanntgab, zum einen „für die Leistungsfähigkeit und das Selbstbewusstsein einer nationalen Marke“ und auch „für ein neues Verständnis für die Wünsche der Kunden nach einem einfachen und menschlichen Umgang miteinander“ stehen. Es gehe, erklärte der Tele-Columbus-Vorstandsvorsitzende Ronny Verhelst, um „Klarheit, Transparenz und Fairness“, die „alle Produkte und Dienstleistungen von Pÿur auszeichnen“.

Der Belgier Ronny Verhelst ist seit April 2011 Chef des Kabelnetzbetreibers. Zuvor arbeitete er bei Telenet, dem größten belgischen Kabelunternehmen. Seine Position als Vorstandsvorsitzender von Tele Columbus wird der 54-Jährige zum 1. Februar 2018 abgeben. Dass Verhelst Tele Columbus verlassen wird, hatte die Firmengruppe Ende Juli mitgeteilt und dafür „persönliche Gründe“ von Verhelst angeführt. Er wolle seinen Lebensmittelpunkt wieder in seine Heimat Belgien verlagern, erklärte Verhelst. Sein Vertrag als Vorstandsvorsitzender der Tele Columbus AG war im Oktober 2016 bis September 2019 verlängert worden (vgl. MK-Meldung). Verhelst wird nun 20 Monate vor Ablauf seines laufenden Vertrags bei dem Unternehmen ausscheiden.

Den Posten als Vorstandsvorsitzender von Tele Columbus übernimmt dann am 1. Februar 2018 Timm Degenhardt. Der 48-Jährige, der einen deutschen und einen schweizerischen Pass besitzt, ist bereits seit Mitte August dieses Jahres im Unternehmen tätig. Seit Anfang September ist er weiteres Mitglied des Vorstands, zu dem neben Ronny Verhelst noch Frank Posnanski (Finanzen) gehört. Dadurch, dass Degenhardt nun schon für Tele Columbus arbeitet, soll eine reibungslose Übergabe der Führungsverantwortung sichergestellt werden. Degenhardt arbeitete zuletzt beim Konzern Sunrise, dem zweitgrößten Mobilfunkanbieter der Schweiz. Bei Sunrise war er ab Februar 2013 zunächst Chief Marketing Officer (CMO) und ab Mai 2016 dann Chief Consumer Officer (CCO). Ende Februar 2017 hatte Degenhardt Sunrise verlassen.

Bevor Degenhardt zu Sunrise kam, war er ab 2004 in der Schweiz Vice President für Marketing und Produktentwicklung beim Telekommunikationsanbieter Orange (seit April 2015: Salt Mobile), ab 2007 Senior Vice President Marketing & Sales bei den Energiekonzern Eon (Düsseldorf) und ab 2010 Chef der schweizerischen Aizo-Gruppe, die ‘Smart-Home’-Anwendungen entwickelt. Timm Degenhardt hat ein Diplom in Marketing vom Chartered Institute of Marketing in London und einen Master-Abschluss in Marketing Management von der Nottingham Business School.

Geschäftsaktivitäten bleiben defizitär

Die Tele-Columbus-Gruppe erzielte im ersten Halbjahr 2017 nach eigenen Angaben einen Umsatz von 245 Mio Euro. Hinzu kamen „aktivierte Eigenleistungen“ und andere Erträge, so dass sich die Gesamteinnahmen auf 260 Mio Euro beliefen. Unter dem Strich wies die Unternehmensgruppe in den ersten sechs Monaten dieses Jahres einen Fehlbetrag von 8,3 Mio Euro aus. Die Geschäftsaktivitäten von Tele Columbus blieben damit weiterhin defizitär. In den Jahren 2013, 2014, 2015 und 2016 wies die Firmengruppe jeweils Fehlbeträge aus. Zum 30. Juni 2017 hatte Tele Columbus insgesamt 2,39 Mio Abonnenten. Das waren rund 30.000 Kunden weniger als Ende 2016.

Größter Einzelaktionär von Tele Columbus ist die United Internet AG. Der Konzern – der unter dem Markennamen „1&1“ DSL-Anschlüsse vermarktet und die E-Mail-Portale gmx.de und web.de betreibt – hält über seine Tochterfirma United Internet Ventures 28,5 Prozent der Aktien an dem Kabelnetzbetreiber. Außerdem gehören sechs Finanzinvestoren jeweils zwischen 3 und 12 Prozent der Tele-Columbus-Aktien. Die übrigen Aktien (32,5 Prozent) befinden sich im Streubesitz. Tele Columbus ist seit Januar 2015 an der Börse gelistet. Der Ausgabepreis für eine Aktie war mit 10 Euro festgesetzt worden (unter Berücksichtigung der Kapitalerhöhung von November 2015 betrug der bereinigte Ausgabepreis 7 Euro). Der Kurs der Tele-Columbus-Aktie pendelt seit einigen Wochen um die Marke von 9 Euro.

10.11.2017 – vn/MK