NBC News beteiligt sich mit 25 Prozent am europäischen TV‑Nachrichtensender Euronews

03.07.2017 • NBC News, Teil des US-Medienkonzerns NBC Universal, ist neuer Gesellschafter des europäischen Fernsehnachrichtenkanals Euronews. Mit einem Anteil von 25 Prozent ist NBC News bei dem in Lyon ansässigen Sender eingestiegen, wie Ende Mai von den Beteiligten bekanntgegeben wurde. US-Medienberichten zufolge beträgt der Kaufpreis für die Beteiligung 25 Mio Euro (rund 28 Mio Dollar). Der Name des TV-Nachrichtensenders wird im Rahmen des Einstiegs von NBC News demnächst in Euronews NBC geändert. Auch das bunte Logo von NBC, das einen stilisierten Pfau darstellt, wird dann in das Emblem von Euronews integriert.

Euronews ist seit dem 1. Januar 1993 auf Sendung. Das Programm wird aktuell in zwölf Sprachfassungen verbreitet, darunter in englischer, französischer, deutscher, italienischer, arabischer und persischer Sprache. Am 21. Mai wurde die Ausstrahlung in Ukrainisch eingestellt. Nach Angaben von Euronews (Stand: Ende April) werden täglich weltweit insgesamt 40 Mio Menschen erreicht, die das Programm entweder live verfolgen oder Sendungen nachträglich über das Internet abrufen.

Europäischen Journalismus stärken

Den Senderangaben zufolge ist das Programm weltweit in 277 Mio Hauhalten rund um die Uhr zu empfangen (in weiteren 156 Mio Haushalten nur zu bestimmten Uhrzeiten). Die meisten Haushalte, die Euronews rund um die Uhr sehen können, befinden sich in Europa, dem Nahen Osten und Afrika (insgesamt 249 Mio Haushalte). Euronews hat rund 1000 Angestellte, darunter etwa 600 Journalisten. Der Sender unterhält weltweit acht Büros, eingeschlossen ist dabei ein Newsroom in Brüssel.

Dass NBC News an einer Beteiligung an Euronews interessiert ist, war bereits vor einigen Monaten öffentlich geworden. An Euronews ist nun auch das Unternehmen Comcast Corporation beteiligt, der nach Google (Alphabet) zweitgrößte Medien- und Technologiekonzern der Welt, zu dem seit 2011 NBC Universal gehört. Der ägyptische Milliardär Naguib Sawiris, der seit 2015 Mehrheitsgesellschafter von Euronews ist, erhöht im Zuge des Einstiegs von NBC News seine Beteiligung von bisher 53 auf nun 60 Prozent. Dadurch investiert Sawiris, der unter anderem im Telekommunikationsgeschäft tätig ist, zusätzlich mehrere Millionen in Euronews.

Durch den Einstieg von NBC News und die Anteilsaufstockung von Sawiris schrumpft in der Folge der Anteil der übrigen 24 Gesellschafter von Euronews auf zusammengerechnet 15 Prozent (bisher: 47 Prozent). Dabei handelt es sich zum einen um 21 öffentlich-rechtliche und staatliche Rundfunkanstalten, darunter France Télévisions (Frankreich), RTBF (Belgien), RTP (Portugal), die RAI (Italien) und die SRG (Schweiz) sowie ERT (Ägypten) und TRT (Türkei). Zum anderen sind seit Ende 2012 bei Euronews drei lokale französische Behörden Gesellschafter, darunter die Metropolregion Lyon. Die deutschen Sender ARD und ZDF sind nicht an Euronews beteiligt.

Vom Einstieg bei Euronews verspreche sich NBC News, seine „weltweite Reichweite“ auszubauen, erklärte Andrew Lack, Chairman von NBC News und des US-Nachrichtenkanals MSNBC. Man habe, ergänzte Deborah Turness, Präsidentin von NBC News International, verschiedene Optionen geprüft, um die internationale Reichweite von NBC News zu vergrößern. Letztlich sei die Entscheidung für einen Einstieg bei Euronews gefallen, weil keine andere Nachrichtenorganisation den Maßstab und die Tiefe habe bieten können, wie es bei Euronews der Fall sei. Ziel sei es, so Turness weiter, bei Euronews europäischen Journalismus zu stärken. In diesem Feld gebe es keinen direkten Mitbewerber. Es sei ferner geplant, neue Sendungen und Diskussionsformate ins Programm zu nehmen.

Fördergelder von der EU-Kommission

Deborah Turness war Anfang August 2013 vom britischen Sender ITV zu NBC News gewechselt und übernahm dort den Posten als Präsidentin. Im Februar dieses Jahres wurde die gebürtige Britin dann auf die neu geschaffene Position der Präsidentin von NBC News International berufen, um die Aktivitäten von NBC News vor allem in Europa auszubauen, wie jetzt über die Beteiligung an Euronews geschehen. Deborah Turness ist nun in Zusammenarbeit mit Euronews-Chef Michael Peters für die redaktionellen und programmlichen Angelegenheiten und die strategische Ausrichtung zuständig. Peters, 1971 in Flensburg geboren, ist seit 2011 Vorstandschef des Senders Euronews, für den er seit 1998 arbeitet.

Seit dem Sendestart im Jahr 1993 wird Euronews von der EU-Kommission in Brüssel finanziell unterstützt. 2016 belief sich die Förderung auf 25 Mio Euro für die Herstellung von Programminhalten und deren Übersetzung in bestimmte Sprachen. Die EU-Gelder machen einen signifikanten Anteil am Budget des Senders aus, das nach französischen Medienberichten zuletzt rund 75 Mio Euro pro Jahr betrug. Euronews erzielt auch Einnahmen durch Werbezeitenverkauf, deren Höhe allerdings nicht bekannt ist. In diesem Jahr soll Euronews von der Europäischen Kommission ebenfalls mit einem Betrag von 25 Mio Euro gefördert werden.

Die Brüsseler Kommission entschied im Februar 2017, die finanzielle Unterstützung von Euronews bis 2020 zu verlängern. Die Höhe des EU-Förderbetrags und die konkreten Förderprojekte werden jährlich über gesonderte Vereinbarungen mit Euronews festgelegt. Aufgrund der Zuschüsse durch die Europäische Union wird von manchen Kritikern die Unabhängigkeit von Euronews in Zweifel gezogen, insbesondere wenn es um die Berichterstattung über EU-Themen geht. Euronews verweist grundsätzlich darauf, redaktionell unabhängig zu sein. Die EU-Kommission, die auch andere Sender finanziell unterstützt, erklärte, sie achte deren journalistische Unabhängigkeit. Trotz der EU-Förderung schreibt Euronews rote Zahlen. Erst im Jahr 2020 erwartet Vorstandschef Peters, die Gewinnschwelle zu erreichen. In den kommenden fünf Jahren sollen außerdem die Werbeeinnahmen von Euronews verdoppelt werden.

03.07.2017 – Volker Nünning/MK

Print-Ausgabe 14/2017

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